Ja, ja, man weiß es ja. Die Scorpions sind eine überkommende Kaspertruppe… Bla, bla, blubb. Klar, sie hatten zweifelsohne einige richtige Tiefpunkte. Doch wie so oft gilt der Prophet im eigenen Land nicht viel und man vergisst gerne, welche grandiose und stilprägende Hardrock-Truppe die Hannoveraner in den 70ern und 80ern mit Alben wie „Virgin Killer“ oder „Blackout“ waren.

Als die Gruppe vor ein paar Jahren groß ihren Abschied verkündete, fasste man die Gelegenheit beim Schopfe und ließ die Kamera mitlaufen. Die Aufgabe fiel Filmemacherin Katja von Garnier (u.a. „Bandits“, „Ostwind“) zu, die schlussendlich nicht nur die vermeintliche Abschiedstour dokumentierte, sondern gleichzeitig ein Portrait von fünf Jahrzehnten Bandgeschichte zeichnete – verpackt in rund 100 Minuten Spielzeit.

Ergebnis ist ein unterhaltsamer und äußerst kurzweiliger Film, der sich mehr im die teilnehmenden Personen, als um die Musik dreht. Und eines ist dabei ganz klar: die Chefs im Ring waren immer schon und sind auch heute noch Gitarrist Rudolf Schenker und Sänger Klaus Meine. Mit viel Einsatz und voller Leidenschaft haben sie den Dampfer stets auf Kurs gehalten (oder es zumindest versucht). Und eines tun sie auch heute noch: sie brennen für ihren Job!

Das bestätigen auch zahlreiche Weggefährten wie der mittlerweile verstorbene Bandmanager Peter Amend oder „Blackout“-Coverdesigner Gottfried Helnwein. Schön, dass auch Personen zu Wort kommen, die früher mitten im Geschehen waren, aber schon lange nicht mehr zum inneren Kreis gehören: ex-Drummer Hermann Rarebell oder Plattenproduzent Dieter Dierks zum Beispiel. Nur schade, dass dabei im unguten ausgeschiedene Personen wie ex-Bassist Francis Buchholz komplett ausgeklammert werden. Und auch der äußerst wichtige Uli Jon Roth wird nur einen kurzen Augenblick lang erwähnt.

Dies ist auch das größte Manko des Films: er geht nicht zu sehr in die Tiefe und stellt die Protagonisten in ein vielleicht etwas zu positives Licht. Wobei man auf der anderen Seite anerkennen muss, dass auch die eine oder andere (persönliche) Tiefpunkt nicht ausgeklammert wird. Wer sich daran nicht stört, kann sich an zahlreichen alten, skurrilen und interessanten Aufnahmen erfreuen.

Die Scorpions sind ohne wenn und aber ein Stück Rockgeschichte und „Forever and a day“ wird dem auch ganz gut gerecht. Das Ganze ist eine unterhaltsame Mischung aus Geschichtsaufbereitung und (relativ) aktuellem Geschehen.

Scorpions - Forever and a day

Scorpions - Forever and a day (Sony Music, 21.08.2015)
3.8Gesamtwertung