Es muss schon toll sein, wenn man die Einladung bekommt im Vorprogramm seiner Lieblingsband zu spielen. Vor allem, wenn man sich auf einem Konzert ebenjener Band gründete und sich auch noch einem Album dieser Truppe benannte. Um wem es geht? Um die Stader Band Bleeding, die ihre erste Minitour als Support für die Progmetal-Legende Psychotic Waltz spielen konnte, die selbst auch schon viel zu lange nicht mehr in unseren Gestaden weilte. Also gleich doppelt Grund seinen Hintern mal wieder vom allzu gemütlichen, heimischen Sofa empor zu wuchten. Wir waren beim zweiten der insgesamt drei gemeinsamen Konzerte im Münchener Backstage dabei.

 

 

Bleeding dürften für die meisten an diesem Abend noch ein unbeschriebenes Blatt gewesen sein, selbst man mit seinem Debütalbum „Behind Transparent Walls“ für etwas Aufmerksamkeit im Underground sorgen konnte. Aber das sollte sich schnell ändern, denn die mittlerweile mit der von Poverty’s No Crime eingekeschten Rhythmusgruppe aufgepimpte Band gab von Sekunde eins an Vollgas und präsentierte sich mittlerweile als gut eingespielte Einheit. Mit seinem prog-thrashigen Sound, dem man Einflüsse von Truppen wie Anacrusis, Depressive Age und eben dem Hauptact des Abends deutlich anhörte, rannte man offensichtlich offene Türen ein und bereits nach dem ersten Song bekam man mehr als nur Höflichkeitsapplaus vom Publikum, das sich so langsam sammelte. Mit dem anspruchsvollen Sound, der sich nie in Eitelkeiten ergeht, traf man wohl einen Nerv.

Sänger Haye Graf sorgt für einen Hauch Theatralik, der dem Ganzen das gewisse Etwas verpasst, selbst wenn so mancher vielleicht leichte Probleme mit dem etwas künstlerischen Auftreten des geborenen Bühnenmenschen haben mag. Aber sind es nicht diese kleinen Ecken und Kanten, die eine Band besonders machen? 45 Minunten voller Spiellaune und spannender Songs gab es von Bleeding. Mit im Gepäck hatte man auch vier neue Songs des kommenden Albums „Elementum“, welches wohl im Herbst das Licht der Welt erblicken wird. Das ausgeflippte „When They Come“, das melodisch interessante „Ember“ und das bereits bestens bekannte, wunderbare „Heir To Apostasy“ lassen einen jedenfalls sehnsüchtig darauf warten.

Mit dem standesgemäßen „Souldancer“ der Debüt-EP endete der Auftritt ziemlich amtlich und Bleeding dürften sicherlich den einen oder anderen neuen Fan hinzugewonnen haben. Zu gönnen wäre es ihnen jedenfalls!

Setlist Bleeding:
Fading World
Heir To Apostasy
When They Come
Bleeding
Madness
Ember
Sense And Silence
Souldancer

 

Mittlerweile ist es amtlich warm gewurden, an diesem Dienstag, der bis dahin der wärmste Tag des Jahres war. Da konnte man die Entscheidung des Veranstalters gar nicht nachvollziehen, dass man das Konzert nicht kurzfristig in die größere Halle verschob, nachdem diese auch frei war. Denn bereits als die ersten Klänge von Psychotic Waltz erschallten, konnte man die Luft schon regelrecht schneiden, nachdem der Club jetzt auch pickepackevoll war und man kaum mehr umfallen konnte. Der Schweiß ronn so jedem Besucher in Strömen von der Stirn.

Aber egal, das war schnell vergessen, als die ersten Töne von „Dancing In The Ashes“ erklangen. Was in den folgenden rund 100 Minuten passierte konnte man nur mit einem Wort (na gut, zweien) bechreiben: pure Magie! Es war wunderbar, mit welch traumwandlerischer Gelassenheit die vier Instrumentalisten auch die kompliziertesten Songs darboten. Besonders augenfällig natürlich mal wieder das Gitarrenduo Rock/McAlpin, das einen mit seinen unwiderstehlichen Harmonien verwöhnte. Und über allem trohnte Sänger Devon Graves mit seinen leidenschaftlichen Gesangslinien, die nicht selten von ganz weit draußen kommen. Dabei ist es schon der Hammer, mit welchem Charisma der Mann gesegnet ist und wie er einen mitreißt, selbst wenn er eigentlich meist recht introveriert agiert.

Das Publikum saugte jeden Song bereitwillig auf und bereits mit den Songs zwei („Faded“) und drei („Mosquito“) war die Stimmung einfach grandios. Dabei ist es recht erstaunlich welche Stimmung die Band mit ihrer Musik erzeugt. Prog und Partystimmung geht nicht zusammen? Von wegen, geht sehr wohl! Den Beweis traten Psychotic Waltz an diesem Abend an. Lag wahrscheinlich auch daran, dass man einfach froh war Göttergaben wie „Another Prophet Song“, „A Psychotic Waltz“ oder „Into The Everflow“ live genießen zu können. Ein ganz großer Gänsehautmoment: die Ballade „I Rember“ (mit Querflöteneinsatz). Größter Mitsingaugenblick: das knackige „Morbid“. Einen neuen Titel gab es mit „While The Spiders Spin“, der es durchaus mit den alten Songs aufnehmen kann und der hungrig auf mehr macht. Hier gab es eine der wenigen echten Ansagen von Sänger Devon, der immer noch unglaublich gut bei Stimme ist. Ein Appell, doch mal sein Smartphone in der Hosentasche stecken zu lassen und die Welt aussschließlich durch die eigenen Augen zu sehen.

Irgendwann war leider auch der Zeitpunkt für den Abschied gekommen. Auf vorher eingeplante Pseudo-Zugaben verzichtete man sympathischerweise und haute das Abschluss-Triple „Halo Of Thorns“, „I Of The Storm“ und „Nothing“ einfach so raus. Der Jubel war groß und man beklatschte die Band stark. Nach weiteren Nummern wurde dann aber nicht mehr geschrieen, was der unglaublichen Hitze des anscheinend lüftungsfreien Clubs geschuldet war.

Grandios war es auf jeden Fall!

Setlist Psychotic Waltz:
Dancing in the Ashes
Faded
Mosquito
Northern Lights
Haze One
Ashes
Locust
Another Prophet Song
While the Spiders Spin
I Remember
A Psychotic Waltz
Only in a Dream
Into the Everflow
Morbid
…And the Devil Cried
Halo of Thorns
I of the Storm
Nothing