Letztes Wochenende ging die neunte Ausgabe vom Rock am Beckenrand im beschaulichen Wolfshagen im Harz über die Bühne. Der Name Rock am Beckenrand impliziert bereits, dass man nass werden könnte: der Slogan heißt nicht zu unrecht: dive in, get wet. Veranstaltungsort ist nämlich das örtliche Freibad, das schöne Wölfi-Bad. Allerdings meinte der Wettergott, dass zusätzliches Wasser vonnöten wäre und zwar schon im Vorfeld des Festivals. So kam es durch das Starkregen-Unwetter am 25/26. Juli – also lediglich dreieinhalb Wochen vor dem Festival – zu überfluteten Ortschaften im Harz und somit auch ein überflutetes Veranstaltungsgelände. Der Verein “Rock am Beckenrand e.V”, der Veranstalter dieses Festivals ist, hatte somit zusammen mit vielen freiwilligen Helfern vor Ort jede Menge Arbeit, um das Freibad wieder schwimm- und festivaltauglich zu machen! Das schafft in dieser kurzen Zeit sicherlich nicht jeder und gibt einen ersten Eindruck, wie sehr das Veranstaltungs-Team hinter diesem Festival steht. Respekt!!! (Anmerkung Redaktion: Ein Interview zum Thema: “Hinter den Kulissen vom Rock am Beckenrand” folgt demnächst)

Leider meinte es der Wettergott zu Festivalbeginn weiterhin nicht gut mit dem Rock am Beckenrand. Am Freitag regnete es stundenlang. Aber was soll dieses Festival nach dem ersten Kraftakt noch erschüttern? Während andernorts Festivaltage komplett abgesagt wurden (Green Juice Bonn) oder Bühnen nicht bespielbar waren (Highfield), konnte am Beckenrand das vollständige Programm gespielt werden. Die Wiese vor der Bühne glich allerdings einer tiefen Matschlandschaft. Ein Teil des Publikums, vom Anmoderator liebevoll seine “Matschlinge” genannt, hatte aber seine Freude daran, denn sie suhlten sich voller Vergnügen im Matsch.

Diese Wetterkapriolen führten leider dazu, dass die Anreise viel länger dauerte als geplant. So habe ich dann leider einige Bands verpasst, die ich gerne gesehen hätte, wie beispielsweise die Mad Monks, die zum Festival eine eigene Tourbus-Fahrt mit den Fans durchführten und großen Spaß versprühten, wie man in den letzten Minuten noch erkennen konnte.

Im Anschluss rockte The Kyle Gass Band auf der Hauptbühne. Mit ihrem schrägen Rockprogramm, gepaart mit einigen 80er Jahre-Michael-Jackson-Coversongs, begeisterte die Kyle Gass Band das Publikum. Zum Abschluss wurde es laut, als Kyle Gass mit “Fuck you gently” einen der größten Hits seiner eigentlichen Band Tenascious D spielte.

Headliner des Freitags waren die US-Punkrocker von  Anti-Flag. Musikalisch war alles okay, Anti-Flag liefert den gewohnt druckvollen Punkrock ab. Aber: neben dem mimosenhaften Verhalten bitte nur von der Seite fotografiert zu werden, beenden sie das Konzert sagenhafte 25 Minuten vor der Zeit – bei einer gebuchten Spielzeit von 90 Minuten. So werden das Publikum, das durchnässt auf den Headliner wartet, und Veranstalter von einer Band verarscht, die sich so sicherlich nicht für weitere Headliner-Buchungen empfohlen hat.

Am Samstag dann hatte der Wettergott ein Einsehen, da er erkennen musste, dass Team und Publikum des Rock am Beckenrandes einfach nicht kleinzukriegen sind. Also kam die Sonne raus und obwohl es durchaus kühl war, nutzten viele Besucher den Pool. Der Gastgeber hat viel geboten: Neben einem Zorbball und Unterwasserfotoshootings wurde auch eine Riesenrutsche vom 5-Meter-Turn viel genutzt. Spaß bereiteten auch die unzähligen Gummienten, die durch einen Sponsor zur Verfügung gestellt worden sind. Bei so vielfältigem Programm lies sich auch dann auch der Drummer von Royal Republic nicht lange bitten und fand nach Aussage der Band sein Talent im Pool.

Musikalisch begann mein Tag mit Lulu & Die Einhornfarm. Auf Niveau wird hier freiwillig  verzichtet, aber was solls – es ist Punkrock und soll ja auch Spaß machen. Spaß machte es sogar so sehr, dass die Zuschauer eine Zugabe forderten. Lulu erteilte dem aber grinsend eine deutliche Absage: “Auf gar keinen Fall”.

Auf der Mainstage ging es dann weiter mit Lygo, die am Beckenrand ihre Tour beendeten. Das Vorfeld der Mainstage wurde zum Samstag hin zum Großteil mit Stroh bedeckt, um das Matschfeld zu bedecken. Vor der Bühne blieb jedoch in der Mitte ein großes Matschfeld über, so dass die Bands auf der Hauptbühne ihr Publikum in der ersten Reihen vor sich und im weniger matschigen Außenbereich hatten.

Auch Massendefekt hinterfragte am frühen Abend, warum denn die Leute soweit außen stehen, denn sie haben definitiv ein größeres Publikum verdient gehabt. An ihrer Musik hat es nicht gelegen, denn ihr Auftritt war gut wie eigentlich immer. Zum Ende des Konzertes füllte sich dann auch der Bereich vor der Bühne immer mehr.

Meine persönliche Entdeckung dieses Festivals war am Vorabend auf der Poolstage zu finden: die Awesome Scampis, bestehend aus acht verrückten Leute aus dem östlichen Ruhrgebiet. Sie luden zu ihrer persönlichen Ska-Punk-Party ein und das Publikum kam zahlreich und nahm dankend an. Mit einem schrägen und witzigen Auftritt gewannen die Scampis viele Herzen der Zuschauer. Zuviel möchte ich hier nicht verraten, ich kann jedem empfehlen, einen Auftritt dieser Band anzusehen. Höhepunkte ihres Gigs waren ihre Songs “Tauben vergiften”, eine tolle Ska-Cover-Version von “Schrei nach Liebe” und natürlich dürfte “dau dau” nicht fehlen, bei dem Sänger Björn mit einem Boot in den Pool befördert wurde.

Mit Liedfett als vorletzter Act wurde es dann vor der Mainstage voller, da dieser in Norddeutschland eine große Fanschar hinter sich weiß. Das Stroh wurde auch so wieder in den Matsch eingearbeitet, so dass dann zum Headliner Royal Republic der Bereich vor der Hauptbühne erneut zur Matschwüste wurde. Im Vorfeld ihres Auftrittes nahmen sich die vier Schweden Zeit für ein durchaus langes Interview. Dieses ist demnächst hier zu finden.

Royal Republic lieferten – wie immer – zum Abschluss ihrer Tour einen energiegeladenen Auftritt ab. Der Funke zum begeisterten Publikum sprang über, auch weil die Band um Sänger Adam Grahn stets das Umfeld im Blick behält und auf das Publikum mit gekonntem Witz eingeht. So wurden auch die “Gratiszuschauer” am Zaun einer Gartenlaube auf dem Berg begrüßt. Die Band hatte auch warme Worte für die Betreiber des Festivals über und betonte, wie gut die Betreuung gewesen sei und versprachen an den Beckenrand zurückzukehren. Mit “Full Steam Spacemachine” endete so ein grandioses Festival!

Für mich ein Festival der Superlative: noch nie hatte ich so ein schlechtes Wetter, noch nie traf man auf ein so tolles Veranstalter-Team, die für Bands, Publikum, Presse nahezu alles möglich machten! Rock am Beckenrand, ihr seid klasse!

Ein Arschloch ist allerdings der Wettergott, denn durch den Freitagsmonsun blieben die Zuschauerzahlen leider hinter den Erwartungen zurück und das hatten Veranstalter und Bands nicht verdient! Ich zumindest, kehre gerne an den Beckenrand zurück!

Unsere Berichterstattung über dieses Festival endet noch nicht, denn es folgt noch das Interview mit Royal Republic. Wir haben mit dem Veranstalter gesprochen und auch mit den Awesome Scampis sind wir bereits verabredet.

Zur ROCK AM BECKENRAND Homepage kommt ihr hier!