Es war das Jahr 1997, als eine kleine, britische Band namens Reef ihr zweites Album „Glow“ veröffentlichte. Darauf war ein Song namens „Place Your Hands“, den man als Single zu hören bekam und der sich ziemlich schnell zum Hit der Truppe mauserte. Jener bot etwas anderes, als den typischen Alternative Rock dieser Zeit. Der Sound von Reef klang viel bodenständiger, irgendwo retro. Das hatte was. Allzu lang währte die Karriere allerdings nicht. 2003 war Schluss. Sechs Jahre später fand man sich wieder zusammen. Richtige Früchte trägt die Reunion allerdings erst jetzt.

„Revelation“ ist das erste Studioalbum seit 18 Jahren und zudem noch das erste mit dem neuen Gitarristen Jesse Wood. Wer sich jetzt auf lässig-entspannten Rock einstellt, der muss seine Ohren allerdings erst neu justieren, wenn als Opener der Titeltrack ertönt. Hui, überraschend knackiger Riffrock im kernigen AC/DCKrokus-Stil. Eingängig, simpel, gut. Allerdings ist die Nummer etwas ein stilistischer Ausreißer. Denn derart rabiat geht es nicht allzu oft zu. Vielleicht noch beim treibenden Stampfer „Ball And Chain“ oder dem groovigen „Precious Metal“.

Ansonsten gibt es tatsächlich schönen altmodischen Rock zu hören. Immer etwas soulig dargeboten, mit Gefühl und mit herzlich kantigem Gesang. Gleich die zweite Nummer „My Sweet Love“ ist ein richtiger Seelenstreichler. Entspannter, Folk-Country-mäßiger Sound mit Gaststimme Sheryl Crow, die bestens mit Sänger Gary Stringer harmoniert. Feminine Gaststimmen holte sich die Band noch öfter ins Studio. Immer wieder erklingen entsprechende Background- und Chor-Gesänge, die dem Ganzen ein schön altmodisches Feeling geben. Besonders bei „How I Got Over“ und „Like A Ship (Without A Sail)“, bei denen man sich wohl von alten Soulgrößen inspirieren ließ.

Aber im Herzen blieben Reef dann doch eine richtige Rockband, auch wenn man sich über weite Strecken recht schlendernd gibt. Und zahlreiche klasse Songs hat „Revelation“ auch zu bieten. Neben den Rockern „Ball And Chain“, „Precious Metal“ und „Revelation“ sind das zum Beispiel das roots-rockige „First Mistake“, das euphorisch gesungene „Provide“, die Midtempo-Nummer „Lone Rider“ sowie das angenehme „My Sweet Love“.

Es gibt sicherlich überflüssigere Reunions wie die von Reef. Denn das Quartett hat ein schönes, abwechslungsreiches Rockalbum vorgelegt das „reif“, aber keineswegs abgeschmackt klingt. Daumen nach oben dafür!

 

Trackliste:
1. Revelation
2. My Sweet Love (feat. Sheryl Crow)
3. Provide
4. How I Got Over
5. Don’t Go Changing Your Mind
6. Precious Metal
7. Just Feel Love
8. Ball And Chain
9. First Mistake
10. Darling Be Home Soon
11. Lone Rider
12. Like A Ship (Without A Sail)

Photo Credit: Jenny Hands

Reef - Revelation (earMusic, 04.05.2018)
4.0Gesamtwertung