Es trifft einen teilweise mit ganzer Wucht, was das niederländische Trio Our Oceans auf seinem zweiten Album „While Time Disappears“ fabriziert. Nicht gerade einfach was sie spielen – weder in Sachen Musik, noch auf der Gefühlebene. Von üblichem Alternative Rock ist die Band in etwa so weit weg, wie die Erde vom Neptun.

Atmosphäre und Weite triffen auf Aufgewühltsein und pure Emotionen. Was beim ersten Titel noch nach melancholischem Rock klingt, verwandelt sich als bald in eine Achterbahn der Gefühle. In solchen Dinge wurden die Musiker früher unter anderem bei Bands wie Cynic und Exivious geschult. Dazu kommt noch etwas der Wahnsinn von The Mars Volta und die Theatralik von Muse – und fertig ist ein spannender, musikalischer Cocktail. Wer möchte, kann das ganze gerne als eine Art progressiver, alternativer Rock zusammenfassen, wenn es unbedingt sein muss.

Die Musiker haben es aber trotz der vorhandenen spielerischen Klasse nicht nötig jene in den Vordergrund zu stellen, um zu zeigen, zu was man alles fähig ist. Viel mehr nutzt man wilde Breaks, Disharmonien und nervös zuckende Rhythmen dazu, um die Songs auf ihre Art voranzutreiben. Wobei man keineswegs immer laut und hart werden muss. Our Oceans lassen viel Platz für ruhigere Passagen. Die meisten Songs beginnen auch auf diese Art und Weise, auch wenn man sie nicht selten mit großem Drama zu Ende führt.

Hier stürzt sich Gitarrist Tymon Kruidenier mit seinem hellen Gesang voll in die Musik. Man fühlt sich dabei durchaus an Matthew Bellamy (Muse) oder Thom Yorke (Radiohead) erinnert. Das Charisma und die Ausdruckskraft der Vorbilder erreicht der Niederländer dabei aber nicht ganz.

Was „While Time Disappers“ von Anfang bis Ende bleibt: spannend. Aber nicht durchgehend mitreißend. Dafür ist das Album wohl etwas zu ungemütlich und verkopft. Ein paar mehr Hooks zum Festkrallen würde man sich wünschen. Trotzdem geht der Daumen nach oben!

 

Trackliste:
1. Unravel
2. Weeping Lead
3. The Heart’s Whisper
4. Motherly Flame
5. Passing By
6. Face Them
7. Your Night, My Dawn
8. You Take
9. With Hands Torn Open

 

 

Photo-Credit:  William van der Voort

 

Our Oceans - While Time Disappears (Long Branch Records/SPV, 27.11.2020)
3.8Gesamtwertung