Manchmal kommt es vor, dass einem ein Album in die Hände fällt, welches zwar schon vor längerer Zeit veröffentlicht wurde, man aber das Bedürfnis hat, doch noch den einen oder anderen Satz anmerken zu wollen.

So ist es mir geschehen mit dem Debütalbum der Braunschweiger von Neoton, die ihre Scheibe „Negativitätstheorie“ schon im letzten Jahr raus gebracht haben, diese jedoch sowas an mir vorbei gegangen ist… Schande über mich, hatte ich doch bereits vor drei Jahren über den „The finest Noise – Der Sampler Vol. 27“ berichtet, auf welchem die vier Jungs mit ihrem Song „Liebes Lied“ vertreten waren und einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hatten.

Naja, scheinbar nicht bleibend genug… aber kurze Rede, gar kein Sinn, nun liegt das gute Stück also endlich vor mir! Okay, das Cover erinnert mich beim ersten Hinschauen eher an eine Meditations-CD oder an ein Plakat, wie es auch gut und gerne in einer Psychologischen Praxis hängen könnte… aber da ich bei Neoton so ungefähr weiß was mich erwartet brauche ich mir da ja erstmal keine großen Sorgen machen!

Im Melting Point-Studio in Braunschweig aufgenommen und vom Berliner Produzenten Sascha Höhm, der sich unter anderem auch für Aufnahmen der Jungs von `Montreal´ verantwortlich fühlt, ins feine Licht gebracht höre ich gespannt auf die Klänge des ersten Songs „Plusminus Null“ (Maultrommel inklusive… glaube ich zumindest!), welcher einem die Marschrichtung vorgibt.

Das war dann schon einmal ein passgenauer Start mit treibenden Gitarren und einer energiegeladenen Gesangsstimme, die klar und deutlich den Untergang prophezeit… das bassgetragene „Wir“ steht dem Opener aber in nichts nach und mir scheint es, als könne ich mich schon auf ausreichende Abwechslung gefasst machen.

Sozial- und Gesellschaftskritische Texte, deren Inhalte zwar oft durch die Blume gesprochen, aber klarer und schonungsloser nicht sein können… man braucht ja nur vor die Tür zu gehen oder gelegentlich den Medien folgen und schon stolpert man aktuell über jegliche Form von Missständen, da reichen die zehn Songs bzw. 35 Minuten Spielzeit kaum aus!

Aber neben den kritischen Punkrock-Songs mit kreischenden Gitarren und hämmernden Drums scheinen auf „Negativitätstheorie“ auch Liebeslieder kein Fremdwort zu sein, „Ich bin weg“ wartet mit entspannten Reggae-Beats auf und rechnet mit der verflossenen Liebe ab… aber wohin auch immer man will, die „Schöne Welt“ gibt es schon lange nicht mehr und somit kann es eigentlich nur noch um „Leben! Lieben! Leiden!“ gehen.

Aber auch wenn „Es regnet“ kann man „Glück“ haben und ein melodiöses „Liebes Lied“ (übrigens immer noch mein Lieblingslied!) hören… am Ende rufen die Jungs ein melancholisches „Lass mich leben“!

Wer also Bock auf einprägsame Melodien und Mitsing-Texte hat, sich dem Rock bzw. dem Deutschpunk ala Turbostaat oder Montreal verschrien hat und dazu noch auf ein gutes Maß an Abwechslung steht, der macht mit dem Neoton Album auf keinen Fall einen Fehlgriff!

Ich bekenne mich… ich bin Fan! 🙂

 

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Tracklist:
1. Plusminus Null
2. Wir
3. Mir ist kalt
4. Ich bin weg
5. Schöne Welt
6. Leben! Lieben! Leiden!
7. Es regnet
8. Glück
9. Liebes Lied
10. Lass mich leben

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Neoton - Negativitätstheorie (EMG Music, 16.05.14)
4.1Gesamtwertung