Die größten Hits der letzten über 35 Jahren in einer Orchester-Version… jetzt mal ehrlich, braucht man sowas wirklich? Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich das neue Midge Ure Album „Orchestrated“ in den Händen, oder besser gesagt auf meinen Monitor erblickte.

Und eins vorweg, eine einfach Antwort gibt es auf diese Frage nicht – denn einerseits kann ich dem Ganzen als Fan natürlich einiges abgewinnen und ich habe mich selbstverständlich über Songs wie „Hymn“, „Dancing with Tears in My Eyes“, „If I Was“ oder „Vienna“ gefreut, aber auf der anderen Seite denke ich, dass neutrale Hörer diesem Machwerk eher weniger abgewinnen können!

Machen wir uns nichts vor, die genannten Songs sind natürlich Nummern für die Ewigkeit und beinahe alles, was der Brite in den 80igern komponiert hat – sei es als Solo-Künstler, oder als Frontmann von Ultravox – ist förmlich durch die Decke gegangen bzw. auf den vorderen Plätzen der Charts gelandet. Die wenigsten wissen übrigens, dass Midge Ure teilweise Mitglied von Thin Lizzy und Visage war, für welche er sogar den Welthit „Fade to Grey“ schrieb. Neben der Musik gründete er darüber hinaus gemeinsam mit Bob Geldof das Hilfsprojekt Band Aid und engagiert sich seitdem in vielen sozialen Projekten.

Noch zu Ultravox-Zeiten entstanden – wie bereits beschrieben – Nummern wie „Vienna“ oder „Dancing with Tears in My Eyes“, welche bis heute immer mal wieder im Radio zu hören sind. Genau diese Songs in einer Orchester-Version zum Besten zu geben ist zwar mutig, aber wieso sollte man sowas nicht einfach mal ausprobieren – hat sich der Schotte wahrscheinlich gedacht und dann inenrhalb von 18 Monaten zwölf Nummern auf den Rohling gebracht… ich sage „gar nicht mal so schlecht„!

Okay, das klingt nun schon sehr negativ! „Gar nicht mal so schlecht“ ist irgendwie das gleiche wie der kleine Bruder von „K***e“… aber so böse soll es sich gar nicht anhören. Wenn man weiß auf was man sich hier einlässt, dann kann die Scheibe wirklich begeistern – man muss halt ein Fable für gezupfte bzw. gestrichene Musik haben.

Ich meine das bombastische Ende vom Opener „Hymn“ hat schon was, insgesamt zieht sich die Nummer aber leider unsagbar in die Länge. Genauso getragen und orchestral geht es dann natürlich weiter und neben der neuen Version des 96iger Hits „Breathe“ bleibt besonders „If I Was“ bei mir hängen… kein Wunder, ist die Nummer doch nach „Dancing with Tears in My Eyes“ und „Vienna“ mein Lieblingssong – letzterer Song ist übrigens für mich die beste Single auf „Orchestrated“.

Mit seiner begnadeten Stimme zelebrierte Midge schon Anfang der 80iger die ansprechende New-Wave Nummer „The Voice“ – in der ruhigen und abgespeckten Version kommt der Drive aber leider nicht mehr so rüber… sehr schade eigentlich!

Im Gegensatz dazu gefällt mir „I Remember (Death in The Afternoon)“ sogar sehr gut, hier passen die Streicher hervorragend zur Gesangsmelodie und werten den Song noch einmal auf – und wenn ich mir „Recap the Wild Wind“ anhöre, dann fehlen mir die gruseligen Synthies in der neuen Version nicht wirklich 😉

Sanft und besinnlich geht das Ganze dann mit „Fragile“ zu Ende.

Tja, was soll man nun eigentlich über das Album sagen?

Nichts gegen Midge Ure, Kritik steht mir bei so einem Weltstar nicht wirklich zu… hier ist alles super produziert und die Nummern sind hervorragend komponiert, keine Frage. Aber ich persönlich hätte „Orchestrated“ nicht wirklich gebraucht – da gönne ich mir die Songs doch lieber regelmäßig auf den entsprechenden Studioalben.

 

Titel:
1. Hymn
2. Dancing with Tears in My Eyes
3. Breathe
4. Man of Two Words
5. I f I Was
6. Vienna
7. The Voice
8. Ordinary Man
9. Death in The Afternoon
10. Lament
11. Recap the Wild Wind
12. Fragile

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Midge Ure - Orchestrated (BMG, 01.12.2017)
3.4Gesamtwertung