Die gefühlt wievielte Melvins-Platte ist „Basses Loaded“ eigentlich? Ehrlich gesagt: keine Ahnung. Bei dieser Masse an Veröffentlichungen verliert man leicht den Überblick. Ist aber auch egal. Auf jeden Fall steht dieses Mal eine Art Konzept dahinter. Zumindest so ein bisschen. So ein kleines Bässchen-wechsel-dich-Ding. Denn Buzz Osborne und Dale Crover tauschen bei den einzelnen Songs schneller die Bassisten, als andere ihre Unterwäsche.

Ganze sechs Leute greifen bei den zwölf Nummern in die vier Saiten. Dies wären Steve McDonald von Redd Kross, der ehemalige Nirvana-Mann Krist Novoselic, Jeff Pinkus von den Butthole Surfers und Trevor Dunn von Mr. Bungle bzw. Fantomas, mit denen man bereits in den letzten Jahren je ein „spezielles“ Album aufnahm, sowie Teilzeit-Melvin und Big-Business-Frontmann Jared Warren. Ach ja, auch Drummer Dale Crover versucht sich selbst mehrmals am Bass.

Am Ende ist „Basses Loaded“ eine recht lockere und abwechslungsreiche Songsammlung, die ein wenig wie ein schräger Sampler klingt. Kein Wunder, denn neun der Nummern gab es bereits vorher auf diversen EPs und Splits zu hören. Das tut dem Hörspaß aber keinen Abbruch, denn einige der Songs sind recht cool geworden. Unter anderem der lässig swingende Doomer „The Decay of Lying“, der als Eröffnung etwas seltsam gewählt wurde. Dafür fetzt der altmodische Weirdo-Rock von „Choco Plumbing“ einmal mehr, der zeigt, dass die Melvins definitiv Kinder der 70er sind. Noch etwas weiter zurück geht’s mit der Beatles-Coverversion „I Want To Tell You“. Irgendwie lustig. Klassische Dampframmen gibt es in Form von „War Pussy“ und „Hideous Cream“.

Die Melvins wären nicht die Melvins, wenn sich nicht mal wieder ihre Schrulligkeit beweisen würden. Zuerst mit dem ausgedehnten Jazz-Part in „Planet Distracto“, dann mit der freakig fluchenden „My Bonny is over the ocean“-Veräppelung „Shaving Cream“ sowie der schrägen Country-Folk-Akkordeon-Nummer „Maybe I Am Amused“ und ganz am Ende mit dem Orgel-Varieté-Kneipenchor von „Take Me Out to the Ballgame“. Aber dieser selbstbewusste Sprung in der Schüssel gehört eben zur Band wie die Brezel zur Weißwurst.

Wirklich braucht das Ding eigentlich keiner. Wahrscheinlich nicht mal der Fan. Denn bessere Songs hat die Band sicherlich schon geschrieben. Aber Ende ist „Basses Loaded“ auch irgendwie lustig.

Melvins - Basses Loaded

Trackliste:
1. The Decay of Lying
2. Choco Plumbing
3. Beer Hippie
4. I Want to Tell You
5. Captain Come Down
6. Hideous Woman
7. Shaving Cream
8. Planet Distructo
9. War Pussy
10. Maybe I Am Amused
11. Phyllis Dillard
12. Take Me Out to the Ballgame

Melvins - Basses Loaded (Ipecac Recordings, 03.06.2016)
3.5Gesamtwertung