Der gute Ralf hat es endlich wieder getan. Studioalbum Nr. 11 steht in den Startlöchern und ich war gespannt, ob es mich dieses mal packen kann. Als Beinhart-Fan der ersten Stunde, habe ich früher jedes Mekong-Delta-Album abgefeiert und innig rauf und runter gedudelt. Nachdem Fronsirene Doug Lee die Band verlassen hat, gab es zumindest für mich einen kleinen Bruch, der gar nicht so einfach zu erklären ist. Die Nachefolge-Alben waren keineswegs schlecht und alle Musiker und Sänger haben hervorragene Arbeit geleistet. Doch wollte der Funke einfach nicht mehr so rüberspringen, wie noch zu älteren Tagen. 35 Jahre existiert diese Band nun, wird man nun müde oder gar langweilig? Kann das neue Werk mich wieder einfangen? Ja, und wie. SEHR SOGAR! Mekong Delta zeigen so manchen Jungspund wo die Geige die Schnecke hat.

 

 

„Tales Of A Future Past“ heist das Meisterwerk und kredenzt uns 10 Leckerbissen direkt aus dem positiv verschrobenen Musikerhirn des Ralf Hubert. Hier gibt es nix von der Stange, Massenware ist ausverkauft und kommerziell ist ein Fremdwort.  Eine prog-thrashige Rhythmus-Achterbahnfahrt lädt einen auf eine spannende Reise ein. Alleine das Cover ist schon großartig. Zu H.P. Lovecrafts Werk „Berge des Wahnsinns“ hat der Künstler David Demaret dieses Werk geschaffen und passt perfekt in die Atmosphäre des Albums. Da es zufällig mein Lieblingsbuch von Lovecraft ist, begeistert es mich um so mehr. Das Cover will ich dan auch natürlich auf der Vinylversion bewundern.

Nach einem Appetit-machendem Intro geht es gleich mit einer Granate namens „Mental Entropy“ los.  Ich will hier gar nicht Songs hervorheben, man sollte das Album in Gänze genießen und wirken lassen. Jeder Song hat seinen richtigen Platz und die Gesamtstimmung begeistert bis zum Schluss. Die Produktion ist fett und der Bass ist logischerweise etwas präsenter als bei anderen Produktionen. D ies stört hier aber garnicht. Spieltechnisch ist hier sowieso bei jedem Akteur alles Champions League.

Zu erwähnen ist allerdings Nr. 10 „Landscape 4 – pleasant ground“. Hier gibt es eine klassische Adaption namens „Sevilla“ von Isaac Albéniz. Diese klassischen „Mutationen“ (im positiven Sinne) ziehen sich ja wie ein roter Faden durch den Mekong-Delta-Katalog und sind jedes mal ein Ohrenschmaus. So sehr ich die alten Tage vermisse, schafft es aber diesesmal gerade Ausnahmesänger Marin LeMar mich in seinen Bann zu ziehen. Dieser singt mit einer mitreissenden Leidenschaft und bringt die jeweilige Stimmung exakt auf den Punkt. Hört euch nur „When All Hope Is Gone“ an. Zum Niederknien, ein Meisterwerk – chapeau! Die Songs sind von düsterer Stimmung, gepaart mit aggressiv thrashigen Riffing und vertrakten Rhythmen, die einen sofort auf eine fürchterlich schöne Reise mitnimmt.

Natürlich Höchstpunktzahl von mir!

 

Ein Interview mit dem Meister selbst, könnt ihr hier bei uns an anderer Stelle lesen!

 

Track-Listing:
1. Landscape 1 – Into the Void
2. Mental Entropy
3. A Colony of Liar Men
4. Landscape 2 – Waste Land
5. Mindeater
6. The Hollow Men
7. Landscape 3 – Inharent
8. When all Hope is Gone
9. A Farewell to Eternity
10. Landscape 4 – Pleasant Ground

Mekong Delta - Tales Of A Future Past (Butler Records, 08.05.2020)
5.0Gesamtwertung