Festivalbericht: 10. Metalheadz Open Air 2022 (26. – 28.05.2022, Oberndorf am Lech)

Herrlich, einfach nur herrlich! Nach zweijähriger Zwangspause konnte nun doch endlich das 10. Metelheadz Open Air im bayerischen Oberndorf am Lech, nördlich von Augsburg, über die Bühne gehen. Aufgeschoben ist schließlich nicht aufgehoben. Denn nicht nur die Organisatoren, der Bavarian Metalheadz HMF e.V., freute sich sehr über das Stattfinden des Jubiläumsfestivals. Danke für das Durchhaltevermögen, Mädels und Jungs! Es war sicher nicht einfach. Von dem einst angekündigten Jubiläumsprogramm, mit zahlreichen Acts, welche bereits in früheren Ausgaben fulminante Auftritte feierten, waren leider nicht mehr so viele übrig. Trotzdem konnte man wieder ein feines Programm auf die Beine stellen.

Und wie auch nicht anders zu erwarten, war das Ganze wieder liebevoll und außerordentlich gut von dem rund 80 Leuten starken Verein organisiert. Selbst die Bands äußerten sich recht wohlwollend über die Gastfreundschaft und die technischen Voraussetzungen, welche sie vorfanden. Aus Fansicht zählt vor allem das: Gelände top, Zeltplatz top, Toiletten top, Verpflegung top und preislich angemessen, Security freundlich. Nachdem auch noch das Wetter, wie im Interview mit Pressesprecher Manuel Gritschneder angesprochen, wunschgemäß geliefert wurde, stand der Sause nichts mehr im Weg.

Da es sich um die zehnte Ausgabe handelte, dehnte man das Ganze auf einen dritten Festivaltag aus. Mehr Musik fürs gleiche Geld, wer sagt da schon nein? Nicht nur deshalb war die Stimmung von Sekunde 1 an äußerst ausgelassen. Man spürte seitens der Besucher das große Bedürfnis nach der zweijährigen Entbehrung endlich mal wieder ganz ungezwungen Open-Air-Luft zu schnuppern. Eigentlich war es sofort wie früher – vielleicht sogar noch ein bisschen schöner.

 

 

Donnerstag, 26.05.2022

Pünktlich um 14 Uhr starteten die Vereinsfreunde INFERNO das Jubiläumsfestival. Rund eineinhalb Stunden lang gab die beliebte zahlreiche Hits und Schmankerl der Metalgeschichte zum Besten. Genau das richtige um sich die ersten Biere munden zu lassen und so langsam ins Wochenende zu grooven. Da gibt es sicherlich schlechtere Arten als so einen Vatertag an der frischen Luft zu verbringen.

Der erste Wiedergänger spielte bereits an zweiter Stelle. Der Fünfer SKULLWINX vom Tegernsee war bereits 2016 bei den Metalheadz zu Gast. Sechs Jahre später durfte man noch einmal ran. Und in der Zwischenzeit hatte man durchaus an Stil und Charakter gewonnen. Aus ein paar unsicheren Kids, welche ich auch schon im Vorprogramm von Armored Saint gesehen habe, sind ein paar durchaus überzeugende Musiker geworden, die in Kürze ihr drittes Album veröffentlichen werden. In ihrem Set fanden sich Coverversionen von den Pretty Maids und Manowar. Und das fasste ihren Stil auch ganz gut zusammen. Traditionsbewusster Stahl, ein bisschen Powermetal, ein bisschen Kauzigkeit. Ja, das hat schon gepasst.

Inzwischen schien die Sonne äußerst kräftig über dem Gelände. Ein großer Teil der Besucher war auch eingetrudelt. Beste Voraussetzungen für die Hardrocker und Lokalhelden mit Ingolstädter Wurzeln BONFIRE, über deren Verpflichtung sich die Veranstalter besonders freuten. Ich muss gestehen, dass ich um di in den letzten Jahren etwas gebeutelte Band um das letzte Originalmitglied Hans Ziller in zurückliegender Zeit einen großen Bogen gemacht habe. Ein Fehler, wie mir der mitreißende Auftritt bewies. Gerade mit den beiden Aktivposten, Sänger Alexx Stahl und Frank Pané, hat Ziller zwei echte Aushängeschilder um sich geschart, die Bonfire im neuen Glanz erstrahlen lassen. Und das in einem etwas härteren Klangbild als früher. Gerade Sänger Stahl verpasst den alten Songs mit seiner Metalstimme einen kleinen Schub. Das kam an dieser Stelle natürlich ebenso gut an. Vor allem nach der spaßigen Bemerkung, man müsse heute aufgrund des gekürzten Sets (welches trotzdem um die 75 Minuten lang war) auf die Balladen verzichten. Aber ich bin mir sicher, das Quintett lockt mit dieser Leistung wieder den einen oder anderen mehr in seine eigenen Konzerte.

 

Bis zuletzt war es spannend, ob MIDNIGHT und ihre Spezis Night Demon überhaupt werden auftreten können. Der Transporter der beiden Bands gab nämlich auf dem Weg zum Konzert seinen Geist auf und so mussten die Festivalveranstalter schnell für einen Ersatz sorgen, damit die Shows plangemäß über die Bühne gehen konnten. Teufelskerle wie sie sind, räumte man das Problem glücklicherweise aus dem Weg und so stand das Kapuzentrio pünktlich um 19 Uhr auf der Bühne, um den Fans eine saubere Portion „Fucking Speed And Darkness“ zu servieren. Und das so richtig schon „Evil As A Knife“. Die chaotische Anreise verpasste der Band um Bassist/Shouter Athenar wohl einen ordentlichen Adrenalischub. Midnight gaben so richtig ordentlich Gas und machten keine Gefangenen. Nicht mal von der unbarmherzig strahlenden Sonne ließ man sich aus der Ruhe bringen und feuerte über eine Stunde lang seinen dreckigen angeschwärzten Rock’n’Roll aus den Boxen. Das Energielevel riss auch dieses Mal ordentlich mit. Im Publikum ging’s rund. Endlich hatte auch die Security mal was zu tun. Genau die richtige Mucke, um mal richtig die Sau rauszulassen. Saubere Sache!

Da hatten Midnight aber ordentlich vorgelegt. Ihre Reisekollegen NIGHT DEMON ließen sich davon natürlich nicht beeindrucken und legten eine ordentliche Headliner-Show aufs Parkett. Beim letzten Auftritt vor fünf Jahren hatte man sich schließlich schon mehr oder weniger hierfür empfohlen. Dass die konzertfreudige Band zwei Jahre lang ausgebremst wurde, merkte man nicht. Man zeigte sich agil und vor Energie strotzend wie eh und je. Ist aber auch kein Wunder, wenn man so freudig empfangen wird, wie an diesem Abend. Der Applaus war groß, als drei Herren die Bühne enterten und ihre Songs präsentierten. Da seit dem letzten Mal an dieser Stelle nicht so viele neu hinzukamen, war das Set nicht besonders überraschend (am ehesten noch das Thin-Lizzy-Cover „The Sun Goes Down“). Aber das war auch ziemlich egal. Die Leute wollten ne geile Metal-Party und die bekamen sie auch – ohne Wenn und Aber. Bei Night Demon ist einfach darauf Verlass, dass man sich „Full Speed Ahead“ in die Sache stürzt. Haare und Klamotten waren so auch wieder ziemlich schnell durchgeschwitzt. Und trotz der wahnsinnigen Energie klingen die Songs der Truppe stets schön geschmeidig, was live noch eine Ecke stärker als auf den Studioeinspielungen rüberkommt. Mit dem obligatorischen Maiden-Cover „Wasted Years“ entließ man nach knapp eineinhalb Stunden viele glückliche Gesichter in die Nacht. Starker Abschluss des ersten Festivaltags!

 

Freitag, 27.05.2022

Nicht wenige hatten den Tag noch in der Disco im Partyzelt mit reichlich flüssiger Nahrung ausklingen lassen. Und so war die Kulisse schon etwas spärlich als das schwäbische Trio RUYNOR zur Mittagszeit die Bühne enterten. Die selbsternannte Punk-Metal-Band machte aber das Beste draus und spielte eine halbe Stunde lang ein paar Kostproben ihrer drei Alben. Musikalisch durchaus ein passender Einstieg in den Tag.

Die Franken POWERTRYP waren eine von zwei Bands, welche recht spontan ins Billing rutschten, da Lynx und Blizzen ihre Auftritte aufgrund eines Todesfalls im Bandumfeld absagen mussten. Beim letzten Gastspiel auf dem MOA 2016 hatte man noch seine selbstproduzierte Demo-CD mit dabei. Mittlerweile konnte die 2010 gegründete Band endlich ihr noch recht frisches Debütalbum „Midnight Marauder“ präsentieren. Eigentlich war es sogar die Livepremiere der neuen Songs. Mit Johannes Korda hat man einen klasse Frontmann in seinen Reihen hat, welcher jene gut präsentieren kann. Hätte etwas mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

Singende Schlagzeuger hat man ja nicht so oft. Skullfist-Drummer JJ Tartaglia (headlinete das Festival mit seiner Hauptband bereits 2014) versucht sich aktuell mit seiner Zweitband THUNDEROR als ebensolcher. Das Debütalbum „Fire It Up“ ist Anfang des Jahres erschienen und schwankte zwischen Begeisterung und Stirnrunzeln. Und irgendwie war es auch bei diesem Auftritt so. An sich sind die Songs ja wirklich nett. Aber gerade bei dieser Hardrock-lastigen Mucke fehlt ein echter Frontmann, der die Leute mitreißt. Oder zumindest so richtig charismatische Typen an der Bühnenfront. Dass die Stimme von JJ live noch ein größeres Nervpotenzial besitzt, macht die Sache nicht viel besser. Aber immerhin war man mit viel Engagement bei der Sache, was man durchaus würdigen darf. Auf jeden Fall nett mal gesehen zu haben.

Wenn die ursprünglich angedachten Metal Inquisitor schon 2022 hier nicht mehr spielen können, da sie sich zwischenzeitlich aufgelöst haben, schaut Gitarrist Blumi zumindest mit MIDNIGHT RIDER vorbei. Statt mitreißendem Traditionsstahl steht bei den Koblenzern ein etwas kauzigerer Stoff auf dem Programm. Der Hang zum verspielten Heavy Rock der 70er ist bei Midnight Rider stark ausgeprägt. Das gefällt vor der heimischen Anlage durchaus, aber live vor einem feierwütigen Publikum mögen die sperrigen Songs der Band nicht so richtig zünden. Auch die zurückhaltende, etwas in sich gekehrte Perfomance der Band reißt nicht so richtig mit. Das lenkt leider etwas davon ab, dass hinter dem Ganzen echt klasse Musiker mit Geschmack stecken, die ein paar mehr interessierte Nasen vor der Bühne verdient hätten. So leider ein Fall von „nicht ganz die richtige Mucke für diese Zeit“.

Gefälliger wurden dafür im Anschluss JAMESON RAID aufgenommen, die mal wieder ganz tief in die New Wave of British Heavy Metal eintauchten. Mit Sänger Terry Dark ist nach wie vor ein echtes Urgestein aus dieser Zeit mit an Bord, welches seinen zweiten Frühling nach wie vor sehr zu genießen scheint, auch wenn das Alter optisch mittlerweile schon sehr an ihm nagt. Immerhin macht ihm die Begleitband um Gitarrist Eric „Kalli“ Kaldschmidt ordentlich Feuer, was Songs wie „Titanic“ oder das leider wieder erschreckend aktuelle „9 Reasons“ ziemlich fett tönen lässt. Besonders erwähnen sollte man dabei Bassist Luud Tilly, ein ausgemachter Meister seines Fachs. Den Leuten gefiel der Blick zurück auf jeden Fall. Besonders freudig aufgenommen wurde natürlich der alte Gassenhauer „Seven Days Of Splendour“. Die Wiederentdeckung der Single im Keep-It-True-Umfeld vor einigen Jahren sorgte schließlich erst dafür, dass dem Bandnamen wieder Leben eingehaucht wurde. Man muss wohl danke dafür sagen.

Seitens der Metal-Presse wurden die Essener THE NIGHT ETERNAL für ihr Debütalbum „Moonlit Cross“ Ende letzten Jahres mit viel Lob überhäuft (z.B. Album des Monats und Newcomer des Jahres im Leserpoll vom Dead Forever). Und man muss schon sagen, ihr etwas düsterer Traditionsstahl hat schon was. Klingt fast etwas wie eine Truemetal-Version von Unto Others/Idle Hands. Und so freuten sich viele die Band live zu sehen. Der Programmplatz um 18 Uhr war auch gut gewählt. Durch den Bühnennebel hindurch spielte man sich eine Stunde lang durch seine Platte und die Songs der zwei Jahre vorher veröffentlichten EP. Das hatte schon eine spezielle Ausstrahlung. Da die Instrumentalisten eher betont cool und zurückhaltend ihr Ding durchzogen, verharrten alle Blicke auf Frontmann Ricardo Baum, der das Flair der düsteren Songs passend rüberbrachte. Trotzdem muss man sagen, dass es der Band für die großen Bühnen etwas an Abwechslung und richtig packendem Songmaterial fehlt. Das sahen aber nicht alle so. Der Applaus war (mit Sicherheit auch zu Recht!) groß.

Die Medaille für die Band mit der längsten Historie geht an diesem Woche eindeutig an MASS. Die Geschichte der Band aus dem Regensburger Raum reicht schließlich annähernd 50 Jahre zurück, fand aber vor 25 Jahren ihr vorläufiges Ende. 2018 feierte Urgestein Günther Radny mit einer komplett neuen Mannschaft beim Metalheadz Open Air quasi sein Comeback und Mass mauserten sich mit ihrem mitreißenden Auftritt zum Überraschungssieger des Festivals. Und das sollte sich in diesem Jahr wiederholen – nur, dass man bereits im Vorfeld wusste was einen erwartet: eine stimmige, äußerst ausgelassene Rockparty! Dabei stand diese kurz vorher noch auf der Kippe, denn der etatmäßige Drummer Andreas Gmeinwieser war abkömmlich. Mehr oder weniger spontan half die quirlige Vrön Hauger aus und war dabei mehr als ein Ersatz. Viel mehr gab sie den vier Herren einen ordentlichen Tritt in den Allerwertesten und drückte die Chose mit viel Punch ordentlich nach vorne. Dabei hatten jene aber auch so ordentlich Hummeln im Hintern. Gerade der posingsichere Gitarrist Hans Heid und Frontmann Matthias Pfaller waren wieder absolute Aktivposten und zeigten wie eine saftige Rockshow auszusehen hat. Da jetzt die Sonne wieder ordentlich vom Firmament schien, stand der allgemeinen Begeisterung auch nichts im Wege. Gerade auf der Bühne blüht der orgelunterstützte Hardrock von Mass auch so richtig auf. Danke, das war super!

Das Begeisterungslevel sank auch mit der nächsten Band nicht nach unten. Nein, es schoss nun endgültig durch die Decke. Die mit den Veranstaltern freundschaftlich verbundenen STALLION waren auch nicht das erste Mal auf dem Festival. Es war bereits das dritte Gastspiel. Wie auch bei seinen Studioalbum, schien das Quintett jedes Mal ein bisschen besser als das Mal davor zu sein. Es war pures Adrenalin, was hier aus den Lautsprechern drang. Kein Wunder. Nach der verordneten Zwangspause kurz nach Veröffentlichung ihres aktuellen Album „Slaves Of Time“ 2020 war die Band richtig heiß ihre immer noch neuen Songs endlich auch mal einem größeren Publikum live vorstellen zu können. Und die 75 Minuten Spielzeit nutzte man ausgiebig dazu. Dabei nahm man sich nicht nur die vielen Speedkracher vor, sondern setzte auch mit der Powerballade „Die With Me“ ein Ausrufezeichen, mit dem sich Sänger Pauly keineswegs auf die Nase legte. Über den Ton seiner Stimme mag so mancher halten was er will, aber auf der Bühne ist er eine echte Rampensau mit Format. Zusammen mit Gitarrist Alexander Stocker bildet er ein tolles Team für die Außenwirkung, während der Rest der Truppe im Hintergrund ein blitzsauberes Metal-Fundament zaubert. Einfach stark. Mit dem hymnischen „Rise And Ride“ und „Canadian Steele“ endete der Gig das zu schnell. Aber die Jungs dürfen bestimmt bald wieder kommen… Derzeit gibt es in Deutschland wohl keine bessere (Live-)Band in diesem Metier. Erst recht nicht mit einer derart eindeutigen antifaschistischen Haltung. Eine Positionierung, welche man im traditionellen Metal leider einfach viel zu wenig vorfindet. Deswegen: fett beide Daumen nach oben!

Lange haben sie es probiert und endlich haben die Metalheadz es geschafft die kultigen ATLANTEAN KODEX nach Oberndorf zu locken, um den zweiten Festivaltag zu beenden. Leider hatte sich der Platz vor der Bühne um halb Elf schon etwas ausgedünnt. Ob es an der etwas sperrigen Musik oder am übermäßigen Genuss von alkoholischen Getränken lag – oder doch an den langsam etwas frischer werdenden Temperaturen? Man weiß es nicht. Zurück blieb auf jeden Fall eine Menge, welche dafür jeden Ton der Band umso leidenschaftlicher abfeierte – vom einleitenden „People Of The Moon“ bis zu „Atlantean Kodex“. Epische Musik, episch – und vor allem heavy – dargeboten. Dass Manuel Trummer jetzt auf eine siebensaitige Gitarre umgesattelt hat, war gleich zu hören. Was man auch wieder positiv hervorheben kann: gut, wie sich der mittlerweile langhaarige Markus Becker über die Jahre zu einem richtigen Frontmann gemausert hat. Liveroutine macht sich halt doch bezahlt. Und wenn es mal Lücken gibt, kann die Band immer noch auf ihre lautstarken Fans zählen, welche Titel wie „Heresiarch“, „Sol Invictus“ oder vor allem „Twelve Stars And An Azure Gown“ voller Herzblut mitsang. Echt mächtig! Viel falsch kann diese spezielle Band bei dem Songmaterial wohl auch nicht machen, bei denen es weniger auf musikalischen Sport, als auf Feeling ankommt. Und letzteres hat mal wieder absolut gestimmt.

 

Samstag, 28.05.2022

Nach einer kalten Nach ging das Festival Richtung Endspurt entgegen. Morgens um halb zehn ging es erst Mal mit einem zünftigen Weißwurstfrühstück in den Tag. Schließlich sind wir hier im tiefsten Bayern (wenn auch dem schwäbischen Teil davon). Daneben konnte jeder seine Tonträger von zu Hause mitbringen und einen kleinen Flohmarkt veranstalten. Auch eine nette Sache, bei der man das eine oder andere Schnäppchen machen konnte. Um das Ganze etwas festivaltauglicher zu gestalten, gab es von der Bühne auch etwas Musik. Die Coverband MAIDENHEAD spielte mit zahlreichen beliebten Gassenhauern auf. Hier konnte man noch einmal Vrön Hauger hinter den Kesseln beobachten, welche tags zuvor bei Mass so engagiert ausgeholfen hatte.

In das „normale“ Programm startet man dann zur Mittagszeit mit den niederbayerischen CROM, die episch angehauchten Power-Stoff boten. Das zog sogar recht viele Leute um diese Zeit vor die Bühne. So kann es doch gerne weitergehen. Die kurzfristig eingesprungenen Münchener VIPER QUEEN waren als nächste an der Reihe – und musikalisch ganz anders gelagert. Sleazigen Hardrock der Mötley-Crüe-Schule gab es hier auf die Ohren. Absolut oldschool und im passenden Outfit. Das zog man übrigens den ganzen Tag komplett so durch, wobei man auffiel wie bunte Hunde. Respekt! Handfester ging es dafür wieder bei VENATOR zu. Statt auftoupierten Haaren und Kajal gab es da eben Schnorres zur Lederjacke. Kennt man dazu noch das betont hässliche Cover ihres aktuellen Albums „Echoes From The Gutter“ weiß man, was sie Stunde geschlagen hat: der tradionelleste traditionelle Metal. Passt auch wie der Hintern auf den Eimer hier. Noch etwas mehr Abwechslung brachten die heimischen BLACKEVIL ins Programm. Wer es ein wenig ruppiger brauchte, war bei diesem Trio genau richtig. Rumpeliger Black/Thrash Metal á la Desaster war angesagt. Tatsächlich recht kompetent dargeboten, aber auch etwas eintönig. Aber zu meckern gab’s da an sich nix.

Im Folgenden traten dann nur noch Bands auf, die passend zum Jubiläumsmotto schon mindestens einmal auf dem Festival zu sehen waren. Den Anfang machten dabei die Schweden SCREAMER. Die schraubten das Euphorielevel gleich mal richtig nach oben. Der guten Laune der Band und dem eingängigen Metal-Sound konnte man auch kaum widerstehen, selbst wenn man wollte. Hier war auf jeden Fall ordentlich Alarm auf der Bühne, da stand keiner still da oben. Mit viel Elan warf man sich in die Songs und rückte nah ans Publikum ran und riss es mit. Eine tolle Party mit mitsingbaren Songs. Hierfür haben Screamer echt ein Händchen. Etwas das heutzutage nicht mehr alle so wirklich beherrschen. Und das kam ziemlich gut an, so dass man diesen Auftritt durchaus den Festival-Highlights zählen darf!

Danach brauchte so mancher wohl eine kleine Pause. Denn der Platz leerte sich wieder. War’s den Leuten zu heiß, war’s mal Zeit für etwas Verköstigung oder war der Bock auf richtig dreckigen Rock’n’Roll, gespielt von ein paar kernigen reiferen Herren nicht besonders groß? Vielleicht eine Mischung aus allem. Die NITROGODS, die hier quasi Release-Party ihres brandneuen Livealbums „10 Years Of Crap“ (was für ein Titel!) feierten, mussten sich ihr Publikum auf jeden Fall etwas erarbeiten. Dabei hätte ihr Motörhead-lastiger Sound doch so einige Türen einrennen sollen. Die Band schien es aber nicht besonders zu stören. Die zog knallhart ihren Stiefel durch. Die schnodderigen Ansagen im breiten schwäbischen Zungenschlag gaben das ihrige dazu, um den Leuten zu zeigen, was man für ein sympathischer Haufen ist. Und so wurde die Begeisterung Song für Song mehr. Eigentlich hatte man die richtige Mucke dazu, um sich ein paar Biere hinter die Binde zu kippen. War also doch recht cool.

Die Thrasher DUST BOLT aus Landberg am Lech sind hier in Oberndorf am Lech schon fast so etwas wie Lokalmatadoren. Kein Wunder, dass man sich auf ein drittes Mal hier über die Bühne stürmen darf. Und stürmen ist in diesem Fall absolut zutreffend. Wie von der Tarantel gestochen rannte die Truppe über die Bretter und schraubte sich fast die Köpfe vom Hals. Und das betont aggressiv und aufgestachelt. Auf so manchen Oldschooler wirkte das schon etwas aufgesetzt und künstlich. Aber das kennt man ja so von der Band und das gehört hier dazu. Quasi Thrash Metal für die junge Garde. Und auf ihre Art und Weise auch perfekt dargeboten. Wer Lust hatte konnte sich ordentlich zum Headbangen oder zum Circle Pit animieren lassen. Und da taten ordentlich Fans. Es war nämlich ziemlich Stimmung in der Bude und so kann man den Auftritt von Dust Bolt durchaus als Sieg verbuchen.

Nochmal Schweden, nochmal Traditionsstahl – jetzt aber weniger partylastig wie bei Screamer, sondern ernsthafter und ein Stück düsterer. Was RAM hier in eineinviertel Stunden abzogen war auf jeden Fall headlinerwürdig. Eine in rotes Licht getauchte Bühne, massiver Sound und eine engagierte Band mit einem Frontmann, der einen mit nur wenigen Posen einnimmt. Das einheitliche Lederoutfit hat Stil und schrubbt gerade noch so an der Peinlichkeit vorbei, die Manowar gerne mit vollem Bewusstsein überschreiten. Mit Clownerei hat das Quintett nichts zu schaffen. Ganz große Hymnen haben Ram aber nur wenige, aber trotzdem reißt das Songmaterial mit, was den Auftritt zu einem kleinen Triumphzug werden lässt. Mit sechs Alben in der Hinterhand hat man auch genug Material zur Verfügung, aus dem man für ein packendes, 75-minütiges Set auswählen kann. Ich persönlich war besonders vom epischen „Suomussalmi (The Few of Iron)“ begeistert, während die Band vor allem zum Ende hin für die Debütnummer „Machine Invaders“ ordentlich gefeiert wurde. Wobei die Stimmung über die gesamte Spielzeit ziemlich ausgelassen war. Etwas das fast etwas symptomatisch für das Festival ist: der heimliche Headliner steht meist vor dem eigentlichen Headliner.

Und der eigentliche Headliner sind dieses Jahr die US-Amerikaner OMEN. Die waren auch schon mal hier – in komplett anderer Besetzung. Das hat ja schließlich Tradition bei Gitarrist und Bandleader Kenny Powell. Wobei diese Zusammenrottung tatsächlich schon ganze fünf Jahre zusammen ist und sich dementsprechend gut eingespielt präsentiert, wenn auch etwas unauffällig in Sachen Auftreten – selbst Sänger Nikos, der nicht wirklich eine große Rampensau ist, dafür stimmlich aber wunderbar zu den Vorlagen des Ur-Frontmanns J.D. Kimball passt. Dreh- und Angelpunkt war da schon der stets etwas irr wirkende Gitarrist, der wirkt als steht er kurz vor dem Durchdrehen. Passt dann auch zu seinem mittlerweile komplett übersteuerten Gitarrensound, der immer etwas gewöhnungsbedürftig klingt. Aber das gehört wohl seit vielen Jahren einfach dazu und Omen leben dann doch mehr von ihrer legendären Vergangenheit in den Jahren 1984 bis 1987. Und so war es auch kein Wunder, dass sich das Set zum allergrößten Teil aus den bekannten Gassenhauern zusammensetzte. „Ruby Eyes (Of The Serpent)“, „Battle Cry“, „Warning Of Danger“, „Deathrider”, „Battle Cry” – you name it, you got it! Da gab’s schon mal nix zu Meckern. Die Stimmung war dementsprechend ausgelassen, wenn auch nicht so richtig euphorisch.

 

Und dann war es leider auch schon wieder vorbei. Es folgte noch eine kleine Dankesrede von Manuel Gritschneder an alle Mitwirkenden und auch an die Besucher, welche ihren Geldbeutel dieses Mal besonders weit aufmachten und 1.500 € für den örtlichen Kindergarten in die bereitstehende Sammelbox warfen. Der Betrag wurde dann mal eben seitens des Vereins auf 2.000 € aufgerundet. Feiner Zug! Mit einem großen Feuerwerk zu den Tönen von „Wish You Were Here“ ging diese tolle Veranstaltung emotional zu Ende. So mancher war glatt den Tränen nah, ein solches Wochenende wieder erleben zu können. Vielen Dank, Bavarian Metalheadz – wir sehen uns im nächsten Jahr wieder!

Wer da dabei sein möchte, sollte die Augen offen halten. Denn zwei Drittel der 667 Karten wurden schon wieder am Festival verkauft. Der Online-Kartenverkauf soll bald starten. Datum und die ersten Bands für die elfte Ausgabe des MOA stehen bereits fest. Es wird wieder das Himmelfahrt-Wochenende sein. Genau gesagt am 19. und 20. Mai 2023. Mit dabei u.a.: Sin Starlet, Knife, Iron Fate, Asomvel, Trial und Vicious Rumors.

 

Festival-Homepage
Homepage der Bavarian Metalheadz