Schluss mit komischen Sprüchen und so mancher Entgleisung, Dave Mustaine. Es wird Zeit wieder die Musik sprechen zu lassen! Knapp drei Jahre sind vergangen, seitdem Megadeth ihre letzte Platte „Super Collider“ veröffentlicht haben. Das Album stellte mit seiner melodischen Ausrichtung nicht gerade jeden (Alt-)Fan zufrieden. „Dystopia“ soll’s jetzt wieder richten.

Und die Voraussetzungen sind gar nicht mal schlecht. Mit Angra-Gitarrist Kiko Loureiro und Meisterschlagzeuger Steven Adler (Lamb of God) hat sich Dave Mustaine zwei fähige, neue Leute mit ins Boot geholt. Und auch die ersten beiden Songs hauen gleich richtig rein, so dass durchaus Begeisterung aufkommt.

„The Threast Is Real“ ist bester, schmissiger und thrashiger Megadeth-Stoff mit sportlichen Gitarren und giftigem Gesang, der hier etwas tiefer als früher klingt. „Dystopia“ ist dafür recht eingängiger Natur und entpuppt sich als feiner Midtempo-Track mit zackigen Solobreaks, die wohlige Erinnerungen an „Hangar 18“ aufkommen lassen. Aber über ein großes Manko kann die Begeisterung leider nicht ganz hinweg täuschen: die Produktion ist nicht wirklich das Optimum. Die Gitarren könnten knuspriger tönen und einen derart klinischen Drumsound hätte Herr Adler nicht verdient. Das raubt dem Ganzen doch ein wenig die Wucht.

Eine Wucht, die so mancher Song auch vertragen könnte. Von einigen Songs würde man sich etwas mehr Knackigkeit wünschen. Denn so richtige Highlights sind leider etwas rar gesät. „Death From Within“ gefällt als giftiger, grooviger Titel, der so einige Megadeth-Trademarks enthält, „Conquer Or Die“ treibt als Instrumentalnummer die Saitensportler-Sau durchs Dorf, „The Emperor“ schaut als lässiger Heavy-Rocker aufs letzte Album zurück und „Poisonous Shadows“ spielt die dramatische, atmosphärische Karte aus und sorgt für Abwechslung. Richtig aufhorchen lässt dafür das abschließende Fear-Cover „Foreign Policy“ das angenehm punkig daran erinnert, welch Feuer Megadeth in den 80ern entfachten.

„Da ist gerade eine Begeisterung in mir, die ich seit einer sehr langen Zeit nicht mehr gefühlt habe“, verkündet Dave Mustaine mit stolzgeschwellter Brust. Ja, man hört sie zwar immer wieder. Doch ein dauerhafter O(h)rgasmus ist „Dystopia“ leider nicht geworden. Eher eine Art Versuch alte Pfründe zurück zu erobern und in dieser Hinsicht wohl auch gelungen. In der eigenen Diskografie platziert man sich damit irgendwo zwischen „United Abominations“ und „Th1rt3en“.

Megadeth - Dystopia

Trackliste:
1. The Threat Is Real
2. Dystopia
3. Fatal Illusion
4. Death from Within
5. Bullet to the Brain
6. Post American World
7. Poisonous Shadows
8. Conquer or Die
9. Lying in State
10. The Emperor
11. Foreign Policy

Megadeth - Dystopia (Universal Music. 29.01.2016)
3.7Gesamtwertung