Man schaue sich nur mal kurz das Bandfoto an und man kann Leathürbitch sofort zu verorten: oldschool Metal as fuck! Die Moderne hat hier Hausverbot. Geboten wird regressiver Speedmetal im Fahrwasser von Agent Steel und/oder Savage Grace. Es werden bewusst alte Klischees geritten, dass man fast meint, man wäre einer Parodie aufgesessen. Aber nein, das hier passiert mit viel Charme und Spiellaune.

Und letztere ist ordentlich. Vor allem die beiden Gitarristen spielen sich in einen regelrechten Taumel, dem Sänger Joel mit seiner hellen Inbrunst ständig folgen wollen zu scheint. Denn er klingt reichlich überdreht, was allerdings zum Image der Truppe passt. Dass die Chose nicht gleich langweilig wird, dafür sorgen die dezent eingebundenen Hardrock-Versatzstücke. Gerade beim lässigen „I’m Insane“ oder dem unbekümmerten „I Want What You Got“ bricht das vollends durch.

Ansonsten gibt man mehrere Variationen von schnell und sehr schnell zum besten. Die irgendwie jugendliche Herangehensweise sorgt für Genrehits wie das an alte Riot erinnernde „Sleaze City“ oder „Killing The Silence“. Nach einer guten halben Stunde ist das Spektakel auch wieder zu Ende. Und eigentlich ist das genau die richtige Länge. Danach wäre es schon etwas fad geworden. So hatte man immerhin Spaß ohne echten Durchhänger.

Das KIT/HOA-Publikum weiß was zu tun ist und kann den Jungs aus Oregon durchaus mal ihr Ohr leihen – ganz egal, ob die Band damit einen Innovationspreis gewinnt oder nicht (und, sie tun es natürlich: nicht).

 

Trackliste:
1. Into the Night
2. L.U.S.T.
3. I Want What You Got
4. Sleaze City
5. Killing The Silence
6. I’m Insane
7. The Search
8. Killer Instinct

 

Leathürbitch - Into The Night (High Roller Records, 31.05.2019)
3.8Gesamtwertung