Sattelt die Hühner, wir reiten nach Texas! Sorry, das musste jetzt sein… Aber nun ernsthaft. Big Dad Ritch uns seine Bande an Outlaws schlagen wieder zu. Lederwesten, Bärte, dicke Eier. Mit viel Hingabe wird hier das eigene Image gepflegt und erwartungsgemäß klingt auch die Musik: fetter, grooviger, moderner Ami-Hardrock bis Metal mit einer kräftigen Southern-Schlagseite, wie es nur die originalen Einheimischen von dort hinbekommen. Die textliche Agenda umfasst folgende Punkte: persönliche Angelegenheiten, Zorn und Saufen. Der Sound ist genauso hart wie die Männer, die ihn spielen.

Aber wie so oft schlummert unter der Schale ein weicher Kern. Und die Typen der Texas Hippie Coalition (oder kurz THC – alles klar?) sind keine rückständigen, überpatriotischen sowie Bibel werfende Rednecks, sondern ein paar herzliche Typen, die gerne mal einen draufmachen und es einfach geradeaus und etwas derber lieben. Das wirkt überraschend sympathisch und authentisch.

Liegt vielleicht auch daran, dass sich in der Band gute Musiker und vor allem auch Songwriter verstecken. Klar, die Mucke ist keine Raketenwissenschaft, hat aber Charme und macht ziemlich Laune. Und fast jeder Song trifft mächtig ins Schwarze. Stilistisch angelegt zwischen Black Label Society und Clutch haut man nämlich jede Menge Volltreffer raus. Zupackende Songs mit Groove, lässigem, kernigen Gesang und eingängigen Refrains. Das klingt mal nach Party, dann auch wieder etwas ernsthafter. Und wenn es sein muss, kehrt man auch seine gefühlvolle Seite nach außen, wie zum Beispiel bei der angenehm emotionalen Power-Ballade „Ride Or Die“. Daumen hoch, dass es keine peinliche Vorstellung geworden ist.

Die Kernkompetenz sind aber natürlich die stampfenden Nummern wie „Dirty Finger“, „Stevie Nicks“ oder „Moonshine“. Hin und wieder geht’s auch mal Richtung Alternative/Neo-Grunge á Alter Bridge („Why Aren’t You Listening“) oder in wirklich altmodische Southern-Sphären („Tongue Like A Devil“).

Jau, das fett von Bob Marlette (u.a. Rob Zombie, Black Stone Cherry, Lynyrd Skynyrd) produzierte „High In The Saddle“ macht schon Laune. Ansprechende Hausmannskost der guten Art!

 

Trackliste:
1. Moonshine
2. Dirty Finger
3. Bring It Baby
4. Ride Or Die
5. Tongue Like A Devil
6. Why Aren’t You Listening
7. Stevie Nicks
8. BullsEye
9. Tell It From The Ground
10. Blue Lights On

 

Texas Hippie Coalition - High In The Saddle (eOne, 31.05.2019)
4.0Gesamtwertung