Die schreibende Zunft im Musikbereich hat viele verschiedene Gesichter. Es gibt die klassischen Reviews, die Interviews, Konzertberichte, News und manchmal eben etwas ganz besonderes. So hat sich Kollege Claas Reiners, u.a. HB-People, hingesetzt und in Eigenregie eine deutsche Übersetzung von den Tourtagebüchern von Frank Turner geschrieben. Einen Verlag dazu und ein über den Verkauf finanzierendes Konzept und los geht das.

Claas hat uns dazu ein paar Fragen beantwortet.

 

  1. Wie kommt man darauf eine deutsche Übersetzung zu schreiben? Bist du großer Frank Turner Fan oder wolltest du einfach schon immer ein Buch machen?

Claas: Die Idee kam mir, nachdem ich im OX das Interview von Joachim Hiller mit Frank zu seiner letzten Platte gelesen hatte. Das Buch kam in England ein paar Monate zuvor raus und wurde in dem Gespräch kurz thematisiert und es kristallisierte sich raus, dass keine deutsche Veröffentlichung geplant ist. Ich hatte das englische Original zu diesem Zeitpunkt schon gelesen und dachte mir: Hey, dann kann ich das ja machen. Wäre doch schade, wenn es keine deutsche Version geben würde. Ein Teil von mir war da vielleicht etwas größenwahnsinnig. Ein anderer Teil mochte aber die Herausforderung. Außerdem habe ich es als gute Englischübung angesehen. Ich wollte zunächst einfach wissen, ob ich das überhaupt kann. Komischerweise hatte ich immer das Gefühl, dass ich das Ding zu Ende bringen werde. Ob es gut oder schlecht werden würde, war erst mal unerheblich. Ich wollte fertig werden. Und dann weiter sehen.

Hat nicht jeder schon mal daran gedacht, ein Buch zu veröffentlichen? Dabei handelt es sich noch nicht mal um „mein“ Buch. Ich habe es nur von einer Sprache in die andere übertragen. Und fairerweise muss ich sagen, dass das Lektorat vom Verlag, meine Version noch mal verbessert hat. Jetzt ist es ein wirklich gutes und interessantes Buch! Nicht nur für Turner Fans, sondern auch für Musiker, die wissen wollen, wie es ein Künstler schafft, von kleinen Pub-Auftritten vor 20 Zahlenden zu großen Arena Shows zu kommen.

Zum Dritten Teil der Frage: Ich schätze, ich kann mich schon als Fan bezeichnen, auch wenn ich das in meinem Alter (deutlich über 30) etwas komisch finde. Aber bis jetzt konnte mich noch jede Turner Platte begeistern und ich bin noch nie enttäuscht von einem Turner Konzert nach Hause gekommen.

  1. Wie finanziert sich das Buch?

Claas: Ganz klassisch aus den Verkäufen. Und zwar nur aus den Verkäufen. Ventil ist ein kleiner Verlag und die Menschen, die da hinter stehen, machen ihre Arbeit mit Herzblut und Leidenschaft. Teilweise neben einem Brotjob in der Freizeit oder nach Feierabend.

  1. Hat Frank Turner da sofort begeistert reagiert? Wie lief der Kontakt ab?

Claas: Er wusste zumindest ziemlich früh Bescheid. Ich habe ihm nach einem Konzert die ersten Kapitel in die Hand gedrückt. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch nicht weit und ich glaube er, war schon erfreut darüber, aber hätte nicht gedacht, dass ich das Ding wirklich durchziehe. Auf der letzten großen Tour mit der Band gab es ein Konzert in Bremen (von der Show stammt auch das Coverfoto). Vor der Show trafen wir uns kurz und ich überreichte die erste vollständige Version und da war Frank wirklich ziemlich begeistert. Ich habe also von September bis Januar an der Übersetzung gearbeitet. Dazwischen lief der Kontakt meistens per Mail ab.

4. Wie hast du das zeitlich überhaupt alles hinbekommen, neben der Schreiberei für HB-People, Trust und Ox?

Claas: Eiserne Disziplin. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Die anderen Sachen, die du ansprichst haben natürlich darunter gelitten. Ansonsten habe ich versucht mir jeden Tag eine Stunde Zeit zu nehmen. In der Mittagspause, in Flughafencafes, mit Jetlag in Hotels, nach Feierabend und am Wochenende zuhause. Ich hatte praktisch immer einen Laptop oder einen USP Stick mit den gespeicherten Dateien und das englische Originalbuch bei mir. Wenn ich mal ein oder zwei Tage nichts gemacht habe, bekam ich irgendwann sofort ein schlechtes Gewissen und habe am nächsten Tag dann doppelt so viel gemacht. Es war aber auch schön zu sehen, wie es vorwärts ging

 

5. Wie läuft die Promo und alles Weitere für das Buch. Auch alles DIY in Eigenregie?

Claas: Ich versuche natürlich mein möglichstes. Ventil hat auch seine Kontakte, aber eine große Medienkampagne wird es ganz sicher nicht geben. Die Hoffnung ist bei mir etwa, dass sich die Übersetzung durch Mund zu Mund Propaganda rumspricht und das Leute, wie Du bzw. Ihr bei Handwritten-Mag das Thema aufnehmt und weiterverbreitet. Denn eins ist mal klar. Geld verdient mit diesem Buch keiner. Aber vielleicht steckt da ja gerade deswegen so viel Herzblut von den Leuten drin und vielleicht spürt das der Leser auch.

 

 

Frank Turner The Road Beneath My Feet
ca. 368 Seiten 13 × 19,5 cm Broschur,

mit Bildstrecke ca. € 17,– (D), € 17,50 (A), SFr 22,–*

ISBN 978-3-95575-072-5