Killing Joke, der Inbegriff der 80iger Indie-Bewegung und die Erfinder des Welthits „Love Like Blood“ stehen drei Jahre nach ihrem letzten Longplayer „MMXII“ kurz vor der Veröffentlichung ihres mittlerweile 16ten Albums namens „Pylon“, welches ab dem 23.Oktober in den Läden zu haben sein wird.

Die 1979 in Cardiff gegründete Band um den abgedrehten Frontmann Jaz Coleman hat ihren Lebensmittelpunkt vom beschaulichen Wales zwar längst in das mondäne West London verlegt, trotz allem nimmt sich Coleman gerne auch mal eine Auszeit… so war er 2012 für längere Zeit verschollen und wurde voller Sorge von dem Rest der Truppe gesucht, bis er irgendwo in der Sahara beim Schreiben eines Buches entdeckt wurde.

Wegen, oder besonders durch die „leicht“ exzentrische Ader des Bandleaders kam es in der fast dreißig jährigen Geschichte der Band immer wieder zu Auszeiten bzw. Besetzungswechsel und es entstand quasi eine „AN / Aus“ Beziehung mit der Auflösung von Killing Joke im Jahre 1996. Eine erste Re-Union kam 2002 zustande, wobei es bis 2008 dauern sollte, bis die Band sich in seiner Urbesetzung zusammenfand und seitdem wieder gemeinsame musikalische Wege geht.

Sollte man meinen, dass die Herren nun ruhiger und entspannter geworden sind, so darf ich hier direkt ein Veto einlegen… „Pylon“ erscheint mir schon beim ersten Hören als derbes, raues Album voller Ecken und Kanten. Kompromisslose Gitarrenriffs und derbe Schlagzeugbeats sind eine klare Ansage und lassen mich erstaunt aufhorchen… ich hätte nicht gedacht, dass es die Jungs in ihrem gesetzten Alter noch so drauf haben!

Post-Punk vom Feinsten, der soundmäßig wunderbar von Produzent Tom Dalgety (`Band Of Skulls`, `Royal Blood`) in Szene gesetzt wird. Die Melodien sind schwer und kompromisslos, begleitet von düsteren zerstörerischen Texten (Themen wie Krieg, Religion und die Verstörung der Umwelt sind leider aktueller denn je)… also bleibt sich die Truppe auch hier treu und spricht Klartext!

Besonders „I Am The Virus” oder „New Cold War“ haben mir sehr gefallen, aber sich hier bestimmte Songs heraus zu picken verbietet sich fast. Die Band besticht an sich durch eine jahrzehntelange gleichbleibende Beständigkeit und bahnbrechend neues wird`s von Killing Joke eh nimmer geben… hier zählt viel eher der Kultfaktor!

Insgesamt sind auf „Pylon“ 10 Songs enthalten, die Deluxe-Version gönnt uns sogar eine 5 Track starke Bonus-CD. Wer schnell ist kann das gute Stück sogar als streng limitiertes doppelfarbiges Vinyl erwerben… also rein in den Plattenladen des Vertrauens.

Im Oktober geht Killing Joke dann auf weltweite Headliner-Tour, ob und wann die Jungs hier zu sehen sein werden und wer sie diesbezüglich begleiten wird steht noch nicht fest.

 

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Tracklist:
1. Autonomous Zone
2. Dawn Of The Hive
3. New Cold War
4. Euphoria
5. New Jerusalem
6. War On Freedom
7. Big Buzz
8. Delete
9. I Am The Virus
10. Into The Unknown

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Killing Joke - Pylon (Spinefarm Records / Caroline, 23.10.2015)
4.3Gesamtwertung