Nach der Veröffentlichung seines Romandebüts ‚Otis‘ spielte Jochen Distelmeyer auf der dazugehörigen Lesetour, einige seiner Lieblingssongs als Akustiknummern auf der Gitarre. Diese nahm er nun im Studio auf und veröffentlichte am 12. Februar 2016 sein Solo-Akustik-Cover-Album „Songs From The Bottom Vol. 1“.

Prägende Künstler und auch besondere Songs, die z.B. unter dem Pop-Radar immer falsch aufgenommen wurden, da die Texte mehr sind als 0815-Pop-Nummern, werden auf der 12-Track LP von Distelmeyer ganz reduziert mit Akustikgitarre und vereinzelten Pianoklängen präsentiert. Aufgrund dieser instrumentalen Besetzung wird das Coveralbum zu etwas ganz Besonderem. Ich persönlich bin ein wenig voreingenommen in diese Review hineingegangen, da ich eigentlich überhaupt nicht auf Coverversionen stehe und weiter habe ich auch bei der Songauswahl vereinzelt die Augenbrauen hochgezogen und mich doch arg gewundert.

Nunja, dann habe ich die Platte aber einfach mal eingelegt und war nach dem ersten durchhören äußerst positiv überrascht. Wie schon erwähnt ist es die minimale Instrumentierung, welche die Coversongs wirken lassen. Ich mag Jochen Distelmeyers Stimme schon immer und wenn Songs dann auf eine ganz besondere Art gecovert werden und einen eigenen Charakter entwickeln, dann kann auch ich nicht mehr gegen diese sein!
Jedoch gelingt diese Herausstellung nicht bei jedem der zwölf Songs auf dem Album. Radioheads „Pyramide Song“ und The Verves „Bitter Sweet Symphony“ funktionieren für meinen Geschmack leider nicht. Dafür sind Songs wie Lana Del Reys „Video Games“, Britney Spears‘ „Toxic“ und Kris Kristoffersons „This Old Road“ grandiose Coverversionen.

Fazit:
Lieblingssongs covern ist erlaubt. Und auch ich stehe diesen, dank dieser Platte hier wieder positiver gegenüber. Denn Distelmeyer schafft es bei dem größten Teil der Songs einen eigenen Charakter zu kreieren. Leider nicht bei allen, aber das ist ja auch gar nicht weiter schlimm, weil es sich um gesammelte Lieblingssongs eines Einzelnen handelt und da nicht jeder Geschmack getroffen werden muss. Schon vorhandenen Songs wird neues Leben eingehaucht – genau das gelingt Jochen Distelmeyer auf „Songs From The Bottom Vol. 1“ äußerst gut!

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01. Just Like This Train (Joni Mitchell)
02. On The Avenue (Aztec Camera)
03. Video Games (Lana Del Rey)
04. I Read A Lot (Nick Lowe)
05. Toxic (Britney Spears)
06. Pyramid Song (Radiohead)
07. Let’s Stay Together (Al Green)
08. I Could Be The One (Avicii vs. Nicky Romero)
09. Turn Turn Turn (Pete Seeger)
10. Bitter Sweet Symphony (The Verve)
11. This Old Road (Kris Kristofferson)
12. Beautiful Cosmos (Ivor Cutler)

Jochen Distelmeyer - Songs From The Bottom Vol. 1 (Four Music / Sony, 12.02.2016)
4.1Gesamtwertung