Den Norwerger Vegard Sverre Tveitan – besser als Ihsahn bekannt – wird man wohl auf ewig mit der (mittlerweile wohl aufgelösten) Black-Metal-Legende Emperor verbinden. Dabei hat der Mann mit seinem nach seinem Künstlernamen benannten Soloprojekt bereits mehr Studioalben veröffentlicht, als mit seiner (Ex-)Band.

„Arktis.“ ist bereits sein sechstes. Auch hier scheinen (vor allem wegen des Gesangs) dezent die alten Black-Metal-Wurzeln durch. Doch was unter dem Namen Ihsahn veröffentlicht wird, ist moderner Metal mit einem progressiven Geist. Glücklicherweise ist das neue Werk nicht mehr derart experimentell und uneinheitlich wie der Vorgänger „Das Seelenbrechen“ ausgefallen. Das Album brauchte es vielleicht auch. Denn die Linie war dieses Mal klar: „Mein Fokus für dieses Album lag darauf in eher traditionelleren Songstrukturen zu schreiben und trotzdem jedem Song eine starke individuelle Identität zu geben. Sei das durch eine wiederkehrende Melodie, einen Chorus, Sounddesign oder das gute alte Gitarrenriff“, gibt Ihsahn zu Protokoll.

Dabei klingen die einzelnen Songs sogar wirklich relativ straight, gefallen aber immer wieder mit starken Details, gewitzten Einfällen und eingebauten Elementen aus der elektronischen Musik, Pop oder Jazz. Der erste Titel „Disassembled“ gibt gleich die Richtung vor: harte, kalte und kantige Grooves, dazu das markante Keifen Ihsahns. Wie das dem nichts taucht eine helle, einnehme Gesangslinie auf, für die sich Einar Solberg der befreundeten Leprous verantwortlich zeichnet. Dieser taucht auf den Songs noch öfter vor. Vor allem „Celestial Violence“ entpuppt sich dabei als großartige Nummer, die gut für das ganze Album steht.

Selbstverständlich ist auch Shinings Jorgen Munkeby mit seinem Saxophon ebenfalls wieder mit an Bord. Dieses Mal allerdings in überraschend ruhiger Form. „Crooked Red Line“ kommt nämlich richtig ruhig und leichtfüßig daher und bildet einen kleinen Ruhepol im sonst so aufregenden Album, das immer wieder mit Highlights glänzt. So zum Beispiel mit dem melodischen „In The Vaul“, dem an Devin Townsend erinnernden und mit 80er-Jahre-Poserrrock-Riffs angereicherten „Until I Too Dissolve“ oder dem kräftigen „Mass Darkness“.

„Arktis.“ ist (erwartungsgemäß) wieder ein starkes Stück Musik geworden. Hart und atmosphärisch gleichermaßen. Sollte man mal reinhören!

Ihsahn - Arktis.

Trackliste:
1. Disassembled
2. Mass Darkness
3. My Heart Is of the North
4. South Winds
5. In the Vaul
6. Until I Too Dissolve
7. Pressure
8. Frail
9. Crooked Red Line
10. Celestial Violence
11. Til Tor Ulven

Ihsahn - Arktis. (Candlelight/Spinefarm Records, 08.04.2016)
4.2Gesamtwertung