Vor ein paar Jahren, als ich noch selbst Shows organisiert habe, habe ich mir als Abschluß davon einen eigenen Wunsch erfüllt und mit Ex-Tagtraum Sänger Matze Rossi ein Kneipenkonzert gegönnt. Schön war das! Und weil der Matze so ein mega Typ ist, haben wir uns immer mal wieder getroffen. Vor allem bei Konzerten im Norden, wo ich dann Fotos von ihm und den Shows gemacht habe.

Nun stand also mit „Ich fange Feuer“ die längste Tour seit gefühlten Ewigkeiten auf dem Zettel und wir haben abgesprochen, dass ich dann doch mal, wie ewig geplant, ein paar Tage mitkomme. Biertrinken, Quatschen, Fotos. Was man halt so macht.

Besonders erfreut war ich auch, dass der großartige Tobi  (Yellowknife) bei den ausgesuchten Terminen in Bremen und Hamburg dabei sein sollte.

Am 07.April bin ich also mit Rucksack und Kameratasche nach Bremen gefahren und habe mich zuerst mit Esther und Nico getroffen. Die zwei Herzmenschen organisieren in Schweden das Kaos Skola Festival, dass wir mit handwritten-mag.de präsentieren und wo ich in diesem Jahr auch zum Fotografieren dabei bin. Da die Zwei auch Freunde und Fans von Matze sind, reisen sie mal eben 7 Termine mit ihrem Wohnmobil mit und besuchen also diverse Matze Rossi Shows.

Auf dem dezent nach Pipi stinkendem Hinterhof vom Tower Bremen angekommen, habe ich die zwei Dudes in dem völlig überladenen Passat aus Schweinfurt City auch getroffen und begrüßt.

Das Ausladen, der Aufbau und der Soundcheck ist ja bei Songwritern immer denkbar einfach und so konnte man noch ein wenig im Backstage abhängen, den leckeren Tower-Kaffee schlürfen und sabbeln. Danke an Rebecca vom Tower für die tolle Bewirtung übrigens!

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Fast pünktlich startete dann auch die Show und Support Yellowknife spielte die reduzierten Versionen seiner aktuellen Fullband-Platte. Großartig! Gefühlvoller Indiesound, der in der Solovariante genauso gut funktioniert, weil da einfach auch ein Typ auf der Bühne steht, der unglaublich echt rüberkommt und mit englischsprachigen Texten verzaubern kann. Schon bei der Review zum Album habe ich festgestellt, wie gut ich mich mit den Songs über das Erwachsenwerden identifizieren kann.

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Unmittelbar nach dem ca. 30 Minuten langem Auftritt von Tobi war dann der Matze dran. Leider war der Tower aus irgendwelchen Gründen mit ca. 70 Leuten nicht wirklich voll, was sich auch ein wenig auf die Stimmung auswirkte. Trotzdem, weil ja eh Sonnenschein und auch Profi, begeisterte Matze wie immer alle Anwesenden. Durch das Miteinander mit dem Publikum, versteht er es auch immer wieder das Gefühl wie bei einem Wohnzimmerkonzert aufkommen zu lassen. Persönlich. Echt und direkt.

Ich hatte zwar das Gefühl, dass wir hier in Bremen eher die traurigen Lieder zu hören bekamen, aber nach 7 Tourtagen kann man ja auch mal ein wenig müde sein. Das großartige „Best Friends“ gab es wie immer ohne Strom im Publikum und wie immer hätte man selbst eine Stecknadel fallen hören können. Ich glaub hätte hinter mir Jemand gehustet, hätte ich den reflexartig zusammengeschissen. Gänsehaut, Mitsingen und zustimmendes Kopfnicken waren dann aber die Reaktionen der Anwesenden.

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Vor diesem Tag dachte ich, dass ich jetzt an dieser Stelle sowas wie „… was auf Tour passiert, bleibt auf Tour“ oder so schreiben muss, aber nach ein paar Bier und den Aufräumarbeiten waren wir dann in der Nacht nur noch was Essen und in der gebuchten Wohnung. Unser kleiner Abstecher in das Bremer Nachtleben war geprägt von Falafel, Berliner Touristen mit geschätzen 3 Promille und Pipifleck („Immerhin!“) und nochmal Falafel. Das erste Mal Falafel für mich übrigens. Verrückt. Da musst du erst mit den Rockstars rumhängen um Falafel zu essen.

Am nächsten Tag hatten wir noch Zeit und während Matze die ihm aufgetragenen Social Media Arbeiten zu verrichten hatte, konnte ich Tobi besser kennenlernen. Wenn man als Einstieg sofort bei ernsten Themen hängen bleibt und da aber so mega gut drüber sprechen kann, bedeutet das schon was. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal „Alter, haben wir gut gequatscht“ gesagt habe. Sonst eher sowas wie „Alter, war ich voll“ oder so. Ziemlich schnell lernte ich also Tobi kennen und schätzen. Der macht nicht nur super Musik, sondern ist auch so ein mega Typ.

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Mir wurde schon vorher berichtet, dass an den Konzerten die schon gespielt waren, immer Teil der Ansagen war, dass man Merch verkaufen muss, weil sonst für mich im Tour-Passat kein Platz sei. Und die hatten Recht! Wir mussten also ein wenig auf das Wohnmobil von Esther und Nico aus Schweden umladen und sind dann, mit einem immer noch mega vollem Passat, auf die A1 und Richtung Hamburg gestartet. An dieser Stelle muss ich das Wetter erwähnen! In Bremen hatten wir Hagel, Regen und was sonst noch so alles von oben kommen kann. Auf der Autobahn lockerte sich erst alles auf und mit den Krähnen vom Hamburger Hafen hatten wir auch die beste Sonne in Sichtweite. Wollte ich nur völlig wertfrei sagen. Bremen Regen, Hamburg Sonne. Ich seh da jetzt keine Zusammenhänge.

In Hamburg hatten wir dann noch Zeit und während Tobi sich mit Freunden treffen wollte, sind Matze und ich zunächst wie die Obertouristen an den Landungsbrücken spazieren gegangen und haben dabei Fotos gemacht und Interviewfragen besprochen, die ich mir irgendwie nicht aufgeschrieben habe. Anschließend sind wir dann mit Esther und Nico durch die Gegend geschlendert, haben historische Orte wie das „Onkel Otto“ besucht und dann habe ich meine ersten veganen Hot Dogs gegessen. Also ja, gleich mehrere. Ich bin im Wachstum und werde das auch in 20 Jahren noch immer sein, wenn Nachfragen kommen.

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Am frühen Nachmittag sind wir auch an der Location, dem Kleinen Donner, angekommen und wurden durch Daniel begrüßt. Auch wieder so ein mega Typ! Ich hatte langsam das Gefühl, als würde der Matze Rossi nicht nur selber ein guter Typ sein, sondern auch nur solche Leute um sich haben, wenn er unterwegs ist. Verrückt.

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Es hat sich schon vorher abgezeichnet, dass in Hamburg mehr los sein wird. Das lag wohl zum einen am Wochentag (Freitag) und zum anderen daran, dass Matze in Hamburg noch wesentlich mehr Leute kennt. Der kleine Club im Keller neben der Flora war also bereits zum Start von Buddy Yellowknife gut gefüllt und auch hier wusste Tobi die Menschen zu verzaubern. Ich geh mal davon aus, dass viele der Anwesenden vorher noch nichts von seiner Musik gehört hatten. Aber Menschen im Publikum die bei dieser Art Musik die Augen schließen, Zuhören und Lächeln sind wohl das beste Songwriterzeichen was es so geben kann . Ach und Gesoffen wurde auch. Auch auf der Bühne. Aber dazu später mehr.

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Pünktlich startete dann auch Matze Rossi mit seiner Show. Und wie einer seiner Freunde das später bei Facebook so passend beschrieben hat, war dieser Abend eine einzige „Umarmung!“. Ich muss dazu sagen, dass ich nach einem Konzert im kleinen Westerstede dachte eine Matze Rossi Show kann nicht schöner sein. Aber was im Kleinen Donner Hamburg passierte, war schon fast magisch.

Der bestens gelaunte und mittleweile leicht angesoffene Matze hatte das Publikum ab dem ersten Song sofort am Haken. Im positiven Sinn. Auch bei neuen Songs vom gerade veröffentlichten Album „Ich fange Feuer“ wurde vom prall gefüllten Club von vorne bis hinten mitgesungen. Jeder Song berührte. Jede Ansage war persönlich wie sowas nur sein kann und jeder Blick ins Publikum wurde mit lächelnden und teilweise gerührten Gesichtern beantwortet. Immer mal wieder durch Mexikaner vom Tresen unterbrochen, die Tobi reichte. Einer der für mich berührensten Momente war aber, als ich bemerkte das Matze nach einem Zuschauerchor wie aus dem Bilderbuch selbst feuchte Augen bekam. Oder er hatte eine Fliege im Auge. Kann auch sein, glaub ich aber nicht.

Allein das wieder im Publikum gespielte „Best Friends“ war einer der großartigsten musikalischen Momente, die ich in in vielen Jahren auf Konzerten erlebt habe. Unfassbar schön!

Das Matze, wie er selbst immer wieder feststellte, schon einen in der Krone hatte, war an diesem Abend eher förderlich. Das besondere an der Musik von Matze Rossi ist ja, dass sich diese positive Einstellung der Songs immer wieder auf den Hörer überträgt. Und sollte Musik Menschen wirklich helfen können, wovon ich überzeugt bin, war dieses Konzert eine Wunderheilung.

Da ich doch relativ spontan den gewohnten Anblick meiner Freundin und meiner Tochter dem von Matze und Tobi vorzog, bin ich dann noch in der Nacht und damit nicht ganz am Ende der Show, ins Taxi gesprungen und wieder Richtung Heimat gestartet mit Zug und S-Bahn.

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Diese zwei Tage mit Matze und Tobi haben mir mal wieder eine Menge gezeigt. Und zwar warum ich so ein Musikfan bin. Warum ich das hier mache. Warum Herz und Seele bei Musikern und auch allen Beteiligten wie Technikern, Clubmitarbeiter, Bookern und auch den Konzertbesuchern soviel wichtiger sind, als eine große Maschine die dahinter steht. Niemals werden es „Plastikbands“ und eben solche Musiker schaffen Leute über so eine lange Zeit mit ihrer Musik zu berühren, wie es z.B. ein Matze Rossi kann. Ohne sich zu verbiegen. Ohne unecht zu werden. Ohne Arschloch zu werden. Nur mit „Punk & Liebe“. Danke!

 

Fotos & Text: Sven Hoppmann / melancholiemaritim.de