Die Braunschweiger Forkupines laufen einem schon ewig über den Weg, wenn man mit Punkshows zu tun hat, diese besucht oder einfach nur bei Facebook über Skotty gestolpert ist. „239832“ gemeinsame Freunde. Alle in irgendeiner Art und Weise mit Musik zu tun. Dann sind die drei nicht nur sich wund spielende Musiker, sondern auch noch megagute Typen. Beste Voraussetzungen also für eine Band, die sich trotz recht jungem Alter in Pressetexten und Reviews mit Vergleichen über Samiam (eine meiner Lieblingsbands!), Jimmy Eat World und Co. schmücken kann. Verrückt. Und das alles aus Braunschweig!

Mit Midsummer haben die drei Stooges dann auch noch ein Herzlabel gefunden, um das Debüt „Here, away from“ zu veröffentlichen. Und Pressestimmen und Vorab-Singles haben die Erwartungen echt hoch gesteckt. Da gucken wir doch mal, ob das auch alles so geklappt hat.

 

 

In den 11 Songs spielen sich die drei Herren also formschön durch Punk, Emo und Alternative Rock. Und das Ganze so ambitioniert, dass ich die oben genannten Vergleiche sogar fast wohlwollend abnicken kann. Nur, dass die Forkupines einfach viel mehr Wumms und Energie in ihren Songs transportieren. Also vielleicht so wie Jimmy Eat World, als sie gut waren und keine verkackten Verträge bei Konzerten an Fotografen verteilt haben. Ob nun beim Opener „A Perfect Match“ oder bei einem meiner Lieblingssongs der Platte, „By the Sea“, ballern die drei ihre komplette Energie in die Songs, die nicht nur Spaß machen, sondern bei denen immer auch eine melancholische Note mitschwingt.

Dann kommen noch so Songs wie „Paper Town“ oder auch „One by One“ dazu, die den Fuß ein wenig vom Gaspedal nehmen, es aber schaffen Herzblut und diese Leidenschaft an Musik rüberzubringen, die vielen alten Hasen einfach mittlerweile fehlt. Schubladen? Braucht kein Mensch, ey. Leidenschaft schon. Und die gibt es auf diesem geilen Stück Musik haufenweise.

Wenn man einfach auch mal bedenkt, dass Skotty auf der Bühne wie ein Catweazle-Double wirkt und man schon das Sauerstoffzelt reinrollen will, kann man sich ungefähr vorstellen wie der Gute abgeht. Und das hört man auch bei dem fett produzierten Album an jeder Ecke.

Die deutsche Musiklandschaft hat zwar einige Perlen in letzter Zeit ausgespuckt, aber macht sich selbst doch meistens zu sehr an Trends fest. „Oh, das ist in? Dann machen wir jungen Bands das jetzt einfach mal alle“. Und das gibt es hier einfach nicht. Die Forkupines spielen sich durch ihre Songs, als wären sie die Rettung der Welt und als könnten sie die AfD damit aus dem Bundestag jagen. Schön wär es. Aber um den Bogen mal weiter zu spannen, würde ich mir viel mehr genau so engagierte junge Bands wünschen. Nicht mit dem Strom schwimmen, sondern wie der Lachs dagegen. Forkupines, ihr Lachse! Geil! Kaufempfehlung!

 

  1. A Perfect Match
  2. Crowes
  3. Put Me Through
  4. The Good Fight
  5. Everything I’ve Become
  6. One by One
  7. By the Sea
  8. Crosses, Gates and Debt
  9. Wishful Drinking
  10. Paper Towns
  11. Stay the Night

 

Und hier noch die Tourdaten! Hingehen und Catweazle live sehen!

Forkupines - Here, away from (Midsummer Records, 29.09.2017)
4.7Gesamtwertung