Wir schreiben den 5. März 2020 – auf der Bühne des Druckluft Oberhausen witzelt John Allen noch ganz vorsichtig über die damals langsam beginnenden Corona-Einschränkungen. Alle lachten. Zu der Zeit ahnte ich nicht im Geringsten, dass es über 4 Monate dauern wird, bis ich mein nächstes Livekonzert erleben darf. Leidvolle Monate – voller Corona-bedingten Absagen, zig verschobenen Terminen – dutzende Online-Konzerte dienten der Substitution. Umso glücklicher war ich, als ich erfahren habe, dass die Zeche CARL in Essen wieder Livemusik anbieten kann. Mit ihrem Draußensommer wurde ein Konzept entwickelt, das realisierbar ist – das funktioniert. Großartig.

So kam ich nun, 128 Tage nach meinem letzten Konzert, in den Genuss, die Dortmunder Jungs von Walking On Rivers im Innenhof der Zeche CARL zu sehen. Mit Mund-Nasen-Bedeckung auf das Gelände, Hände desinfiziert, kurz schriftlich registriert, zum zugewiesenen Stehtisch getigert, Maske ab – (fast) normales Konzerterlebnis an. Das Konzert war ausverkauft – ich war definitiv nicht der einzige der sehnsüchtig darauf gewartet hat, wieder auf eine Show zu gehen.

Kurz nach 20 Uhr betrat die fünfköpfige Kapelle die Bühne, legte los und zeigte sofort, dass auch sie die konzert-lose Zeit satt haben. Am Vorabend noch vor sitzendem Publikum gespielt, freuten sich Martin, David, Niklas, Markus & Borsti über die stehenden und bewegenden Zuschauer. Da auch jeder genug Platz zum Nachbarn hatte konnte sogar getanzt werden und das knappe 90 Minuten lang. So lange gab die Band ihr Repertoire zum Besten. Schöne Melodien, fantastischer Gesang, leise, laut. Folk – Indie – keine Ahnung, einfach gut. Gute-Laune-Musik die einem frischen Sommerabend ein wenig Festivalgefühl einhauchte. Lieder über Vergangenes, über die Heimatstadt. Ein komplett neuer Song, der am Vorabend zum ersten Mal gespielt wurde. Am Ende noch eine kleine Zugabe in Form eines Crosby, Stills & Nash-Covers. Leider nicht, wie gewohnt, unplugged im Publikum – aber trotzdem in einer sehr schönen Version auf der Bühne, die sie dann (zu Recht) unter Applaus verließen.

An dieser Stelle definitiv tausend Dank an die Zeche CARL fürs Möglich-machen von Livekonzerten in dieser verrückte Zeit.