Die Holländer Swain bringen nach „The Long Dark Blue“ (2016) das nächste zunächst schwer anmutende Stück Musik über End Hits Records mit. Bereits im Vorfeld konnte man sich mit den Singles/Video zu „Negative Space“ und „But Then What?“ ein Bild machen. Es sei schonmal vorab verraten, dass mich die neuen Songs nicht überrascht haben. Aber auch nicht enttäuscht!

 

 

Man könnte nach dem ersten Durchgang stundenlang über Referenzen aus den 90ern, über Nirvana und über Grunge schreiben, aber das sparen wir uns an dieser Stelle mal. Es geht mir viel eher um das in den 11 Songs vermittelte Gefühl einer durch die Wand brechenden Faust. Zunächst schwer und depressiv, wirkt dieses Soundgemisch auf den geneigten Zuhörer, um bei einem genaueren Blick genau das Gegenteil zu vermitteln. Durchhalteparolen ohne Parolen. Willensstärke ohne Phrasendrescherei und der musikalische Bezug auf eine Zeit, die so nie wieder durchbrechen wird in der Pop-/Punklandschaft.

Jeremy Bolm und Casper geben sich in zwei Songs die Ehre und steuern stimmlich das eine oder andere bei, was bei dem düsteren letzten Album des Pop-Rap-Indie-Guru mit Hardcorevergangenheit auch nicht verwundert. Im sphärisch einleitenden „Skin on Skin“ passt die Zusammenarbeit auch wie Arsch auf Eimer und der schleppend dunkle Sound ist für mich auf jeden Fall ein Highlight auf „Negative Space“.

Insgesamt kann man sagen, dass Swain mit „Negative Space“ Spaß machen, auch wenn das bei dieser Art Musik schon fast komisch falsch klingt. Sie überraschen mit einem Stil, der für das Abdriften in schwere Depressionen bestens geeignet gewesen wäre, aber durch die Message eine Energie entwickelt, wie man sie zuletzt in den 90ern bei anderen Bands erfahren hat. Und das hebt die Band, natürlich nach ihrem heute seltenen Sound, von der Masse ab.

Der schleppende Sound ist an dieser Stelle übrigens ein wenig mein Problem. Nicht, dass die Platte nicht abwechslungsreich ist, aber auf Dauer hat sie bei mir den falschen Effekt und ich werde traurig. Kann natürlich auch an der AfD, Klimawandel und anderen Ungerechtigkeiten liegen, aber die Songs verstärken den Druck auf mein Gemüt. Ob das so geplant war, denk ich eher nicht.

Für Menschen mit einer traurigen Grundhaltung und meine erste Freundin aus den 90ern, die riesiger Nirvana-Fan war, auf jeden Fall ein Pflichtkauf! Und alle anderen sollten auch ein Ohr riskieren!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Negative Space
  2. Same Things
  3. But Then What…
  4. Skin on Skin
  5. Dispel
  6. Fistful of Hair
  7. Big Dumb Boy
  8. Uncomfortably Aware
  9. Self
  10. Hit Me Till I Break My Bones
  11. Strange Light

 

Foto: Simon Veith

Swain - Negative Space (End Hits Records, 26.07.2019)
3.8Gesamtwertung