Saosin haben einen steinigen Weg als Band hinter sich. Beim ersten Durchbruch mit der EP „Translating the Name“ war erstmal Schluß für Anthony Green. Raus aus der Band, neue Band gründen und seinem Nachfolger Cover Reber einen so schweren Stand hinterlassen, dass ihn die Band nach zwei Alben mit einer Begründung rausschmeisst, die wohl für einen Sänger nicht schlimmer sein könnte „nicht gut genug“. Tja, das machste erstmal dicke Backen als passionierter Schrei-Singkünstler.

Mittlerweile ist Anthony Green wieder dabei und mit „Along the Shadows“ kommt nun das erste gemeinsame Album der sonnigen Typen aus Kalifornien. Und es ist, wie sollte es auch anders sein, eine Mischung aus Posthardcore, der so schon vielfach veröffentlicht wurde. Also kein leichter Stand.

Mit dem Opener „The Silver String“ kommt aber auch gleich eine fett produzierte Hymne, die technisch wohl in der obersten Liga mitspielt. Sowohl die Schrei-, wie auch die cleanen Parts sind technisch 1A umgesetzt und auf den Festivalbühnen dieser Welt werden das mit Sicherheit viele junge Menschen abfeiern. Da kommen wir auch schon zu meinem einzigen richtigen Kritikpunkt, der sich aber wie ein roter Faden durch die gesamte Veröffentlichung zieht. Emotionen. Der große Knackpunkt bei dieser Art Hardcore/Metalcore/trendiger Musik mit lauten Gitarren sind die Emotionen, die über die verschienden Gesangsrichtungen noch besser zum Ausdruck gebracht werden und dem Konsumenten um die Ohren gehauen werden können. So die Theorie. Leider packen mich genau diese Emotionen im Fall von „Along the Shadows“ nicht. Klar ist das hier alles fett produziert, technisch erste Sahne umgesetzt, aber mir fehlt so der Anpacker, der dich an die Hand nimmt und durch das gesamte Album zieht. Die großen Melodien schaffen es immer wieder fast, aber am Ende ist mir das dann vielleicht sogar zu perfekt umgesetzt. Keine Ecken und keine Kanten. Keine Überraschungen, die einen Aufhorchen lassen.

Die besten Momente auf der gesamten Platte sind die, wenn die Songs in Richtung Alternative Rock abwandern und durch ihre Eingängigkeit einfach angenehm warm klingen, ohne dabei zu sehr radiotechnisch auf den Keks zu gehen. Ich bin nicht sicher ob das überhaupt der Plan der Band war, diese Momente so sehr umzusetzen, aber genau das würde ich mir für weitere Alben wünschen. Wenn wir mal ehrlich sind, kauft sich niemand der auf richtig harte Musik steht eine „Saosin“-Platte.

Und hier trotzdem eine Kaufempfehlung. Und zwar für alle Genrefans von großen PosthardcoreEmoWasauchimmer-Hymnen, die ihr Hauptaugenmerk auf schöne Melodie und nicht immer ganz passenden Schrei-/Singwechsel legen. Prost!

 

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  1. The Silver String
  2. Ideology is Theft
  3. Racing Toward a Red Light
  4. Second Guesses
  5. Count Back from TEN
  6. The Stutter says a Lot
  7. Sore Distress
  8. The Secret Meaning of Freedom
  9. Old Friends
  10. Illusion & Control
  11. Control and The Urge to Pray

 

Saosin - Along the Shadows (Epitaph, 20.05.2016)
3.3Gesamtwertung