Was hab ich auf diese Platte gewartet!? Bei der Rezi zu „Rolling with the Punches“ war ich schon positiv überrascht von der „neuen“ Nessi. Als ich dann aber die ersten Akustikversionen hörte, war mir sofort wieder klar, warum ich Nessi schon seit ihrer Matze Rossi Akustik Tourzeiten verfolgte und mochte. Also jetzt nicht so Stalkermäßig… ach ihr wisst schon.

Bei den ersten Tönen zur reduzierten Version von „Take me back“ bin ich sofort gefangen und spätestens beim Refrain möchte vermutlich jeder Mensch mit Herz hingehen und Nessi in den Arm nehmen. Einfach mal drücken und danke sagen. Unfassbar viel Gefühl. Eine Stimme zum Niederknien und dann diese eingängige Melodie.

Aufgenommen wurde die neue Fassung der Songs mit ihrer Band in den großartigen Hansa Studios in vier Tagen und Nächten. Und was dabei rausgekommen ist, ist unfassbar intim. Echt. Und schön. Auch in „Rolling with the Punches“ geht es genauso weiter. Es funktioniert einfach. Vor allem mit der wunderbaren Stimme von Nessi wird jeder Song nochmal neu erfunden und aus dem Elektropop vom „Ur-Album“ wird eine eingängige Akustikpopnummer mit Fußwackel- und Lächelgarantie.

„Throw your Arms around me“ macht dann auch wieder genau das! Warme Songwriterstrukturen die dich in den Arm nehmen, dir über den Kopf streicheln  und sagen: „Alles wird gut!“. Dabei wirkt nichts aufgesetzt oder unecht. Ich erkläre mir dieses bestimmte Nessifeeling einfach mit dem Background. Gemeinsame Konzerte mit Matze Rossi und Joey Cape sprechen Herzmenschtechnisch eine deutliche Sprache. Zumindest für Fans und Freunde wie mich.

Immer wieder fragt man sich sicherlich „Warum nicht gleich so?“. Aber welchem Künstler sollte man es vorwerfen, wenn er sich weiterentwickelt? Wenn man nicht gerade in der Teeniephase zwischen „Ey, mach das jetzt so oder so, sonst bist du nicht Punk“ und „Nee, is mir nicht Underground genug“ steckt, sollte das auf der Hand liegen. So sehr ich auf die Songwriter-Nessi steht, gibt es von mir eine virtuelle Ghetto-Faust auf das was sie heute macht. Großartig!

Mit „Heart of Gold“ gibt es übrigens das folkige Songwriterstück, was ich nicht nur schön finde, sondern was ich hoffentlich auch mal im leichten Bierdunst am Tresen meines Vertrauens mitsingen werde. Dabei kommt es aber nicht so rüber, als würde hier Jemand auf den Folkpunksongwriterzug aufspringen wollen, sondern das ist einfach weiterhin genau der Nessisound, den ich gerade so feier. Der Refrain sitzt jetzt schon irgendwo zwischen Herz und Leber fest und wird vermutlich auch nicht so schnell verschwinden. Danke dafür!

Mit „You got the Love“ (Florence & The Machine), „Time After Time“ (Cindy Lauper) und „Cant feel my Face“ ( The Weeknd) gibt es zum Ende auch noch drei Cover, die großartig vorgetragen sind, aber nicht ganz meine Wahl gewesen wären. Aber Schwamm drüber. Solange die eigenen Songs so großartig sind, sind mir die Cover herzlich egal.

 

Insgesamt hat die gute Nessi uns hier also 13 Songs mitbracht, die jedes Herz zum Schmelzen und zusätzlich jeden Fuß zum Wippen bringen dürften. Absolute Kaufempfehlung von meiner Seite! Danke Nessi!

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  1. Take me back
  2. Rolling with the Punches
  3. Throw your arms around me
  4. And i fall
  5. Paperboats
  6. Run
  7. Wide Eyed
  8. Heart of Gold
  9. Never Enough
  10. Brush you off
  11. You got the love
  12. Time after Time
  13. Cant feel my Face

 

Nessi - Rolling with the Punches Acoustic Session (Motor Entertainment, 19.02.2016)
4.8Gesamtwertung