Wer kennt ihn nicht, den (ehemaligen) Schinkengott Glenn Danzig. Als Frontmann der Misfits und Samhain erlangte er schon Legendenstatus, mit seiner Soloband legte er einige Klassiker des Düsterrocks vor. Die Strahlkraft der ersten Danzig-Alben hat er zwar nie mehr erreicht, aber mit der letzten Langrille „Deth Red Sobaoth“ hatte er zumindest etwas Boden gut gemacht.

Jetzt hat der Mann mit seiner Band ein Coveralbum aufgenommen. Kann man machen, muss man aber nicht. Eine neue Studioplätte wäre seinen Fans vielleicht lieber gewesen. Auf „Skeletons“ huldigt er seinen Einflüssen. Elivs und Black Sabbath müssen dabei sein, ganz klar. Aerosmith und die ZZ-Top-Bärte sind auch nicht ganz unerwartet. Danach wird es aber etwas obskur. Die Troggs griff man sich, auch die Everly Brothers. Aber Gruppen wie The Litter oder die Surfband Davie Allen & The Arrows dürfte wohl keiner mehr kennen.

Das ist dann der Punkt, an dem die Sache spannend wird. Die Songzusammenstellung macht nämlich wirklich was her. Stellt sich nur die Frage: Wie präsentiert Danzigs Band das Ganze? Wie man es sich vorstellt: Man riss die Songs an sich und drückte sie (soweit möglich) in ein Danzig’sches Düsterrock-Korsett. Glenn selbst legt eine astreiche Performance an den Tag und viel Herzblut in die Songs, so dass man merkt, dass es Titel sind, die ihm etwas bedeuten. Egal ob es die bluesige Ballade „Rough Boy“ (ZZ Top), der lässige Rock’n’Roll „Devil’s Angels“ (Davie Allen & The Arrows) oder gar der durch A-Ha pervertierte Schmachtfetzen „Crying in the rain“ (The Everly Brothers) ist.

Das größte Problem an der Sache: Band und Sound. Gerade das quietschende, auf modern getrimmte (oder halt absolut typische) Gitarrenspiel von Prong-Boss Tommy Victor sowie das gerade nach vorne hämmernde, gefühllose Schlagzeug von Johnny Kelly klingen oft so, als hätte die Band absolut keinen Bock auf den Scheiß und sie knüppeln halt so vor sich hin. Die Aufnahmen selbst sind unterirdisch. Absolut dumpf und garagenmäßig. Dagegen klang das letzte Studioalbum glatt wie Gold. Man höre nur Elvis‘ „Let yourself go“. Fast unerträglich.

Welches Fazit soll man also ziehen? Die Songauswahl ist gut, dafür sind die Titel lieblos eingespielt. Der Klang ist unterdurchschnittlich, dafür agiert Glenn Danzig mit viel Leidenschaft. Herrje, irgendwie schon schade…

Danzig - Skeletons

Trackliste:
1. Devil’s Angels (Davie Allen & The Arrows)
2. Satan (From Satan’s Sadist) (Paul Wibier)
3. Let Yourself Go (Elvis Presley)
4. N.I.B. (Black Sabbath)
5. Lord Of The Thighs (Aerosmith)
6. Action Woman (The Litter)
7. Rough Boy (ZZ Top)
8. With A Girl Like You (The Troggs)
9. Find Somebody (The Young Rascals)
10. Crying In The Rain (The Everly Brothers)

Danzig - Skeletons (AFM Records, 27.11.2015)
2.5Gesamtwertung