… und dann sind da diese Momente wo man urplötzlich merkt, dass man etwas wichtiges vergessen hat – sei es den Herd oder das Bügeleisen auszumachen, einen neue Kiste Bier oder Brot zu kaufen… oder wie in diesem Fall die Rezension für das neue Lyvten Album zu schreiben, welches ja bereits vor zwei Monaten herausgekommen ist.

Asche auf mein Haupt… ich bekenne mich schuldig – und gelobe natürlich Besserung!

Somit habe ich keinen „Bausatzkummer“ – so heißt nämlich die neue Scheibe der Züricher Post-Punks – sondern vielmehr habe ich mit Hinblick auf die elf geilen Songs wohl eher ein schlechtes Gewissen… aber Schwamm drüber, ich verzeihe mir schnell mal selbst und lege direkt mit meiner Meinung zu dem Silberling los.

Und die ist ausgesprochen positiv, wenn ich hier mal frei von Superlativen schreiben möchte – mit dem alleinigen Hinweis, dass man das Album auf jeden Fall in seinem Besitz haben sollte lasst ihr euch ja sowieso nicht abspeisen… daher noch kurz ein Blick in die Tiefe.

Also Hommage an die schweizerische Heimat der vier Jungs kann man möglicherweise das Cover der CD werten, denn so wie es aussieht hat hier der Ziegenpeter eine kleine optische Gastrolle für sich verbuchen können. Darüber hinaus würde ich Lyvten aber eigentlich nicht in der Alpenrepublik verorten und sie geographisch bzw. musikalisch eher in der Nähe von Bands wie Fjort oder Lygo einordnen wollen – so kann man sich halt immer mal wieder vertun.

Bleib so anders“ kommt noch als sanfter Opener, aber im Laufe des Albums wird hier viel Wert auf eine Mischung aus druckvollen, aber auch entspannteren Nummern gelegt… schon „Alles Asche“ zieht die Zügel merkbar an. Ein wenig elektronisch wollen die Jungs „Nur das Beste“, nämlichen allen Eltern die damals ihren Kids erziehungsmäßig das Leben zur Hölle gemacht haben, mal gehörig auf die Finger klopfen – jetzt mal ehrlich, sind wir nicht trotzdem die geworden, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben 😉

Drei feine Songs und dreimal den Daumen nach oben… ich würde mal sagen, läuft für die Jungs!

Meine Herren, das geht ja genauso weiter! „Politur und feine Sitten“ heißt die nächste Nummer zwar, aber die feinen Sitten suche ich vergebens… oder kann mir mal einer sagen, warum die Jungs mich die ganze Zeit anbrüllen?

Auch wenn „Forever wir“ oder „Meins‘ Todnach“ mich nicht ganz überzeugen, so freue ich mich direkt darüber, dass „Globus Headfirst“ auf mehr Tempo drängt und auch „Hail Kristallin“ nicht auf die Bremse tritt… besonders gefällt mir hier in den letzten beiden Nummern das Spiel mit der Stimme und den Texten – gewollt schräg und rigoros gegen das „alles muss sich reimen“ Schema… das kann sich hören lassen!

Vielleicht ja als „Echo“, für welches die Schweizer niemand geringeren als Aydo Abay gewinnen konnten – schick getragen und mit Tiefgang… beinahe die beste Nummer auf „Bausatzkummer“.

Aber für mich hat „Nagel und Metall“ dieses Prädikat verdient – hier ist alles ruppig, aggressiv und mit genau dem Druck, den ich mir vielleicht sogar für das gesamte Album durchgehend gewünscht hätte… und die schräge Melodie erst!

Mit ordentlichem Wumms geht es mit „Lasciare“ dann zu Ende!

Was soll ich sagen?… so tiefgründig und melancholisch wie Lyvten uns hier eine Nummer nach der anderen um die Ohren hauen, was soll man da bitte noch lange meckern – hier passt eigentlich alles gut zusammen… auch wenn die Texte manchmal (wohl gewollt) ein wenig über die Melodien holpern.

Also ich würde mir das Album kaufen… das geht übrigens als CD, als LP und natürlich digital!

 

Titel:
1. Bleib so anders
2. Alles Asche
3. Nur das Beste
4. Politur und feine Sitten
5. Forever wir
6. Meins‘ Todnach
7. Globus Headfirst
8. Hail Kristallin
9. Echo
10. Nagel und Metall
11. Lasciare

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Lyvten – Bausatzkummer (Twisted Records, 06.10.2017)
4.6Gesamtwertung