Handwritten ist ein Online-Mag für Musikliebhaber. Wir widmen uns CD-Reviews, Konzertberichten, Interviews und News aus den verschiedenen Musiksparten. In diesem Interview ist es etwas anders. Ich habe mit David von der Life Matters Foundation
ein für Handwritten etwas ungewöhnliches und dennoch sehr passendes Interview geführt.

Warum sehr passend? Unser lieber Sven hat vor einiger Zeit eine Interview-Reihe zum Thema D.I.Y. gestartet. Wem D.I.Y. nichts sagt, die Abkürzung steht für „Do It Yourself.“ D.I.Y. spielt seit jeher eine große Rolle in der Punk- und Hardcore Szene. In unserer Stadt gibt es zuwenig Konzerte – organisieren wir selber welche, uns fehlen Infos über die Szene – schreiben wir ein Fanzine und führen selbst Interviews, wir finden viele aktuelle Bands kacke – lass uns selber Musik machen. Kurz um, sitz nicht nur faul auf deinem Arsch und jammere, sondern mach dein eigenes Ding.
Wie dem auch sei, vor einigen Tagen ging ich bei Instagram online und stolperte über die Seite von der Life Matters Foundation. Okay, sieht interessant aus, was ist das? „Die Life Matters Foundation ist eine Non-Profit-Organisation, die sich mit Krebs und Suizid-Prävention beschäftigt.“ Klar, es gibt für alles unzählige Organisationen, die Spenden sammeln und sich engagieren, aber aus persönlichen Gründen ist diese Kombination etwas, das mich besonders „anspricht“, wenn man das so ausdrücken kann. Ich schrieb ein wenig mit den Jungs und finde sie wirken sehr offen, dazu vermitteln die Fotos eine Nähe zur Punk- und Hardcoreszene. Sehr langer Rede, kurzer Sinn, ich finde das Ganze passt sehr gut in unsere D.I.Y.-Serie und daher geht’s jetzt los mit ein paar Fragen an die Life Matters Foundation.

Klaas: Moin, danke dass du dir die Zeit nimmst. Stell euch doch bitte einmal kurz vor. Wer verbirgt sich hinter der Life Matters Foundation?

David: Ich bin der David, 19 Jahre alt und studiere seit einiger Zeit Pädagogik in München. Life Matters habe ich vor einigen Monaten noch alleine gegründet, mittlerweile würde ich aber sagen, dass wir ein fester Kern aus 4-5 Leuten geworden sind unter denen wir Fotos, Artwork und Infostände aufteilen!

Klaas: Wie bist du auf die Idee gekommen?

David: Ähnlich wie bei dir wurde ich in der Vergangenheit leider auch mit Krebs in der Familie konfrontiert. Anfangs wollte ich in meiner Heimatstadt nur ein Benefizkonzert dazu veranstalten, aber irgendwie hat mich das letztlich dazu gebracht das ganze weiter zu führen, dauerhaft Geld zu sammeln und Infostände zu machen. Das große Thema Depressionen/Suizid Prävention habe ich später mit dazu genommen. Wir nennen unsere Gesellschaft immer so offen und modern aber warum sollte sich dann jemand dafür schämen in eine Therapie zu gehen? Ich dachte, dass man auf Konzerten viele Leute erreicht die vielleicht schon davon betroffen waren, sich aber noch nicht richtig damit auseinandergesetzt haben. Dabei geht’s also hauptsächlich um Gesellschaftliche Aufklärung.

Klaas: In welcher Form hebt ihr euch von anderen Organisationen ab?

David: Ich würde sagen hauptsächlich durch unsere Größe und unser Merch! Es war nie ein Ziel von uns besonders groß zu werden und immer mehr Geld zu sammeln. Eher wollten wir es kleiner und persönlicher halten, damit man auch auf Konzerten das Gefühl hat wir machen das aus reiner Überzeugung und sind keine anonyme, große Organisation, die Leute bezahlt damit sie sich für uns da hinstellen. Die Klamotten sind sehr zentral, weil wir immer wollten, dass man nicht einfach nur spendet, sondern dabei gleich noch was schönes zum anziehen hat! Oft ist mit den Shirts auch eine Message verbunden die man dann repräsentieren kann.

Klaas: Was konntet ihr bisher erreichen, wen konntet ihr wie unterstützen?

David: Wir haben bisher insgesamt etwa 2000 Euro gesammelt. Das klingt vielleicht erstmal nicht viel, für einige Menschen ist das allerdings eine ganze Menge. Einen Anteil davon müssen wir natürlich zurück halten um neues Merch, Sticker und Infomaterial drucken zu können. Der Rest wird an zwei Projekte gespendet die mir selbst sehr am Herzen liegen: Einerseits die Onkologie Station des Rotkreuzkrankenhauses in München zu dem ich eine recht persönliche Verbindung habe und andererseits an ein Projekt das „Die Arche“ heißt, ebenfalls in München. Dort kann man als Betroffener, Angehöriger oder Hinterbliebener Gespräche und Seminare zu Suizid besuchen.

Klaas: Im Zuge dessen muss ich natürlich das Thema Transparenz aufgreifen. Wie schafft ihr diese und wie ist es möglich zu sehen wo seine Spenden hingehen?

David: Transparenz ist bisher noch unser größtes Manko. Wir sind eine Non-Profit Organisation, deswegen soll selbstverständlich auch jeder sehen wo jeder einzelne Euro seiner Spenden hin kommt. Wir arbeiten gerade an einer Website auf der, sobald sie online ist eine detaillierte Kosten/Spenden Rechnung stehen wird um hundert prozentige Transparenz garantieren zu können!

Klaas: Unsere Interview-Serie steht ja unter dem Claim D.I.Y. – habt ihr weitere Unterstützung oder macht ihr alles selbst?

David: Bisher verzichten wir komplett auf „Fremde“ Unterstützung. Einige Designs die wir nicht selbst entworfen haben, wurden dann von Freunden von uns (meistens komplett umsonst) angefertigt. Wir wollen auch schauen, dass das in Zukunft so bleibt!

Klaas: Ihr seid ja auch mit Info-/Merchständen auf Konzerten unterwegs. Glaubt ihr, dass ihr mit eurem Projekt in der Szene gut aufgehoben seid? Wäre so was wie die Life Matters Foundation auch in anderen Szenen umsetzbar?

David: Mit Sicherheit wäre das ganze auch in anderen Szenen denkbar. Für uns spielt die Hardcore/Punk Szene allerdings eine sehr wichtige Rolle. Wir spielen fast alle selbst in Hardcore Bands und veranstalten ab und zu Shows. Deswegen war es eigentlich auch klar, dass sich das Projekt in der Richtung orientieren soll. Außerdem gibt es glaub ich wenig Szenen wo die Leute so offen auf einen zu gehen und so unvoreingenommen mit solchen Themen umgehen!

Klaas: Was sind eure Ziele für die Zukunft, welche Projekte stehen weiter an?

David: Hauptsächlich versuchen wir weiter so viele Infostände zu machen wie möglich! Da wir jetzt mehr Leute sind wird das auch etwas einfacher. Die beiden Projekte wollen wir auf jeden fall auch weiter führen, wir überlegen allerdings in Zukunft mehr Geld in eigenes Infomaterial zu investieren um eventuell (in ferner Zukunft) auch eigene Programme an Schulen oder Unis starten zu können!

Klaas: Wie kann man euch erreichen, wenn man euch unterstützen möchte?

David: Am besten einfach mal auf Instagram, Facebook oder direkt lifemattersfoundation.bigcartel.com vorbeischauen. Wem die Klamotten nicht gefallen darf auch gerne direkt spenden, wir freuen uns über jeden Euro! Ansonsten einfach mal eine Mail oder Nachricht schreiben oder bei einem Konzert Hallo sagen.

Klaas: Ich danke euch, dass wir die Möglichkeit für dieses Interview hatten.