Punk in Drublic Köln is Soul Doubt. Mit diesen zwei Wortspielen in einem kündigten NOFX bereits im März an, dass das Punk in Drublic Music and Craft Beer Festival, wie es offiziell heißt, ausverkauft ist. Ersteres Wortspiel bezieht sich auf das legendäre Album der vier Punkveteranen aus dem Jahre 1994, zweiteres auf einen Song der „White Trash, Two Heebs and a Bean“, zwei Jahre zuvor.

Beides sollte sich bewahrheiten. Punk hatte das Line-Up des Ein-Tages-Festivals auf dem Gelände des Tanzbrunnens in Köln wirklich zu bieten. The Bombpops, Less Than Jake, Anti-Flag, Lagwagon, Bad Religion und NOFX lassen, in dieser Spielreihenfolge, wahrlich wenig Wünsche offen und (Alt-)Punkrocker-Herzen höher schlagen.

So auch meins. Wären da nicht einige kleine Probleme, die die Veranstaltung durchaus problematisch erscheinen lassen. Ausverkauft bedeutet nämlich wirklich brechend voll. Soweit, so gut, je mehr alte Punkrocker hier zusammen feiern, desto besser, in der Tat. So zerquetscht, zerdrückt, umhergeschubst und hilflos, habe ich mich in einem Moshpit das letzte Mal in Teenagerjahren gefühlt. Vielleicht auch, weil ich seitdem Moshpits eher gemieden habe. Aber hey, diese Jugenderinnerung funktioniert schonmal hervorragend.

Das nächste, was super funktioniert, ist die Disziplin der Bands. Man merkt, wie der gesamte Timetable minutiös durchgeplant ist und auch funktioniert. Als The Bombpops ihren letzten Song spielen wollen, stellt sich heraus, dass wir ein wenig im Verzug sind und das junge Quartett wird stante pede von der Bühne gepfiffen. Die zwei Mädels und zwei Jungs fügen sich sofort, man möchte den alteingesessenen Punkrock-Eliten schließlich nicht auf den Schlips treten. Oder vielleicht dem Tanzbrunnen. Denn der muss um 22 Uhr schließen. Ruhestörung wegen Open-Air und so. Wir sind hier immer noch in Deutschland.

Genau das ist dann eine der Krux(en?). Es ist prima, dass alles auf der Bühne so nahtlos funktioniert. Change-Overs laufen fix und die Bands halten sich an ihre Spielzeiten. Jedoch komme ich nicht umher, das Gefühl zu haben, dass hier eine Horde Stiere durch ein spanisches Dorf getrieben wird. Auf Kosten des Sounds, logischerweise, zumindest bei den ersten drei Kapellen. Während man bei den Bombpops hauptsächlich nur Bass und eine der beiden Sängerinnen hört, ist man bei Less Than Jake froh, gegen Ende des Sets dann einmal alle Instrumente gehört zu haben, wohingegen Anti-Flag dann super zu hören sind, jedoch wie ein blechernder Schwarm Bienen klingen.

Dass bei so einem straffen Zeitplan Abstriche gemacht werden (müssen), ist irgendwo klar. So Stakkato-artig wie die Punks hier durch die Manege laufen, bleiben gewisse Dinge auf der Strecke. Den Tonmenschen ist an dieser Stelle auch nicht wirklich ein Vorwurf zu machen. Ich kann mir vorstellen, dass gerade ihr Job auf dieser Veranstaltung verflucht stressig ausfällt.

Schade ist jedoch auch, dass entweder die Veranstalter oder aber die Verantwortlichen vom Tanzbrunnen sich nicht wirklich darüber im Klaren gewesen sein dürften, welche Konsequenzen das Ausverkauft mit sich bringen würde. Denn die schiere Masse an Menschen verteilt sich auf dem Gelände nicht wirklich gut. Alle wollen, verständlicherweise, möglichst alle Bands sehen, möglichst schnell viel Bier trinken, das dann auf den Toiletten wieder loswerden und möglichst schnell auch etwas essen. Das war irgendwo vorhersehbar. Leider reicht die Versorgung häufig nicht aus. Zu wenig Bier- und Essensstände für zu viele Besucher.

Hinzu kommt noch, dass die Arbeitskräfte in den Bierständen heillos überfordert mit der Trinkwut der Punks zu sein scheinen. Und so laufe ich irgendwann in die Falle, zu viel auf einmal erledigen zu wollen. Dringend auf die Toilette, schnell etwas essen, um nicht vom Fleische zu fallen und gern auch ein neues Bier. Diese drei Erledigungen kosten mich fast zwei Stunden, in denen ich das gesamte Set von Lagwagon verpasse, und es gerade rechtzeitig zu Bad Religion zurück in Bühnennähe schaffe. Slapstick, wenn man bedenkt, dass das Gelände des Tanzbrunnens keine gigantischen Ausmaße hat und man theoretisch schnell von A nach B kommt.

Am Ende des Tages bleibt der bittere Beigeschmack, dass eine derartig überfüllte Veranstaltung schnell in Freizeitstress ausartet. Auch meine Reisegruppe klagt über extrem langes Anstehen bei den (zu wenigen) Toiletten und Wartezeiten am Bierstand von bis zu 40 Minuten bei gigantischen Schlangen.

Wo aber soll man am Ende des Tages mit dem Finger hinzeigen? Es ist nicht so, dass sich hier niemand Mühe gegeben hätte. Kudos an die Band- und Stage-Crews, die Soundmenschen, alle Essensstandbetreiber und Bierausschenker_innen. Hier hat jeder rotiert, der Stress auf die Stirn eines jeden einzelnen geschrieben. Das Problem, so beschleicht es mich jedenfalls, liegt in der Planung und der Tatsache, dass es die strenge 22 Uhr-Curfew gibt, die eine viel zu große Masse an Menschen durch ein Entertainment-Nadelöhr zwingt.

Am Ende ist das schade, denn das Festival hat so viel Potential, die Kombination an, und die Bands für sich, sind fantastisch und liefern ab. Das Publikum hat Lust und viele Jugenderinnerungen sind sofort geweckt. Vielleicht schult man beim nächsten Mal das Personal noch weiter in Richtung Rauch-auf-der-Kette, fängt eine Stunde früher an, stellt ein paar mehr Dixies zusätzlich auf, lässt noch ein paar mehr Essensbudenbetreiber auf das Gelände und verkauft ein paar Karten weniger.

Dann führt die Punkshow nicht zum Gefühl, Teil eines gigantischen Konsumzirkus‘ zu sein, sondern wirklich einfach nur die gute alte Punkrockzeit des vergangenen Jahrhunderts zu zelebrieren. Denn damit würde man mich doch am Ende immer wieder kriegen.