Zahn – Adria (Crazysane Records, 24.11.2023)

Vor zwei Jahren hatte das Berliner Trio Zahn sein neckisches, kleines Debütalbum veröffentlicht. Bei „Adria“ ist aber nichts mehr klein. Das Doppelalbum bietet schließlich geschlagene 80 Minuten rein instrumentaler Musik. Elf (nicht selten) groß angelegte Stücke, bei denen das Trio seinem Experimentierwillen freien Lauf ließ.

So hat man sich Instrumentarium deutlich erweitert und agiert nicht mehr nur mit Bass, Gitarre und Schlagzeug. Es durften ein paar Gitarreneffektgeräte mehr sein und zudem nehmen immer wieder Synthesizer-Sound einen gewaltigen Raum ein. Das sorgt dafür, dass „Adria“ eine recht spannende Sache geworden ist. Irgendwo zwischen Post-Irgendwas-, Kraut- und einfach packendem, riffgetriebenen Instrumentalrock.

Die Eröffnung „Zebra“ ist schon mal ein Vorgeschmack darauf, dass es hier etwas anders als beim ersten Anlauf zugehen könnte. Der tief grollende Bass wird alsbald von perlenden Synthie-Klängen begleitet und man rutscht zusehends immer mehr in eine elektronisch wirkenden Bereich hinein, was kein Einzelfall auf „Adria“ ist. Wenn später dann noch stoische Drum-Patterns dazukommen, denkt man doch irgendwie an Neu! und Konsorten. Oder an schräge Filme mit 80er-Flair.

Im Herzen sind Zahn aber nach wie vor eindeutig eine Rockband. Eine die hier aber verstärkt mit starken Stimmungen spielt und nicht einfach nur straight nach vorne geht, auch wenn man diese Disziplin nach wir vor bestens beherrscht. Nur ist das dieses Mal einfach nur eine weitere Schattierung, denn im Mittelpunkt stehen ausgedehnte, reichhaltige Stücke wie „Schmuck“, „Yuccatan 3E“ oder „Faser“, die mit den verschiedenen Klangfarben spielen und vom wahnsinnig dynamischen Zusammenspiel der drei Herren leben.

Dabei lässt man sich auch immer wieder kleinen Experimenten hinreißen, welchen mit „Idylle“ in einer schon fast darkjazzigen Nummer (inklusive Saxophon!) gipfelt. So geht diese Reise recht stimmungsvoll zu Ende, wenn an der Adria die Sonne am abgeranzten Pool untergeht. Wieder zu Hause ist dieses Doppelalbum dann das Äquivalent zur vergilbten Postkarte aus fernen Landen, die einen wehmütig an einen Urlaub voller toller, aber auch reichlich abseitiger Erinnerungen denken lässt.

 

Trackliste:
1. Zebra
2. Zehn
3. Schmuck
4. Apricot
5. Faser
6. Tabak
7. Yuccatan 3E
8. Amaranth
9. Velour
10. Kotomoto
11. Idylle

 

 

Photo-Credit: Lupus Lindemann

 

4.3