Hinter dem interessanten Namen Yndi Halda verbirgt sich eine fünfköpfige Postrockband aus dem Süden Englands. Die Briten veröffentlichen mit „Under Summer“ nach 8 Jahren Wartezeit ihr neues Album auf Big Scary Monsters. Die Band gibt es schon seit rund 15 Jahren und gehen daher nicht mehr wirklich als Newcomer durch.

Das wird beim Hören auch schnell deutlich. Hervorragende Produktion, orchestrale Arrangements und zeitintensive Kompositionen. Das Quintett weiß, was es tut. Vier Dateien finden sich in meinem Ordner, was mich zuerst auf eine EP schließen lässt. Doch kaum habe ich alles markiert, um es in einen Player zu laden, berichtet mir der Explorer von einer knappen Stunde Spielzeit. Also doch ein Album, sehr schön. In diesem Zusammenhang von Songs zu sprechen ist ein wenig schwierig, ich würde an dieser Stelle also lieber von 4 Stücken sprechen, die mit einer recht langen Spielzeit von bis zu 18 Minuten aufwarten. Solche Zeitspannen sind aber auch unter  Genretitanen wie Sigur Rós, MONO, Godspeed! You Black Emperor oder Mogwai durchaus Konsens.

Der Opener „Together Those Leaves“ ist mit einer Dauer von 10 Minuten das kürzeste Stück auf „Under Summer“, der Rest pendelt sich zwischen den 10 und 18 Minuten ein. Das verlangt dem Zuhörer eine Menge Aufmerksamkeit und natürlich auch Geduld ab. Aber die fünf Jungs aus Südengland wissen diese langen Spielzeiten mit Inhalt zu füllen: Yndi Halda setzen innerhalb der Stücke auf Abwechslung.

Mein Eindruck während der ersten Minuten des Openers, der mir vor allen Dingen einen unglaublich voluminösen Bass präsentiert, muss ich nach kurzer Zeit wieder revidieren. Die Mutmaßung, es könnte sich bei dieser Platte um einen ähnlichen, progrockigen, gitarrenlastigen Ansatz wie bei den irischen Kollegen von God Is An Astronaut handeln, trifft höchstens auf vereinzelte Stellen zu. Spätestens beim Einsatz der majestätischen Streicher wird der orchestrale Charakter des Quintetts, der mich prompt an die Japaner von Anoice erinnert, deutlich. Mit dem Unterschied, dass Yndi Halda keine ausschließlich instrumentalen Stücke spielen. Gleich zu Anfang dringt eine verträumte Stimme aus dem Kopfhörer. Ähnlich aber wie bei den  schwedischen Genrekollegen von EF, wird Gesang nur sporadisch eingesetzt. Als Element der Vielfalt.

Im weiteren Verlauf von „Together Those Leaves“ rekurriert er in Chorform über ein verträumtes Piano à la Sigur Rós, um im Folgenden von einem Spannungsbogen, der von Gitarrenflächen und Streichern gleichermaßen aufgebaut wird, abgelöst zu werden. Darunter ruht beharrlich ein gemäßigtes, präzises, räumlich klingendes Schlagzeug und erinnert ebenfalls an Sigur Rós oder auch Mogwai.

In den folgenden Stücken wird aber auch immer wieder die Bedeutung der Streichersektion unterstrichen. Ob begleitend gezupft, Stakkato artig zum Aufbauen von Spannungsbögen oder solistisch mit viel Vibrato gestrichen: Geigen sind ein wichtiger Bestandteil des Sounds der Briten. Dabei erinnert der Streichersound weniger an die wunderbar schmerzverzerrten, reverberierenden, desperaten Violinpassagen der kanadischen Verwandten von Godspeed! You Black Emperor oder deren Ableger A Silver Mt. Zion, sondern vielmehr an die versöhnlicheren, harmonischen Streichersätze der japanischen New Classical-Koryphäen von Anoice.

Weitere Elemente sind verträumte Indie- und Dreampop-Passagen, bis hin zu folkig angehauchten Momenten. Besonders das Balladesque „Helena“ erinnert streckenweise an Slowcore-Vertreter wie die norwegischen The White Birch. Ist man einmal in der Weite der vier Stücke gefangen, fallen diese Soundwanderungen aber gar nicht so sehr auf.

Yndi Halda kombinieren viele Elemente bekannter Genregrößen und verweben diese auf geschickte Weise zu einer kurzweiligen, hervorragend komponierten und produzierten Platte. Dabei klingen sie verträumt, harmonisch, öfter optimistisch denn verzweifelt, episch, zurückhaltend, authentisch, aber vor allen Dingen abwechslungsreich. Warum dem Quintett nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu Teil wird ist merkwürdig und wird sich mit diesem Release hoffentlich ändern.

Yndi Halda - Under Summer (Big Scary Monsters / Alive, 04.03.2016)
4.8Gesamtwertung