Irgendwann kam ein mir völlig unbekannter Bandname im Emailpostfach an. Yellowknife. Das ist jetzt ziemlich genau drei Jahre her und nach dem großartigen Coming-of-Age-Album „Wooden Future“ ist viel passiert bei dem Neu-Hamburger.

Ist Tobi Mösch mit den „Wooden Future“ Songs erwachsen geworden, scheint er mit „Retain“ angekommen. Musikalisch und persönlich. Wir haben hier also 10 Songs über das Festhalten von Dingen. Über das „live your heart and never follow“ im Leben. Es gibt Dinge die schieben sich immer weiter nach vorne. Andere werden verdrängt und schnell aus den Augen verloren. Persönliche Beziehungen, Leidenschaften und Lebenseinstellungen.

Dass der Yellowknife-Kopf Tobi Mösch ein Typ ist der sich Gedanken macht, konnte ich mittlerweile bei der einen oder anderen Begegnung feststellen. Dabei aber nie verbissen oder verbohrt, spiegelt sich seine Persönlichkeit krass in Songs wie „In Basements“ oder „The Twist“ wieder.

Auch, dass die Band mittlerweile mit Carsten Thumm am Bass und Christoph Nolte zum Trio geworden ist, passt wie die Faust aufs Indieauge. Man hört ein harmonierendes Zusammspiel von drei Typen, die einiges zu erzählen haben und dafür ihre ganz eigene Handschrift mitbringen. Ein bisschen 90er. Ein bisschen Indierock und eine ganze Menge Atmosphäre. Die gewohnt unaufdringliche Stimme von Tobi schmeichelt den Songs mehr, als das sie sie dominiert.

 

Foto: Sebastian Igel

 

 

Der Herbst steht vor der Tür und mit „Retain“ kommt ein Album das genauer unter die Lupe genommen werden will. Ein Album für das man sich Zeit nimmt und das man beim Herbststurm vor der Tür mit Kaffee in der Hand auflegt und das einen dann an die Hand nimmt. Man lässt erzählen von Autofahrten durch die Nacht, vom Nacheifern, vom Festhalten und von Zielen die man nicht aus den Augen verliert. Dabei wirkt „Retain“ nie wie der Oberlehrer oder zieht dich runter. Es erzählt dir von sich selbst und nimmt dich danach in den Arm. „Mach daraus was das Beste für dich ist“ scheint Tobi Mösch zu sagen. Und genau das würde er vermutlich wirklich.

Irgendwo zwischen Indierock und atmosphärischem Pop, der hier und da seinen Kopf durch die Wolken steckt, spielt „Retain“ mit seinen Songs.

 

 

 

 

Mir bleibt am Ende nur der Eindruck von einer Band Yellowknife, die als Einheit 1A funktioniert, unaufdringlich unterhält und dabei noch große Texte unscheinbar verpackt mitbringt. Indie wie er 2018 klingen sollte! Absolute Kaufempfehlung!

 

 

 

 

 

 

  1. Don’t You Ever Arrive
  2. Second Hand
  3. In Basements
  4. Shaky Knees
  5. The Twist
  6. Pelicans
  7. Travels
  8. Whispers In The Dark
  9. Over The Treetops
  10. A Saturday

 

 

 

Fotos: Sebastian Igel

Yellowknife - Retain (Grand Hotel Van Cleef, 21.09.2018)
5.0Gesamtwertung