Progressive Metal aus Kalifornien? Da klingelt es natürlich gleich volle Kanne bei mir. Ja, die Obergötter Psychotic Waltz kommen aus diesem musikalischen Bermudadreieck, Witherfall eben auch. Klingt dieser Progfünfer auch nur annähernd so gut wie die Psychotischen, wäre ich schon zufrieden.

Was mich hier aber überrollt hätte ich niemals für möglich gehalten. Gekleidet in einer fetten, transparenten Produktion kommt nach kurzem Introsong „A prelude to sorrow“ eine 11:12-minütige Progdampfwalze, wie ich sie ewig nicht gehört habe. Diese unfassbar fetten Gitarren hauen gleich mal alles weg was momentan in diesem Sektor unterwegs ist. Alter Schwede…

Dann diese Vocals, ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Von aggro kreischig, über jammernd, schreiend bis klar und hell wird die ganze Range von Sangesgott Joseph Michael mal eben locker rausgehauen. Das hat mich seit Buddy Lackey nicht mehr so beeindruckt. Die akustischen Momente wie in „Maridian’s Visitation“, „The Call“ suchen ihresgleichen in Sachen  Gefühl und Darbietung. „Vintage“ ist der epische Rausschmeißer wie er im Buche steht.

Es ist unmöglich hier einen Song herauszupicken, da jeder einzelne unfassbar gut strukturiert, aufgebaut und gespielt ist. Immer wieder werden balladeske Pickings eingebaut um den Spannungsbogen zu halten. Manchmal kommt der Gesang sogar in Geoff-Tate oder Warrel-Dane-Sphären, wenn er jammernd singt – und er ist keinen Deut schwächer. M E G A!! Die Gitarrenarbeit ist von einem anderen Stern, unfassbar was die Jungs da auf ihren Instrumenten anstellen.

Happy ist hier garnichts – alles unter dem Mantel der Melancholie, wirkt die düstere Stimmung der Wut und Trauer in einem Malstrom aus Aggression ond Hass. Wer denkt diese Platte könnte zu komplex oder verkopft sein, der irrt total. Hier ist genügend Power und Banging-Material für den Schwermetall-Liebhaber. Diese Riffs… diese Soli… Alter…

Es kommt selten vor, dass ich sprachlos bin, aber die Platte ist jetzt schon das Album des Jahres. So geht Songwriting und Produktion. Bei Witherfall ist einfach alles drin: Power, Aggression, Gefühl, Melancholie, Herzblut, Technik, Sound…

Jeder der Sanctuary, alte Queensryche, Crimson Glory und Co. liebt, liegt hier eh richtig.

Ich muss die noch weiter wirken lassen, Witherfall machen süchtig und ich bin schon abhängig – einfach nur geil!

Wer hier nicht zuschlägt, hat den Metal nie geliebt.

 

WITHERFALL – A Prelude To Sorrow (56:28)
1. A Prelude To Sorrow (1:27)
2. We Are Nothing (11:12)
3. Moment Of Silence (6:55)
4. Communion Of The Wicked (6:40)
5. Maridian’s Visitation (3:15)
6. Shadows (7:08)
7. Ode To Despair (3:49)
8. The Call (2:11)
9. Vintage (11:05)
10. Epilogue (2:47)

 

WITHERFALL sind:
Anthony Crawford – Bass
Jake Dreyer – Guitars
Joseph Michael – Vocals/Keyboards
Fili Bibiano – Guitar
Steve Bolognese- Drums

 

Witherfall – A Prelude To Sorrow (Century Media Records, 02.11.2018)
5.0Gesamtwertung