Fast schon still und heimlich hat man mir hier das Album der amerikanischen Band White Reaper untergejubelt. White Reaper – nie gehört? Na, ich auch nicht. Schau ’mer halt mal!

Laut Band ist das halbstündige Album „eine Sammlung eleganter, scharfsinniger Songs über Zweifel, Entwurzelung und flüchtige, oftmals komplizierte Liebe“. So klingen die zehn Songs aber gar nicht. Sondern White Reaper scheinen mit ihrem Powerpop das Erbe von Cheap Trick antreten zu wollen. Zwar geht ihnen das Spitzbübische des Originals etwas ab, aber ansonsten liebt man es einfach kurze, knackige und äußerst eingängige Nummern zu schreiben, in denen nach drei Minuten alles gesagt ist.

So treffen auf „You Deserve Love“ Garagen- und Glamrock auf eine Wagenladung zeitgemäßen Pop, den man zu einer großen klanglichen Party verrührt. Kleine Melodien, große Refrains, Handclaps, teils scharfe Gitarren, auch mal ein funky-souliger Groove, Synthie- und Keyboard-Geklimper. Das klingt durchaus mal wie die Killers im Bubblegum-Format und erinnert von der Lockerheit auch mal an die frühen Alben der Arkells.

Hier tut nichts wirklich weh und trotzdem hat man irgendwie seinen Spaß daran, was vor allem an der unbeschwerten Herangehensweise der Band liegen dürfte. Denn richtig große Kunst ist das jetzt nicht. Aber gutes Songwriting-Handwerk, das immer wieder gute Songs abwirft. Und Anspieltipps erübrigen sich irgendwie, denn alle Nummern bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau.

Eigentlich kommt das Ding mit seinem sonnigen Gemüt etwas zu spät, denn es hätte sich zu einer schönen Sommernummer entwickeln können. So vertreibt man halt einfach mal den dicken Herbstnebel ein wenig.

 

Trackliste:
1. Headwind
2. Real Long Time
3. Saturday
4. 1F
5. Hard Luck
6. Raw
7. Might Be Right
8. Eggplant
9. Ring
10. You Deserve Love

 

White Reaper - You Deserve Love (Elektra/Warner Music, 18.10.2019)
4.0Gesamtwertung