Der Weiherer Christoph ist kantig und derb. Nicht selten eine ziemlicher Querkopf, ein Haudrauf, aber stets heimatverbunden und für ein bewusstes und respektvolles Leben mahnend. Der bayerische Liedermacher hat bisher ganz traditionell seine Lieder unters Volk gebracht: solo, lediglich mit Akustikgitarre bewaffnet, mit viel Engagement und nicht selten mit richtig ehrlicher Wut, gab er seine im Dialekt geschriebenen, kritischen Texte zum besten. Das hat was vom jungen, aufgebrachten Hans Söllner – nur ohne Marihuana. Als „langhaariger Liederbombenleger“ hat man ihn einst bezeichnet.

Das ist jetzt ein wenig anders. Unter der Führung von Produzent und Musiker Andreas Dombert (u.a. Claudia Koreck) hat er mittlerweile eine vierköpfige Band um sich geschart. Eine keineswegs ernst gemeinte Hommage an Weiherers „Lieblings“-CSU’ler Alexander Dobrindt? Und hiermit hält eine gewisse Geschmeidigkeit und Leichtigkeit in die Musik des Weiherers Einzug, die man bisher vielleicht ein wenig vermisste, wenn es wieder etwas zu verbissen wirkte. Die Dobrindts unterstützen den bisher als absoluten Self-made-Man bekannten Niederbayern hervorragend, sie federn ihn ab wo es sein muss und schieben ihn noch etwas an, wenn er das braucht.

„Best of Greatest Hits“ ist die erste gemeinsame CD. Darauf zu hören: viele bekannte Weiherer-Songs im neuen Gewand. Somit durchaus eine Art Neustart. Ein Neustart mit äußerst positivem Ausgang. Musikalisch zudem noch relativ vielfältig. Mal tanzbar mit Balkan-Anleihen, dann karibisch angehaucht, mit viel Country-Flair oder auch südamerikanisch, mal laut, mal leise, mal beschwingt, dann wieder äußerst ernsthaft. Doch im Mittelpunkt steht stets die in klaren Worten dargereichte System- und Gesellschaftskritik von Weiherer.

Wenn er von seiner Heimat singt („Is des nur mei Hoamat“), einer abgestumpften, medienverseuchten Welt („Eia Sissdem“) oder dem Zweispalt zwischen Technik und Menschlichkeit („Touchscreen und Berührungsangst“), hört man unweigerlich zu. Doch nicht nur das laute Anklagen steht im Mittelpunkt. Wenn der Mann auch mal gefühlvoll oder heiter reflektiert wie beim nachdenklichen „Des bissal Leb’n“ oder dem schmissigen „Heute-Journal“ ist das sogar noch einnehmender.

Fast scheint es so, als gebe die neue Band dem Mann musikalisch das was er braucht. So kann man „Best of Greatest Hits“ auch Leuten empfehlen, die bisher nichts mit dem Mann anfangen konnten. Sehr gerne auch jenseits des Weißwurstäuquators. Denn klare, wahre Worte werden überall gebraucht!

Weiherer und die Dobrindts - Best of Greatest Hits

Trackliste:
1. I woit (3:37)
2. Is des nur mei Hoamat (4:16)
3. Undda Drugg (3:13)
4. Des bissal Leb’n (4:02)
5. Früher nu ganz anders (3:48)
6. Eia Sissdem (4:47)
7. Scheiße schrein! (4:53)
8. Andersrum (4:36)
9. Und i leb (3:20)
10. Touchscreen und Berührungsangst (4:14)
11. Fuck! (3:28)
12. Heute-Journal (4:33)
13. Ned so schlimm (5:12)

Weiherer und die Dobrindts - Best of Greatest Hits (Focus/BSC Music, 13.11.2015)
4.3Gesamtwertung