Wenn der Metal-Underground so jubelt wie beim Release der Debüt-EP von Vulture vor einem Jahr muss das entweder schlicht was ganz Besonderes sein oder etwas ziemlich authentisch Altmodisches. Bei den Nordrhein-Westfalen trifft vor allem letzteres zu.

„The Guillotine“ klingt wie direkt aus dem Jahr 1985 importiert. Zackiger Speedmetal mit priestigen Wurzeln und nordamerikanischer Thrash-Schlagseite, überdrehter Gesang mit jeder Menge Hall, lässige, zweistimmig gespielte Gitarren, die ein ordentliches Inferno abbrennen und eine gesunde Portion an Wahnwitz. Bei der Mucke der Band standen definitiv Truppen wie Exciter, Razor und Exodus zu Debüt-Zeiten Pate. Das sagt natürlich schon aus, dass Vulture zu 0 % innovativ, dafür aber zu 100 % spaßfördernd sind.

Wenn man das lächerliche 80s-Synth-Intro überstanden hat, geht auf jeden Fall die Luzie ab. Der Sound ist schneidend, aber voller Power und mit vielen Hummeln im Hintern gespielt. Bei den ersten paar Songs bekommt man noch simple Gang-Mitgröl-Refrains zu hören, während man im weiteren Verlauf immer verspielter wird. Trotz der wilden Raserei wirken diese Nummern mit ihren Twin-Leads und -Soli recht durchdacht. Aber wirklich braucht man einzelnen Songs eigentlich gar nicht hervorheben. Sie klingen sowieso alle irgendwie ähnlich. Und wenn man ehrlich ist, auch nicht besonders markant.

Dafür überzeugt man mit jeder Menge Spiellaune und der etwas irren Aura. Der Sound ist angenehm roh und natürlich – ohne getriggerte Drums und digitaler Gleichmacherei. Es kommt eben richtig gut rüber, wie die Band so ist. Das ist wohl auch was das KIT/HOA-Publikum an Vulture so gut findet.

Warum sollten wir uns da jetzt dagegen stellen und die Band nicht auch ein wenig gut finden?

Trackliste:
1. Vendetta
2. Clashing Iron
3. Triumph Of The Guillotine
4. Electric Ecstasy
5. Adrian’s Cradle
6. (This Night Belongs) To The Dead
7. Paraphiliac
8. Cry For Death

Vulture - The Guillotine (High Roller Records, 25.08.2017)
4.0Gesamtwertung