Jetzt kommt die Welle der angekündigten Neu-Veröffentlichungen des Katalogs des ehemaligen deutschen Metal-Labels Noise Records richtig in Schwung. Nach einigen Doppel-Best-Of-CDs und dem Buch über die Geschichte der Firma, sind es nun die Kanadier Voivod, deren alte Alben generalüberholt ihren Weg zurück in die Händlerregale finden.

Neben Vinyl-Versionen kommen „Rrröööaaarrr“ (1986), „Killing Technology“ (1987) und „Dimension Hatröss“ (1988) auch als CD/DVD-Kombis mit üppigem Bonusmaterial daher. Dort findet man das jeweils (unauffällig) remasterte Originalalbum, eine zweite CD mit einem Konzertmitschnitt und eine DVD mit Demo- und Liveaufnahmen sowie diverse Konzertvideos. Dabei liegt auch ein Booklet mit Linernotes rund um die Geschichte der einzelnen Platten. Also durchaus „value for money“.

„Rrröööaaarrr“ war das zweite Album der Frankokanadier und das erste bei Noise, während das Debüt „War & Pain“ auf Metal Blade erschien. Und selten passte ein Albumtitel besser zum Inhalt als hier. Denn das Ding klingt genauso wie es heißt. Endzeitlicher, unbarmherziger Metalsound. Voivod befanden sich damals im Geschwindigkeitsrausch und holzten ihre Songs gnadenlos nach vorne. Das Cyberpunkflair der Band macht sich hier noch primär von textlicher Seite bemerkbar.

Die Musik klingt eher wie ein punkiger Bastard aus Motörhead und Venom, plus ein Hauch von britischem Hardcore-Punk vom Schlage Discharge. Die Songs sind chaotisch und nicht gerade einfach nachvollziehbar. Echt irre, mit was man damals durchkam. Spielerisches Unvermögen wurde zur Tugend. Aber doch war gerade das Markenzeichen der Band, das dissonante Gitarrenspiel des 2005 verstorbenen Denis „Piggy“ D’Amour, schon prächtig ausgeprägt. Die Rhythmusgruppe holpert dafür immer wieder etwas unbeholfen durch die Gegend. Man wollte vielleicht mehr, als man konnte.

Trotzdem ist „Rrröööaaarrr“ ein interessantes Zeitdokument mit kleinen ersten Hits wie „Build Your Weapons“, „Ripping Headaches“ oder „Korgüll The Exterminator“, nachdem sich sogar später selbst eine Band benannte. Aber Vorsicht: keine alltägliche Kost!

Beim Bonusmaterial wird geklotzt. Auf Audio-CD liegt ein komplettes Konzert vom Oktober 1986 bei, das auch einige Songs vom Nachfolger „Killing Technology“ beinhaltet. Der Sound hat allerdings pures Bootleg-Niveau. Dafür kommt die charmante Power von damals gut rüber. Allzu oft auflegen wird man das trotzdem nicht. Die beiliegende DVD bietet mit rund sechseinhalb Stunden Spielzeit noch viel mehr. Als reine Audiodaten zum einen Rough-Mix des Studioalbums, der noch ein weniger räudiger klingt. Daneben frühe Proberaumaufnahmen von 1983 und 84 sowie eine furchtbar klingende Aufnahme des ersten US-Konzerts von 1983, bei dem Voivod noch viele Coverversionen (u.a. Motörhead, Judas Priest, Sweet Savage und Venom) im Programm hatten.

Wer dann immer noch nicht genug hat, kann sich vier komplette Konzerte aus den Jahren 1983 bis 1986 als Video zu Gemüte führen. Allesamt alte VHS-Kameraaufnahmen, die nach heutigen Maßstäben (und auch damals schon) schlimm aussehen und ebenso klingen. Interessant sind sie irgendwie trotzdem und sie runden ein würdiges Paket ab.

CD1:
1. Korgüll the Exterminator
2. Fuck Off and Die
3. Slaughter in a Grave
4. Ripping Headaches
5. Horror
6. Thrashing Rage
7. The Helldriver
8. Build Your Weapons
9. To the Death!

CD2: Spectrum ’86 – ‘No Speed Limit Week-End’; Live at Montreal, October ’86
1. Korgüll the Exterminator
2. Ripping Headaches
3. Blower
4. Fuck Off and Die
5. Tornado
6. Iron Gang
7. War and Pain
8. Warriors of Ice
9. Nuclear War
10. Overreaction
11. The Helldriver
12. Ravenous Medicine
13. Voivod
14. Thrashing Rage

DVD:

– Audio:
Rrröööaaarrr Rough Mix Demo 1985
Anachronism Live 25.06.83 (first show)
Early Rehearsals 1983-1984
Piggy Sound Collage 1980

– Video:
Live, NYC, N.Y., USA – 05/05/86; First U.S. Show
Live, Long Beach, C.A., USA – 06/13/86
Live, Jonquiere High School, QC, Canada, 12/20/84; Morgoth Invasion
Live, Jonquiere Cultural Center QC, Canada, 01/27/84; To the Death!
Slideshows: Artwork (1983 – 1986) + Live & Studio Photos (1985 – 1986)