Irgendwann hat alles ein Ende. Auch, dass die teutonische Metallegende und der einzig wahre Udo – Udo Dirkschneider – sich weiterhin an seiner Vergangenheit mit Accept krallt. Nachdem er seit fast drei Jahrzehnten seine eigene Band U.D.O. am Laufen hat, möchte er eigentlich keine Songs der Solinger Truppe mehr spielen. Irgendwie verständlich, hat der Mann doch genügend eigenes Material. Unter dem Banner Dirkschneider ist er jetzt mit seiner U.D.O.-Band schon einige Monate unterwegs, um das Accept-Erbe zu verabschieden. Zuletzt war er im April im Memmingen zu Gast. Dort wurde auch das Livealbum „Live Back To The Roots“ aufgezeichnet. Hatte man damals das kleinere Kaminwerk mit 900 Leuten ausverkauft, musste es diese Mal schon die fast doppelt so große Stadthalle sein. Ebenfalls ausverkauft. Beste Voraussetzungen also für eine zünftige Metalparty.

Zur Unterstützung hat „uns Udo“ noch zwei weitere Truppen mitgebracht. Den Anfang machten die wiederbelebten Rheinland-Pfälzer Trance. Viel bekam der Rezensent leider nicht mit. Denn der Einlass zog sich ziemlich hin. Dem Vernehmen nach heizten die Heavy-Rocker der bereits anwesenden Meute mit ihrem altmodischen Sound ziemlich ein. Der Jubel war jedenfalls groß, als ich doch endlich in der Halle stand und sich die Band mit dem letzten Song von den Allgäuern verabschiedete.

Was folgen sollte, war US Power Metal vom Feinsten. Zumindest auf dem Papier. Denn irgendwie kickten Vicious Rumors heute nicht so richtig. An was es lag? Gar nicht so einfach zu sagen. Der Einstieg mit den drei Klassikersongs „Digital Dictator“, „Down To The Temple“ und „Hellraiser“ war schon mal fett. Der junge Sänger Nick Hollemann entpuppte sich als gute Wahl der beiden Urgesteine Goeff Thorpe (Gitarre) und Larry Howe (Schlagzeug). Allerdings ging der Truppe aufgrund der fehlenden zweiten Gitarre (Sechssaiter Thaen Rasmussen war dieses Mal nicht dabei) schon ein ganzes Stück Power ab. Und überhaupt wirkte die Band bis auf ihren Frontmann ziemlich routiniert. Dabei war das Publikum guter Laune und feierte die Band trotzdem. Die gute halbe Stunde war jedenfalls zügig vorüber und man hatte das Gefühl Vicious Rumors schon mal besser gesehen zu haben.

Gekommen waren natürlich aber eh alle wegen Herrn Dirkschneider. Nostalgie lag in der Luft, als der Auftritt mit einem vom Band eingespielten Intro und viel Bühnennebel begann. Viele hatten ihre alten Tourshirts aus dem Schrank geholt und der Altersdurchschnitt dürfte durchaus etwas höher gelegen haben. Einige hatten aber auch ihre Kinder mit dabei, um ihnen eine Lehrstunde in Heavy Metal zu geben. Der Einstieg mit „Starlight“ war recht stark, die Band spielfreudig und Udo selbst immer noch hervorragend bei Stimme. Er gab sich auch den ganzen Abend lang keine Blöße. Allerdings brauchte er immer wieder kleine Ruhepausen. Da mussten dann die drei Herren an den Saiteninstrumenten in die Bresche springen und poserhafte und nicht besonders kreative Solospielereien vom Stapel lassen. Nur Dirkschneiders Sohn Sven hielt sich am Schlagzeug angenehm zurück.

Im Mittelpunkt standen aber natürlich die Songs selbst, von denen es eine satte Ladung gab. Über zwei Stunden dauerte der Oldiereigen, der zahlreiche Songs enthielt, die Accept heute wohl nicht mal mehr mit der Kneifzange anfassen würden. „Midnight Highway“, „Screaming For A Love-Bite“, „London Leatherboys“, „Son Of A Bitch“, „Monsterman” oder auch das balladeske „Winterdreams” waren solche Kandidaten, die unverkennbar mit Udos Stimme verbunden sind und die eine melodische Abwechslung ins Programm bringen, wie es sie beim Duo Hoffmann/Baltes nicht mehr gibt. Auch die heute an den Tag gelegte Spielfreude gibt es bei der „Original-Band“ in diesem Maße nicht mehr. Die Songs klangen zudem ein Stück brachialer, als man es von den Studiovorlagen gewohnt ist.

Man kann durchaus von einem gelungenen Abend sprechen, selbst wenn er etwas voraussehbar war. Schließlich gab es 1:1 dasselbe Programm zu hören, wie es auch auf dem genannten Livealbum verewigt wurde („Run If You Can“ oder auch etwas von „Objection Overruled“ wäre auch mal sehr schön gewesen!). Das tat der Stimmung allerdings keinen Abbruch. Denn diese war konstant sehr gut und die Fans ließen sich nur allzu gerne zu (überflüssigen) Mitsingspielchen animieren. Die „Udo, Udo“-Rufe waren allerdings nicht gestellt und der Sänger immer wieder sichtlich gerührt, mit welcher Euphorie er und seine Band gefeiert wurden. Also zweifellos ein toller Abschluss des Kapitels Accept.

Als nach einem euphorischen „Burning“ als Outro Frank Sinatras „My Way“ erklang, musste man schon fast eine Träne verdrücken, aus diesem Mund kein „Neon Nights“, kein „Metal Heart“, kein „Princess Of The Dawn“ und kein „Fast As A Shark“ mehr zu hören zu bekommen…

Setlist Dirkschneider:
Starlight
Living for Tonite
Flash Rockin‘ Man
London Leatherboys
Midnight Mover
Breaker
Head Over Heels
Neon Nights
Princess of the Dawn
Winterdreams
Restless and Wild
Son of a Bitch
Up to the Limit
Wrong Is Right
Midnight Highway
Screaming for a Love-Bite
Monsterman
T.V. War
Losers and Winners

Metal Heart
I’m a Rebel
Fast as a Shark
Balls to the Wall
Burning