Gestern war das erste Konzert des Jahres angesagt und mit Turbostaat hatten wir uns direkt einen Hochkaräter vorgenommen, sind die Flensburger doch nicht alleine wegen ihrer neuen Single “Die Tricks der Verlierer” und dem dazugehörigen Video aktuell eh in aller Munde!

So sollte es also zeitig nach Bremen gehen, wo wir uns wieder einmal mit dem Einbahnstraßen-Wirrwarr und der „Wir fahren natürlich gerne zwanzig Mal um den Bottich, damit wir dann gefühlte 10km entfernt einen Parkplatz bekommen“ Problematik auseinander setzten – zumindest blieb uns dieses Mal der Strafzettel erspart!

Endlich am Kulturzentrum Lagerhaus angekommen, ging es direkt in den ersten Stock und wir betraten die uns bisher unbekannte, aber sehr ansprechende Location, die am gestrigen Abend komplett ausverkauft sein sollte.

Den Anfang machten die Bremer Punk-Rocker Terra Flop, die quasi ein Heimspiel hatten und somit fulminant abgefeiert wurden… da ich im Vorfeld noch nichts von dem Trio gehört hatte, wunderte ich mich zuerst noch, warum der schon gut gefüllte Saal bereits kollektiv ausflippte, spätestens nach den ersten beiden Songs wusste ich aber ganz genau warum! Mutias, Alechz und Kei rockten die Hütte und alleine die Mimik und der Bewegungsdrang des Bassers trieb einem unweigerlich ein breites Grinsen ins Gesicht… reiner Wahnsinn!

Die selbsternannte Protest-Band – zumindest aufgrund solch nicht so ernst gemeinter Ansagen wie „der nächste Song ist ein Protest gegen Menschen die nackt durch die Straße laufen“ oder „die nächste Nummer ist ein Protest gegen die Schwanz-Dominanz der Männer“ – hatte es sehr gut drauf, die Masse auf eine vernünftige Betriebstemperatur zu bekommen!

Musikalisch bewegen sich die Jungs von Terra Flop irgendwo zwischen geilen Speed-Rock`n´Roll Nummern, irgendwas in der Nähe von den Queens of the Stone Age und Turbostaat - 1durchgeklinkten Songs, die mich stellenweise an abgedrehte Sachen von PiL erinnert haben… irgendwie „Banana!“… irgendwie verstörend… irgendwie auch geil!

Ob es nun an der gerissenen Gitarrensaite des Sängers Mutias lag, oder an der Tatsache das die Zeit eh um war, aber nach gut fünfundvierzig Minuten verließen die Drei den Bühnenbereich so abrupt wie sie erschienen waren und machten somit Platz für deutschsprachigen Punk-Rock allererster Güte!

Nach einer kurzen Umbaupause – die Bühne sollte noch mit dem einen oder anderen Accessoire verhübscht werden – betraten Peter, Roli, Marten und Tobert unter tobendem Beifall die Bühne und spielte in einer nebelig düster melancholischen Stimmung die ersten Töne von „Wolter“ an. Als kurze Zeit später Jan dazu kam und sich zwischen die – in Richtung Publikum gedrehten – Monitorboxen stellte, gab es kein Halten mehr und alle Dämme waren gebrochen… ich habe lange nicht mehr so ein Publikum erlebt, dass innerhalb von Millisekunden von 0 auf 100 war!

Nun waren wir also gemeinsam „Auf dem Weg nach Abalonia“ und ob es nun „Ruperts Gruen“ oder der „Eisenmann“ sein sollte, jede Nummer wurde im Kollektiv mitgegrölt, abgetanzt und zelebriert… kontinuierlich angeführt von dem gut aufgelegten Expeditionsleiter Jan Windmeier, der die Menge immer wieder zum Mitsingen animierte und seinen Platz am Bühnenrand nur ganz gelegentlich verließ, um sich in den Nebel seiner rockenden Bandkollegen zu begeben.

Aber auch der Titelsong des aktuellen Turbostaat Albums „Abalonia“ durfte natürlich ebenso wenig fehlen wie „Die Arschgesichter“, von welchen wir jeden Tag mehr zu Gesicht bekommen!


Man führte Krieg in aller Herren Länder
Grinst einer schief, heulte man laut auf
Im Scherenschnitt glänzt unsere Fassade
Es nähert sich etwas durch die Nacht

In Reih und Glied, gekämmt und gestriegelt
Die Arschgesichter pflanzen sich auch fort
Am Ende steht kursiv auf ihren Gräbern
Reichtum ist der Schlüssel zum Erfolg
(Die Arschgesichter)


Einer der absoluten Höhepunkte des gestrigen Abends war dann aber die gerade fertig gestellten neuen Single „Die Tricks der Verlierer“, welche die Jungs lautstark zum Besten
1-DSC_0972gaben und bei welcher spätestens der Letzte im Raum ins Schwärmen geriet… erstaunlich auch, wie textsicher die Punker-Gemeinde war – die Nummer ist ja erst kurze Zeit draußen, gell?! Die Single gab es übrigens neben der einen oder anderen feinen Sache (ein Turnbeutel wurde bereits heute morgen bei uns zuhause ordnungsgemäß abgefeiert) ebenfalls am gut ausgestatteten Merchandising-Stand zu erwerben – die beiden Herren dort hatten übrigens alles wunderbar im Griff, trotz zeitweise ordentlichem Andrang!

Zurück zur Musik, besser gesagt zum Song… die Nummer ist ein Schlag in die Fresse derer, dich sich aktuell von stumpfen und bekloppten Stammtisch-Parolen beeindrucken lassen und sich den Kampf gegen die Demokratie auf ihre versifften Deutschland Fahnen geschrieben haben – alles natürlich wieder in einen schön verschachtelten Text, der leider besagte Deppen nie erreichen wird, da sie nachweislich für solch intelligente Gedankengänge nicht zu haben sind… ganz Groß der Song!


Überraschend war die Kälte
Ihre Bosheit und ihr Zorn…

…Ihr Stolz hat lange Messer
Und sie stechen damit zu!
(Die Tricks der Verlierer)


Neben diversen neuen Songs wurde natürlich auch der eine oder andere Gassenhauer gespielt… aber wie es nun mal immer läuft, geht die Zeit viel zu schnell rum und jedes Konzert hat irgendwann sein Ende – nicht ohne sich ordnungsgemäß mit abermals überschwänglich abgefeierten Zugaben zu verabschieden!

Ich denke wer hier nicht auf seine Kosten gekommen ist bzw. wessen Klamotten nicht mindestens zum Auswringen verschwitzt waren, dem kann man nach diesem Gig nun wirklich nicht mehr helfen… ich sag es einfach mal ganz unspektakulär: Danke Jan… danke Peter… danke Roli… danke Marten und natürlich, danke Tobert!

 

 

Obwohl die 2017er Turbostaat Tour gerade erst angefangen hat und mit dem Gig in Bremer sein zweites Konzert erlebte, machten die Jungs einen gut erholten Eindruck und scheinen richtig Bock auf die nächsten Wochen und Monate, die sie quer durch die Republik bringt, zu haben… das nächste Mal werden wir ihnen persönlich beim diesjährigen Deichbrand Festival in Cuxhaven über den Weg laufen – wer es vorher nicht zu einem der anstehenden Gigs schafft, sollte sich diesen Termin schon einmal ganz „rot“ im Kalender ankreuzen!

 

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Also dann, viel Spaß weiterhin „Auf dem Weg nach Abalonia“!

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Bilder – Dana Blex / Küstenfuchs Photographie