Mit „Come To Mexico“ veröffentlicht die französische Formation Totorro ihr mittlerweile zweites Album. Obwohl Bandname und Albumtitel verdächtig in Richtung spanischsprachiger Hemisphere deuten, kommt das Quartett tatsächlich aus dem beschaulichen Rennes. Zumindest bleiben die Franzosen den romanischen Sprachen damit verbunden. Aber das ist in diesem Zusammenhang eher von sekundärem Interesse, da die Musik auf „Come To Mexico“ größtenteils ohne Worte auskommt. Lediglich auf einem Stück finden sich französische Vocals wieder, der Rest besteht aus Instrumentalmusik.

Geliefert wird dabei eine Mischung aus Post- und Mathrock, wobei die Mathanteile überwiegen. Die Musik definiert sich mehr über Rhythmen denn über Atmosphärik und Mediation. Nichtsdestotrotz finden sich auch die typischen Twinkle-Gitarren mit einer kleinen Priese Reverb wieder und sorgen an verschiedenen Stellen dafür, dass man sich als HörerIn vereinzelt an die Clean-Gitarrenarbeit von Explosions In The Sky erinnert fühlt. Ebenso erinnert das Ganze durch die obligatorischen Tremoloflächen streckenweise an Mogwai oder MONO. Der Entscheidende Unterschied ist aber die Geschwindigkeit und Hektik, die Totorro in rhythmischer und konzeptioneller Hinsicht wieder weit von den genannten Bands wegrücken.

Im Endeffekt hat man hier Postrockelemente, vornehmlich klangästhetischer Natur, die in einem Math-Gerüst verankert sind. Verwandte sind dabei natürlich die üblichen Verdächtigen á la toe oder Enemies, hinter denen sich das französische Quartett in der Kategorie Spielfreude keinesfalls verstecken muss. Das Schlagzeug ist immens energetisch und treibend, die Gitarren häufig tzizzelig, fuzzig (Hallo Telecaster plus Twin Reverb oder JCM-Series) in guter Post-Punk-Revival-Manier, vielleicht mit einer Ecke weniger Reverb.

Die Platte beginnt mit dem Stück „Brocolissimo“, ein Titel, der, nunja sagen wir mal, gewöhnungsbedürftig rüberkommt. Die Arbeit der Rhythmusgitarren erinnert tatsächlich teilweise an Mariachi-Patterns. Das ist beim ersten Hören unter Umständen irritierend, gleichwohl aber auch interessant. Nur an vereinzelten Stellen wirken diese Mariachi-Folkloreartigen Einflüsse, in Form von übermäßig in den Vordergrund gemischten, einzelnen Cowbell-Schlägen, störend. Hier wäre weniger vielleicht mehr gewesen.

Einige musikalische Augenblicke später bietet „Trop Fort Jéjé“ durchaus harmonisch interessante Figuren, die mit Dur-Moll-Verbindungen an Popmusik der 1960er-Jahre erinnert. Grundsätzlich sind die Songstrukturen sehr abwechslungsreich, die Post-Punkesquen, energiegeladenen Mathpassagen wechseln sich mit kurzen Ruhepassagen, die dann durch jene harmonisch interessanten Figuren auffallen, ab. Die Energetik und Spielfreude wird durch gutes Songwriting ergänzt, das sich durch das gesamte Album zieht. „Come To Mexico“ besticht auf ganzer Linie durch hervorragend durchdachte Songstrukturen und Kompositionskompetenz.

Diese Platte macht wirklich Laune und lädt zum Mitwippen ein. Wer sich von dem etwas außergewöhnlichen Bandnamen, ein paar (in meinen Ohren) deplatzierte Cowbells und albern wirkenden Songtiteln („Brocolissimo“, „Yaaaago“ oder „Tomate Polisson“) nicht abschrecken lässt, der bekommt einen sehr gelungenen Hybriden aus Math- und Postrock mit exzellentem Songwriting und guter Produktion, der in jedem Fall empfehlenswert ist.

VINYLCOVERTOTO

01. Brocolissimo
02. Yaaaago
03. Trop Fort Jéjé
04. Saveur Cheveux
05. Beverly Pills
06. Ouad & Khaled
07. Tomate Polisson
08. 100% Repos
09. Clara Mystère
10. Gérard Blast
11. Come To Mexico

Totorro - Come To Mexico (Big Scary Monsters/AL!VE, 25.11.2016)
4.7Gesamtwertung