Die Folkabteilung im Grand Hotel ist wieder da und überrascht mit einer Richtung, bei der man es eigentlich gar nicht für möglich gehalten hätte. Kennengelernt habe ich Torpus & the Art Directors relativ spät. So habe ich die Band das erste Mal als Headliner bei der Altonalen Pop Nacht 2016 bei einem außergewöhnlich mitreißenden Kirchenkonzert bestaunen können. Als Fotograf für den Veranstalter hatte ich schon die Kamera eingepackt, war bereits wieder unterwegs Richtung Theke, als plötzlich die gute Laune in der Kirche (in einer Kirche!!!) übersprudelte und die Band ohne Strom durch die Reihen wanderte. Und was da ganz unverstärkt die volle Location mitnahm, hatte Herz und mitreißende gute Laune. Das Drummer Felix ein paar Tage später mein Fahrer zu einem Festival in Schweden werden sollte, wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht. Und der Typ kann nicht nur trommeln, sondern auch Bulli fahren. Das steht mal fest.

Mit dem oft zur Zerreißprobe werdenden dritten Album überraschen die Nordlichter nun mal eben zwei Wochen vor Veröffentlichung mit der Neuigkeit. Dazu gab es gleich vorweg die Single „4×7“. Zunächt auch verwirrt, macht auch bei mir der Songtitel aber ziemlich schnell Sinn. So entwickelt man sich statistisch alle 7 Jahre weiter und da man mit 28 Jahren die nächsten 7 Jahre in Angriff nimmt, fällt es einem wie Schuppen aus den Haaren.

 

 

Aber Torpus wär nicht Torpus, wenn man sich vor so einer Platte keine Gedanken gemacht hätte. Die Aufnahmen waren wieder auf dem platten Land in Schleswig-Holstein, wo sich die Band erfahrungsgemäß am wohlsten fühlt. Bis auf kleine Ausnahmen wurden die Instrumente live eingespielt und in Verbindung mit der Arbeit von Simon Frontzek für den finalen Mix ist eine warme, leicht kratzige, anfassbare Platte entstanden. Anfassbar ist ein merkwürdiges Wort dafür, aber das war beim ersten Hören mein erster Gedanke. Wir haben hier mit Songs wie „Maria“ oder auch „Sleeping Bag“ Songs, die so unfassbar symphatisch und entspannt um die Ecke kommen, dass einem sofort der Gedanke „Herrje, das müssen gute Menschen sein!“ in den Kopf kommt.

 

60’s Arschwackel-Momente und Erinnerungen an Weezer (als sie noch Spaß gemacht haben)

Es gibt Momente auf dieser Platte, wo einem deutlich wird wie reif (nicht im Sinne von graue Haare und Zigarre rauchen) und sicher diese Band geworden ist. Da erwartet man ein quasi lupenreines Folkpopalbum und bekommt dazu noch 60’s Arschwackel-Momente und Erinnerungen an Weezer (als sie noch Spaß gemacht haben). Die Sicherheit der Band wirkt sich auf den Sound aus und macht ihn insgesamt super lässig. Wunderbar! Und wem das nicht reicht, der kann sich dann von so Folk-Hymnen wie „On Our Back“ mitreissen lassen. Wer da nicht Bock auf Leute in den Arm nehmen und Bier trinken und mitsingen bekommt, darf kein Bier mehr trinken. Und keine Leute mehr in den Arm nehmen. Mitsingen schon.

Auffallend bei diesem ganzen sowieso schon großartigem Kram, ist die unfassbar wandelbare Stimme von Sönke Torpus, die man z.B. in „I’m a Dog“ auch komplett zu spüren bekommt. Ich selbst habe mich von der großen Stimme auch live als Support von Kettcar letzte Woche überzeugen können. Dabei fällt mir ein, dass ich Ove und Sönke direkt zwei Tage später als Ove in der Fabrik Hamburg beim „Unter meinem Bett Releasekonzert“ wieder gesehen habe. Also quasi egal in welcher Kombination und wer wo auf der Bühne steht, einfach immer gut.

Besonders gut dürfte der Sound dieses Schmuckstücks wohl auf Vinyl rüberkommen. Darauf müsst ihr Hoschis aber mit mir bis Januar warten. Denn so schnell das alles plötzlich geht, bleibt ja der evtl. durch die 9232ste Nachpressung einer Foo-Fighters-Platte verursachte Stau in den Presswerken. Oder es dauert einfach und ich wollte endlich mal einen „Repress die die Welt nicht braucht“-Diss loswerden. Verrückte Welt. Aber Vorfreude ist ja dann doch… ach scheiße. Ich will die haben!

Was bei diesem ganzen Fanboygeschreibe wohl das Fazit sein wird? Na eine absolute Kaufempfehlung natürlich. Wer auf abwechslungsreiche Folkpop-Whatever-Scheiben von super Menschen steht, sollte hier gleich mal zugreifen.

Und bevor ich mich wieder mit der Mucke von Torpus auf mein Sofa lege, muss ich unbedingt noch diese Promofotos erwähnen! Dickes Lob an Björn Weinbrandt! Mega gut! Küsschen! Kaufen!

 

 

  1. 4×7
  2. Never Close Enough
  3. Sleeping Bag
  4. Woof
  5. I’m a Dog
  6. Maria
  7. Slow Preparation
  8. Meow
  9. Human Loving Being
  10. On Our Backs
  11. I Feel For Her
  12. He’s a Cat
Torpus & the Art Directors - We Both Need To Accept That I Have Changed (Grand Hotel Van Cleef, 15.12.2017)
4.8Gesamtwertung