Das erste Handwritten Classics im Jahr 2019 ist auch zugleich das allererste Handwritten Classics für mich. Daher war es mir bei der Auswahl des Albums besonders wichtig, ein für mich persönlich sehr bedeutsames Album herauszusuchen. Meine Wahl fiel auf das am 28.04.2003 erschienene Tomte-Album „Hinter all diesen Fenstern“.

Zum Release von „Hinter all diesen Fenstern“ war ich mit 11 Jahren mehr mit meiner PlayStation, dem Spielen mit Lego sowie den Deutsch-Hausaufgaben beschäftigt, Musik spielte daher nur eine Nebenrolle und fand hauptsächlich im Radio statt.

Im stattlichen Alter von 15 traten das Spielen mit Lego und vor allem die Hausaufgaben in den Hintergrund und wurden von Musik und noch mehr Videospielen abgelöst. Anfänglich hörte ich dabei noch Musik, welche ich von einem Klassenkameraden bekommen hatte. Da dieser im Nachhinein betrachtet einen sehr guten Musikgeschmack hatte, kam ich dabei mit Punk (Blink 182) und Metal (Slipknot) in Kontakt. Auch verfügte ich mittlerweile über einen 256 MB großen MP3-Player welcher es mir ermöglichte immer und überall Musik zu hören. Im selben Jahr brachten Tomte das Album „Buchstaben über der Stadt“ raus und als Hemmoorer und Schüler des Gymnasiums in Warstade musste man zwangsläufig von diesem Album hören.

So wurde „Buchstaben über der Stadt“ eins der ersten Alben, dass ich mir als MP3 gekauft und rauf und runter gehört habe. Das führte auch dazu, dass ich meine begrenzte Internet-Zeit dafür verwendete mehr über Tomte zu erfahren. Dabei stieß ich dann auf „Hinter all diesen Fenstern“, welches sich dann zu einem der wichtigsten Alben für mich entwickelte.

Neben der ganzen Jugendnostalgie sorgt vor allem die wohlige Melancholie in „Hinter all diesen Fenstern“ dafür, dass ich dieses Album immer dann ausgegraben habe, wenn es mir nicht ganz so gut ging. So ist die „Die Bastarde, die dich jetzt nach Hause bringen“ auch heute noch mein Liebeskummer-Lied.

Wo wirst du heute schlafen
Und worüber denkst du nach
Es war wundervoll als wir uns trafen

Bei dieser ganzen Melancholie die Thees zum Ausdruck bringt, gefällt mir, dass auch immer eine Spur Hoffnung und Humor in seinen Texten verbaut ist.  Wie in „Schreit den Namen meiner Mutter“ mit

Da ist zuviel Krebs in deiner Familie
Da ist zuviel Angst in meiner Welt,
Alles was du willst ist ein Glas mit deinem Namen eingraviert.
Alles was du brauchst ist ein Schoß zum Ruhen

oder in „Endlich einmal“, wo es eigentlich um den Hund geht, aber dennoch auch die Sehnsucht nach etwas festem mitschwingt.

Endlich einmal etwas das länger als 4 Jahre hält.

Mit „Hinter all diesen Fenstern“ ließ sich daher für mich immer gut leiden. Weil man immer das Gefühl hatte, so Scheiße es gerade auch ist, es geht immer weiter oder man kann trotzdem lachen.

Und am Ende sorgte dann immer die „Die Schönheit der Chance“ dafür, dass man doch noch versöhnlich in die Zukunft blicken kann.

Die Schönheit der Chance,
Dass wir unser Leben lieben
So spät es auch ist…
Das ist nicht die Sonne die unter geht,
Sondern die Erde die sich dreht

 

Tracklist:

  1. Für immer die Menschen
  2. Schreit den Namen meiner Mutter
  3. Die Bastarde, die Dich jetzt nach Hause bringen
  4. Du bist den ganzen Weg gerannt
  5. Endlich einmal
  6. Neulich als ich dachte
  7. Von Gott verbrüht
  8. Insecuritate
  9. Das war ich
  10. Die Schönheit der Chance

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Photo by Stephan Malzkorn