Together Pangea – Dye (Nettwerk, 22.10.2021)

Herrlich, das neue Album des Trios Together Pangea aus Los Angeles klingt so richtig schön anachronistisch mit seinen kleinen Power-Pop-Hymnen und dem krachenden Garagen-Flair. Ganz so, als seien die späten Achtziger oder frühen Neuziger zurück und damit junge Wilde wie Dinosaur Jr., die Pixies oder gar die noch unbefleckten Nirvana. Die Zeit als dem Alternative Rock und Grunge noch bevor stand, das nächste große, von der Industrie versaute Ding zu werden.

„Dye“ enthält einfach ein Dutzend unschuldiger, klar strukturierter, manchmal auch recht unauffälliger Songs zum Gernehaben. Die leichte Psych-Kante des noch recht entspannt klingenden Album-Openers „Marijuana“ verrät bereits, dass hier etwas unter der Oberfläche lauert, welches sich im Laufe der Platte immer mehr Bahn bricht. Wenn der Fuzz-Regler ordentlich aufgedreht wird, werden aus dem Bubblegrum-Rock von „Wanted Out“ oder „Nervous“ richtige Krachperlen. Mit „Somehow“ oder „Cold Water“ geht man weniger zurückhaltend vor und fällt gleich mit der Tür ins Haus – und sorgt für Verzückung.

Richtig fein wird es aber auch, wenn tatsächlich die Melodien im Vordergrund stehen, wie beim zurückgenommenen „Little Line“, welches mit Harmonie-Gesängen verzückt. Oder „Turn Time“, das mit einer dezenten Country-Note gefällt. Alles wirkt hier etwas schräg, manchmal auch leicht bekifft, aber stets maximal sympathisch.

Mit dem ausgelassen und beschwingt schlendernden „Nothing To Hide“ endet ein Album das mit seinem Auftauchen überrascht und einen auf positive Art und Weise einfach mal um drei Jahrzehnte zurückversetzt. Daumen hoch!

 

Trackliste:
1. Marijuana
2. One Way or Another
3. Rapture
4. Wanted Out
5. Alabama
6. Little Line
7. Cold Water
8. Turn Time
9. Somehow
10. Ghoul
11. Nervous
12. Nothing to Hide

 

 

Photo-Credit: Derek Perlman

 

4.2