Tim Vantol kennt mittlerweile wohl jeder Musikfan, der auch nur ein Karohemd im Schrank hat. Nachdem die Bucket List nun fast abgearbeitet ist und der bärtige Typ 800 Meter über Null quasi in den Bergen wohnt, kommt nach unzähligen riesigen Support-Touren, einem großartigen Livealbum und diversen anderen persönlichen Highlights das Album „Better Days“ und verbreitet jede Menge Aufbruchstimmung.

Noch immer mit der Stimme, die einen Baum mit einem Song fällen kann, Refrains die sich so hymnisch in die Birne fräsen wie sonstwas, geht es hier persönlich auf das Licht am Ende des Tunnels zu.

Vorab konnten wie uns mit „5 Inch Screen“ schon einen Eindruck holen und über das an einem vorbeirauschende Leben nachdenken, während man die Nase in das gottverdammte Smartphone steckt. Hört sich komisch an, aber davon kann sich wohl niemand befreien.

 

 

Das ist aber noch nicht mal der stärkste Song auf „Better Days“. Mir persönlich reißt gleich der Opener „No More“ so derbe das Heartland-/“If We Go Down“-Grinsen ins Gesicht, dass man auch während Corona in den Köpfen, Nazis auf den Straßen und in den Parlamenten und homophoben Rappern in den Charts trotzdem an das halbvolle Glas glauben möchte und auch kann. Menschen wie Tim Vantol und viele andere gute Leute werden zwar nie die Welt retten mit ihren Songs, aber dieses Gemeinschaftsgefühl und der Glaube das es noch viele gute Menschen auf der Welt gibt und die Szeneblase aus Punkrock und Co. nicht nur auf Kleidung und Trends basiert, wird immer wieder hoch gehalten.

Die unglaublich erdige und authentische Art von Herrn Vantol zieht sich auf „Better Days“ durch alle Songs und reißt jedes Mal wieder unfassbar mit. Jeder Song scheint eine Geschichte zu erzählen, die zwar persönlich ist, sich dabei aber für alle Hörer öffnet und so nachvollzogen werden kann.

 

Brand new directions are waiting for you

 

Mir ist es immer wieder ein Rätsel, wie ein paar Musiker es jedes Mal wieder schaffen so viele eingängige Hymnen auf eine Platte zu kriegen, ohne dabei langweilig oder gleich zu klingen. Und wenn ich „you will never get me down“ so hymnisch höre, sehe ich hunderte angetrunkene Musikfans vor mir, die mitsingend ihr Bier in die Höhe halten. Genauso funktioniert es aber am Tresen deiner Lieblingsbar. Mit deinen Freunden und Geschichten von früher.

Wer sich in 10 Songs also mehr als gut unterhalten lassen möchte, sollte dieses Stück Musik stilecht auf Platte kaufen. So hört man diese Musik nämlich. Kaufempfehlung! Unbedingt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. No more
  2. Tell them
  3. Better Days
  4. A River Full of Reasons
  5. Haven’t you learned
  6. Forgiveness
  7. Not today
  8. 5 Inch Screen
  9. You will never
  10. It’s gonna hurt

 

Tim Vantol - Better Days (EminorSevenRecords/Uncle M, 21.05.2020)
5.0Gesamtwertung