Plötzlich gab es einen Knall und der Typ war wieder da. Nach einer Pause aus dem besten aller Gründe im letzten Jahr hat sich der kettenrauchende Tigerjunge Benning wieder ins Bewusstsein der wartenden Meute katapultiert.

Bekannt für seine teilweise schweren Songwritersongs mit krassem Wiedererkennungswert (gibt es ja im Bereich Songwriter nicht so oft) und der Liveperformance, die oft genug an Catweazle mit Gitarre erinnert, kommt mit „Schmuck“ das Album. Zack. Plötzlich da. Und wie geil, ey!

Tigeryouth stand immer für irgendwie anders, ohne anders sein zu wollen. Mit dem Song den er selber nicht mehr hören kann damals das „Killing in the Name of“ der Songwriterschublade erfunden und immer ein bisschen mehr Punk und bisschen irrer als alle anderen, kann man den Typ nur mögen.

Die Vorboten waren die Singles „Tag oder Nacht“ und „Am nächsten Morgen“ und irgendwie war das schon voll tigeryouth, aber irgendwie wirkte es durchdachter. Geplantes Chaos? Irgendwie so. Die Vorfreude tanzte auf jeden Fall schon da Tango in meiner Birne und die ersten Durchgänge von „Schmuck“ haben mich gleich mit dem Opener „Bettdecke“ derbe gefesselt.

 

 

Irgendwie sind Songs wie „Durchhalteparolen“ auch so gewachsen wie Tilman selbst. Auch wenn es nicht so wirkte, war der Mensch schon immer völlig bei sich, wirkt jetzt aber trotz allem Punk in allem was er macht angekommener. Zufriedener. Das Pendeln zwischen Eisdielen und eigenen Hutkonzerten hat ihn geprägt und zu dem Herzmenschen gemacht, der er heute ist. Aber private Highlights in Kombination mit selbst abgebautem Druck dürften dieses Album so abwechslungsreich und rund gemacht haben. Denk ich mal. Aber was weiß ich schon.

Auf jeden Fall hat Kay Petersen aus dem sowieso schon großartigen Tigeryouth-Sound (wieder) ein unfassbar gutes Studioalbum gemacht, ohne dabei die Richtung zu ändern. Das Zusammenspiel lohnt sich. Wieder.

Und was hat der Philip Müller bitte für gute Fotos gemacht? Großartig! Selten Tilman so passend geil eingefangen gesehen.

Die Mischung tigeryouth, Zeitstrafe, Kay Petersen und Philip Müller für die Fotos ist das Beste was mir aus diesem düsteren Fleck Deutschland in diesem Jahr über den Weg gelaufen ist. Wer die Platte nicht kauft, bekommt einen Brennesselarm und ist selber Schuld. Absolute Kaufempfehlung.

Und wenn ihr ihn auf Tour trefft, quatscht ihn voll und trinkt und raucht mit ihm. Lohnt sich immer! Kuss!

 

 

  1. Bettdecke
  2. Welche Zukunft
  3. Himmel ohne Wolken
  4. Straßenkehrmaschinen
  5. Durchhalteparolen
  6. Am nächsten Morgen
  7. Alle Gewässer
  8. Tag oder Nacht
  9. Eine Nacht lang
  10. In der Kälte

 

tigeryouth - Schmuck (Zeitstrafe Records, 29.03.2019)
5.0Gesamtwertung