Darf es zwischendurch mal etwas anders sein als Drei-Akkorde-Songs, Hardcore-Geprolle, weinerlichen Indie-Klängen oder schlichten Songwriter-Nummern? Dann hätte ich hier einen Tipp: Zeitloser Rocksound mit klassischem Songwriting, aber doch modernen Sound zwischen cool und lässig, emotional und energiegeladen – vielleicht auf der Coolness-Skala nicht ganz oben angesiedelt, dafür ziemlich fein. Ladies and gentlemen, let me introduce you: The Winery Dogs!

Vor zwei Jahren hieß es mal wieder „Achtung, Soupergroup-Alarm!“, als dieses Trio mit seinem selbstbetitelten Debütalbum um die Ecke kam. Kein Wunder, besteht die Band auch aus drei großen Namen: Schlagzeuger Mike Portnoy (ex-Dream Theater, Flying Colors, Adrenaline Mob), Bassist Billy Sheehan (u.a. Mr. Big, ex-David Lee Roth) und Gitarrist Richie Kotzen, der auch schon mit Sheehan bei Mr. Big spielte, in seinen jungen Jahren Poison das Haarspray austrieb und in den letzten 25 Jahren einen großen Output an Soloalben ansammelte.

Jetzt wollen es die Winery Dogs noch einmal wissen. „Hot Streak“ heißt das zweite Baby und enthält 13 abwechslungsreiche (Hard-)Rock-Songs, bei denen die Klasse der Beteiligten in jeder Note durchschimmert. Dabei führt die Eröffnungsnummer „Oblivion“ etwas auf die falsche Fährte. Das klingt nach knackigem Instrumentalsport mit sich überschlagenden Instrumenten. Dabei lebt „Hot Streak“ vor allem von guten Songs und bei aller an den Tag gelegten Musikalität nicht davon, dass die drei Musiker ihr Können beweisen müssen, was definitiv ein Pluspunkt ist.

Und so hält man sich in den meisten Titeln etwas zurück (aber nicht zu sehr) und beeindruckt mit gutem Zusammenspiel, feinen Melodiebögen und spannenden Arrangements. Richie Kotzen (hier mal nicht „nomen est omen“!) prägt dabei die Platte sehr mit seinem souligen Gesang sehr und verleiht den Songs viel Wärme und eine angenehme Tiefe.

Ein paar geschmeidige Funk-Tupfer hier („How long“, Titeltrack) oder ein wenig altmodischer Soul dort („Think it over“), dann wieder ein Dampfhammer in bester Van-Halen-Manier („Devil you know“) oder einfach gute melodische („Empire“, „Ghost Town“) und auch mal gefühlvoll-melodische und emotionale Rocksongs („Fire“, „Spiral“): die Platte bietet eine große Fülle an verschiedenen Nuancen, was dafür sorgt, dass es so schnell nicht langweilig wird.

„Hot Streak“ ist so allemal eine Empfehlung für den Rockfan wert!

The Winery Dogs - Hot Streak

Trackliste
1. Oblivion
2. Captain Love
3. Hot Streak
4. How Long
5. Empire
6. Fire
7. Ghost Town
8. The Bridge
9. War Machine
10. Spiral
11. Devil You Know
12. Think It Over
13. The Lamb

The Winery Dogs - Hot Streak (earMUSIC/Edel, 02.10.2015)
4.5Gesamtwertung