Freitag ist es soweit – es erscheint das neue Album von The Used. Die Vorfreude war bei mir schon zugegebenerweise groß, als ich das Cover dieses Albums entdeckte: zu sehen ist dort das am Strick baumelnde rote Herz, was man schon vom Cover des Album “In Love and Death” aus 2004 kennt. Ein Hammer-Album, wie ich finde! Dazu kommt der Albumtitel „Heartwork“, der an das 2009er Album “Artwork” erinnert. 

Diese Spannung in mir findet zudem noch eine Steigerung, aufgrund der Tatsache, dass nun das 20-jährige Bandjubiläum ansteht. Nachdem The Used sich in den vergangenen Alben immer mehr von dem härten Emo-Core-Stil schleichend verabschiedet hat, so lässt das Cover doch zur Rückkehr der härteren Töne hoffen. Denn eines ist bei The Used eigentlich immer sicher: man weiß nicht, was man zu hören bekommt, denn die Bandbreite und die unterschiedlichen Stile dieser Band sind hinlänglich bekannt und kein Album ist wie ein anderes. 

Die Hoffnung wurde schon rasch erfüllt, als die erste Single vorab veröffentlicht wurde: „Paradise Lost, a Poem by John Milton“ lässt direkt mit harten Riffs und auch dem früheren Stil des zwischen Klargesang und Core-Geschrei schwankenden Gesangs von Sänger Bert McCracken aufhorchen! Toll! Gefühlt eine Zeitreise in die Zeit von „In Love and Death“! 

Der zweite veröffentlichte Song des Albums lässt ebenso aufhorchen: 6 Sekunden harte Riffs, 6 Sekunden Drumeinsatz und ein Schrei. Aber nicht von Bert McCracken – hier ist nun Jason Aalon Butler von Fever333 zu hören! Auch hier ein härterer Titel, der ein wenig an die frühen Werke erinnert – stark. 

Aber: The Used wären nicht The Used, wenn man auf dem 16 Songs langen Album nicht auf diverse höchst unterschiedliche Songs und Stile treffen würde. Und die Songs wirken teilweise wie ein Potpourrie aus diversen Stilen, die es in diversen Songs schonmal gab und die man nun neu interpretiert, sei es nur in einzelnen Soundfragmenten. Ein Beispiel: “Bloody Nose” klingt in der Anfangssequenz wie “Bulimic” aus dem Erstwerk “The Used” und biegt dann doch in völlig andere Richtung ab. “Obvious Blase” erinnert im Grundbeat stark an “The Taste of Ink” und ist doch völlig anders! Das Album ist stilistisch quasi in Blöcken unterschiedlicher Stil-Facetten aufgebaut, was spannend zu hören ist.

In der Abfolge des Albums folgt dann ein Block eher ruhigerer Songs, die jedoch durch einen fast schon hymnisch wirkenden Refrain auffallen, wie “Big Wanna Be” und “Wow, i hate this Song”! 

Wie in jedem Album, kommen aber noch neue Stile hinzu, die man bisher weniger mit The Used verbunden hat. Überraschend kam für mich daher “Cathedral Bell”, was ein wenig in Richtung Elektro-Pop geht. Nein, nicht erschrecken – nicht Elektro-Pop á la ESC, sondern eher rhythmisch ein wenig düsterer, wie man ihn im Ausklang der Achtziger-Jahre verorten würde. Neu, aber trotzdem gut!  

So wechselhaft, wie sich die Songs auf „Heartwork“ abwechseln, so abwechslungsreich sind eben auch diverse Songs gestaltet. „1984 (Infinite Jest)“ ist eine Karusselfahrt an Stilen – ebenso die nächste Vorab-Veröffentlichung „Gravitys Rainbow“. Hier wechseln sich härtere Riffs und poppiger Chorus ab. 

Mit „Clean cut Heals“ findet sich noch ein fast schon übertrieben poppiges Werk auf der Scheibe wieder und bildet auch hier quasi den Abschluss eines Blockes eher poppiger Songs. 

Auch diverse Gastmusiker kamen hier zum Einsatz: „The Lighthouse“ wurde vom Blink-182-Bassist Mark Hoppus begleitet – ein toller Song, der jedoch ein wenig mehr an die neueren Werke von Papa Roach erinnert und ganz sicher zu meinen Lieblingsstücke dieses Albums gehört. „Obvious Blase“ wird von Blink-182-Drummer Travis Baker unterstützt! 

Etwas härter – mit poppigem Chorus – wird es bei „The Lottery“. Hier ist BeartoothSänger Caleb Shomo zu hören. Stilistisch ist man zum Ende des Albums irgendwie wieder am Anfang angekommen – es wird folgt wieder härterer Block. Mit „Darkness Bleeds, FOTF“ folgt ein weiteres Song in diesem Stil. 

Zum Abschluss folgt mit “To Feel Something” nochmals ein toller Song, der ruhig beginnt und sich langsam und stetig aufbaut, bis zu emotionalen Ausbruch: den Growls von Bert McCracken. 

Fazit: Nach 20 Bandjahren hat man kein Best-Of-Album aufgenommen, aber dennoch ein Album, was die letzten 20 Jahre in all seinen Facetten wiederspiegelt und dennoch wieder komplett neue Elemente von The Used offenbart. Das erkennt man daran, dass das Herz nicht mehr am Strick, sondern an einer Schlange baumelt und es steckt für mich auch im Albumnamen „Heartwork“, der nicht nur an “Artwork” erinnert, sondern auch “Herzensangelegenheit“ bedeutet – und offensichtlich ist dieses Album auch selbiges für die Band! 

The Used – Heartwork (Hassle Records, 24.04.2020)
4.7Gesamtwertung