Die Handwritten Classics bieten einem immer eine gute Möglichkeit über Alben der Vergangenheit zu schreiben, die einen besonders geprägt, berührt, begeistert, bewegt oder vielleicht sogar zu dem Menschen gemacht haben, die wir heute sind?!

Für mich war relativ schnell klar, welcher Band ich dieses Mal meine Aufmerksamkeit schenken wollte, lange musste ich jedoch überlegen, welches Album mich am meisten begeistert hat.

Begonnen hatte alles im Herbst 1991 auf dem Weg zu einem Wochenendtrip nach Paris… da fällt mir gerade auf, dass ich in diesem Jahr mein 25jähriges „Fan-Jubiläum“ habe! Sollte ja eigentlich gefeiert werden… vielleicht ja in Paris?!

Aber nun erstmal weiter im Text!
Jedenfalls saß mir auf der Fahrt im Bus ein Bekannter gegenüber, der davon sprach, dass ein gewisser „Jim“ auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise liege und er ihn unbedingt passend zum zwanzigsten Todestag besuchen wolle. Da ich mich erstens schon immer für alte Friedhöfe interessiert habe und zweitens nach kurzer Einführung in das Thema The Doors durchaus Interesse verspürte zu erfahren, warum sich weltweit Zehntausende pro Jahr auf den Weg machten Jim Morrison die letzte Ehre zu erweisen, war für mich klar mich anzuschließen.

Was dann passierte kann ich heute gar nicht mehr genau erklären!
Da saß nun also ein 18jähriger Punker am Grab des Sängers der Doors und folgte begeistert der Darbietung, welche von unzähligen Fans zelebriert wurde. Von Gitarre spielenden und Bongo trommelnden Hippies und durchgeknallten Freaks, über andächtig zuhörenden Menschen… es waren all diese Leute anwesend, vor denen mich meine Eltern immer gewarnt hatten! Dazu noch die obligatorischen Sportzigaretten und diverse alkoholhaltige Getränke… die Freiheit der 60iger war plötzlich allgegenwärtig!

Und somit war es dann auch um mich geschehen… ich war angefixt und die nächsten Jahre waren geprägt von dem Wunsch, alles über die vier Jungs aus Los Angeles und ihre kurze, aber sehr intensive Band-Karriere zu erfahren.

Platten und CD`s wurden gekauft und ich verschlang alles, was man damals (noch) ohne Internet über The Doors zu lesen bekam… selbst der 1991 von Oliver Stone gedrehte The Doors Film, der sich stark um die Person von Jim Morrison (übrigens genial von Val Kilmer in Szene gesetzt – die Gesangsparts wurden sogar von ihm selbst eingesungen!) dreht, aber aufgrund der Komprimierung und Dramatisierung der Geschehnisse durchaus kritisch gesehen werden darf, hat damals meinen Video-Recorder kaum noch verlassen!

Nur kurz am Rande: Wer ein objektiveres Bild von Jim Morrison oder den Doors bekommen möchte, dem empfehle ich die 2001er Biographie „Keiner kommt hier lebend raus“ von Jerry Hopkins und Danny Sugerman!

Nun aber endlich zum eigentlichen Thema, dem Album von The Doors, welches einem am besten zeigt, was die Band der Nachwelt in den sechs Jahren ihrer gemeinsamen Schaffenszeit hinterlassen hat… und was für ein charismatischer, durchgeknallter und abgedrehter Künstler bzw. Mensch Jim gewesen ist!

Das Live-Doppelalbum „In Concert“, welches in der Zeit von 1968 bis 1970 während diverser Konzerte aufgenommen und 1991 zu einem umfangreichen und beeindruckenden Album zusammengefügt wurde, beinhaltet quasi alle Songs der beiden Live-Alben „Absolutely Live“ (1970) und „Alive, She Cried“ (1983)… nicht zu unterschlagen die drei zusätzlichen Songs, welche vom 1978iger „An American Prayer“ und vom Live-Album „Live at the Hollywood Bowl“ (1987) stammen!

Für mich als The Doors Fan war die Scheibe, neben den oben genannten Alben, natürlich ein Muss und auch wenn der Kaufpreis damals für einen Azubi fast nicht zu bewältigen war… das Album begleitet mich aber nun schon seit über zwanzig Jahren und jede abgespielte Sekunde hat sich gelohnt!

Songs wie „Five to One“, “When the Music’s Over”, “Break On Through”, der Van Morrison Hit “Gloria” oder der “Unknown Soldier” und “The End” haben es mir von je her angetan… einzig meinen allzeit Lieblingssong “Riders On The Storm” vermisse ich hier mehr als schmerzlich!

Aber dennoch, „In Concert“ hat mich geprägt und beeindruckt… mehr als jedes andere Album der Doors, vielleicht oder gerade weil die Studioalben – jedes für sich – immer auch Höhen und Tiefen hatten, die Live-Scheibe aber quasi mein ganz persönliches „Best of“ Album ist!

 

Tracklist:
CD 1
House Announcer
Who Do You Love?TheDoors-InConcert
Alabama Song (Whisky Bar)
Back Door Man
Love Hides
Five to One
Build Me a Woman
When the Music’s Over
Universal Mind
Petition the Lord with Prayer
Dead Cats, Dead Rats
Break On Through
Lions in the Street
Wake Up
A Little Game
The Hill Dwellers
Not to Touch the Earth
Names of the Kingdom
The Palace of Exile
Soul Kitchen

CD 2
Roadhouse Blues51vaCJ32hWL
Gloria
Light My Fire including „Graveyard Poem“
You Make Me Real
Texas Radio & The Big Beat
Love Me Two Times
Little Red Rooster
Moonlight Drive
Close to You
Unknown Soldier
The End

 

Anmerkung zum Schluss:
Nachdem Organist Ray Manzarek sich ja leider vor zwei Jahren auch von der Rock-Welt verabschieden musste jährt sich Jim Morrisons Todestag im Juli zum 45. Mal.

Vielleicht mag das ja ein Grund für den Einen oder Anderen sein, sich auch einmal auf den Weg zum Père Lachaise zu machen… aber aufgepasst, erstens besteht akute Suchtgefahr und zweitens werden bereits seit Jahren jegliche Sessions und Zusammenkünfte am Grab von den Behörden rigoros unterbunden!

 

There are things known
and things unknown
and in between are

Foto: Electra Publicity Photo

The Doors – HOMEPAGE