The Dead Daisies live in Nürnberg (Hirsch, 14.06.2022)

Ich hatte 2020 die Gelegenheit, Gitarrist Doug Aldrich vor der Veröffentlichung des neuen Albums zu interviewen. Er entpuppte sich dabei als sehr sympathischer und lustiger Zeitgenosse. Die Dead Daisies haben dann 2021 ihr neues Album „Holy Ground“ veröffentlicht und wollten eigentlich schon letztes Jahr damit auf Tour gehen. Leider hat ihnen die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Umso erfreulicher, dass das Konzert an dem heutigen Tag tatsächlich stattfindet! Nach so langer Pause freue ich mich total, wieder mal im Nürnberger Hirsch zu sein. Der gemütliche Biergarten, die coole Location, lässiges Publikum – hier bin ich immer gerne! Das Konzert ist sehr gut besucht, ich denke, dass der Hirsch fast ausverkauft ist.

Los geht’s mit der lokalen Band Torpedo. Die Band hat 2020 ihre erste EP mit dem Titel „Mechanic Tyrants“ veröffentlicht, worauf sich sechs Songs befinden. Das Quartett macht keine Gefangenen und bolzt gleich von Beginn an richtig fett los. Thrash Metal alter Schule rumpelt ordentlich aus den Boxen und wird von den Musikern mit großer Leidenschaft vorgetragen. Musikalisch ist das überhaupt nicht meine Baustelle, aber die imposante Darbietung gefällt mir. Der kurze Gig kommt sehr gut an, was aufgrund der gänzlich unterschiedlichen musikalischen Ausrichtung zur Hauptband ganz klar für das faire Nürnberger Publikum spricht.

Nach einer äußerst kurzen Umbaupause geht es um 21 Uhr mit den Dead Daisies los. Die Menge tobt, als die neu formierte Truppe um Bandoberhaupt David Lowy auf die Bühne kommt. Im Mittelpunkt der Bühne steht „The Voice Of Rock“ Glenn Hughes, der wie ein klassischer Frontmann äußerst routiniert und abgezockt seine Rolle in der Band angenommen hat. „Unspoken“ vom neuen Album startet den Reigen der hochklassigen Rocksongs.

Die Dead Daisies haben mit ihrem ehemaligen Sänger John Corabi drei Studio- und ein Livealbum veröffentlicht. Somit ist klar, dass auch mit der aktuellen Besetzung Stücke dieser Scheiben präsentiert werden. „Rise Up“ ist ein typisches Corabi-Stück das Hughes jedoch souverän vom Stapel lässt und gekonnt seinen Stempel aufdrückt.

Die aktuelle Besetzung ist ein bisschen statischer als mit Corabi und Bass-Monster Marco Mendoza. Alleine schon deswegen, weil ein Musiker weniger auf der Bühne steht und sowohl Corabi als auch Mendoza einen ziemlich großen Aktionsradius auf der Bühne einnahmen. Musikalisch gehen sie jedoch etwas filigraner und weniger ruppig zu Werke. Man bekommt den Eindruck, es steht eine andere Band auf der Bühne. Beim Background-Gesang könnte jedoch tatsächlich noch eine Schippe draufgelegt werden.

Ständig unterwegs ist der quirlige David Lowy, der viel Kontakt zu den Fans aufnimmt. Zusammen mit seinem Gitarren-Gegenpart Doug Aldrich spielen sie sich förmlich in einen Rausch, der vom Nürnberger Publikum dankbar aufgesogen wird. Aldrich posiert und spielt wie ein Weltmeister. Man merkt ihm an, dass er gerne in dieser Besetzung und mit Glenn Hughes auf der Bühne steht.

Mit „Radiance“ wird ein neuer Song präsentiert, der auf dem kommenden Album stehen soll. Auch hier wird wieder mit viel Groove gearbeitet und satt gerockt. Der Song kommt auch live sehr gut rüber, auch wenn noch keiner der Anwesenden das Stück kennt. „Fortunate Son“ und „Midnight Moses“ führen die Daisies-Marotte weiter, bei der live immer die eine oder andere Cover-Version eines bekannten Stückes präsentiert wird.

Schlagzeuger Brian Tichy stellt anschließend mit einen außergewöhnlichen Drum-Solo sein Können unter Beweis. Alleine die Wucht, mit der er auf seine Felle eindrischt, macht mich fast sprachlos. Der irre Blick, den er dabei macht, erinnert einmal mehr an Schlagzeug-Legende Keith Moon von The Who. Das Schlagzeug ist so laut, dass ich nach den ersten 30 Minuten des Konzerts gerne den Bereich vor der Bühne verlasse und mich nach hinten zurückziehe.

Es wäre seltsam, wenn die Dead Daisies mit diesem prominenten Neuzugang nicht auch ein paar Lieder von Deep Purple spielen würden, oder? Und sie tun es, was ihre Fans natürlich bejubeln. Einige Deep-Purple-Shirtträger haben sich auch unter das Publikum gemischt, was früher so nicht der Fall war. Glenn Hughes lässt nicht lange bitten und bringt eine phänomenale Version von „Mistreated“ auf die Bühne. Doug Aldrich spielt die Gitarre in bester Ritchie-Blackmore-Manier, was den Song in seiner Darbietung sehr authentisch macht. Hughes lässt gesanglich alles vom Stapel, was er so draufhat. Nur manchmal schießt er leicht übers Ziel hinaus, ist aber im Gesamtergebnis über jeden Zweifel erhaben.

Die Black-Sabbath-Gedächtnisnummer „My Fate“ mit dem markanten-Basslauf von Glenn Hughes kommt hervorragend an. Ich finde das Stück brachial gut, eins der besten vom neuen Album. Der Band gelingt es spielend das Stück live sogar noch besser klingen zu lassen. Vor der Pause bringen sie noch den Doppelpack „Like No Other“ und den fulminanten Titeltrack des neuen Albums, „Holy Ground“.

90 Minuten sind schon vorbei, die Zeit vergeht wie im Flug. „Long Way To Go“ wird vom Publikum frenetisch bejubelt und mitgesungen. Mit einer Mega-Version von Deep Purples „Burn“ machen die Daisies den Sack zu. Hier wird noch einmal aus allen Rohren gefeuert. Hughes singt was das Zeug hält, Lowy und Aldrich posen um die Wette und Tichy hat auch noch die letzten Schlagzeugfelle zu Brei. Aldrich schafft das Kunststück und spielt die Orgelpassagen von Jon Lord auf der E-Gitarre. So etwas muss man erst mal nachmachen!

Nach 100 Minuten ist Feierabend. Die Band bedankt sich überschwänglich beim Publikum und bekommt von den begeisterten Nürnbergern Standing Ovations. Ich bin total von den Socken. Die neue Besetzung der Daisies rockt definitiv. Glenn Hughes fügt sich äußerst mannschaftsdienlich ein und wurde vom Publikum ohne Probleme akzeptiert.

In Kürze wird ein neues Album veröffentlicht, das die Band auch noch dieses Jahr mit einer Tour präsentieren möchte. Wer diesmal nicht dabei war, sollte unbedingt hingehen. Es lohnt sich!

 

Setlist The Dead Daisies:
1. Unspoken
2. Rise Up
3. Dead and Gone
4. Radiance
5. Mexico
6. Bustle and Flow
7. Lock ‘n’ Loaded
8. Fortunate Son (Creedence Clearwater Revival cover)
9. Midnight Moses (The Sensational Alex Harvey Band cover)
10. Drum Solo
11. Mistreated (Deep Purple cover)
12. My Fate
13. Leave Me Alone
14. Like No Other
15. Holy Ground

16. Long Way to Go
17. Burn (Deep Purple cover)

 

Bericht von Karin Turba und Stefan Graßl (Fotos + Text)