Es gibt wahrscheinlich wenige Hardrock-Bands auf dieser Welt, die eine Reputation genießen, wie die Amerikaner Tesla. Geboren mitten in der Zeit, als gerade die große Haarspray-Welle grassierte, in der Männer lieber wie Frauen ausschauen wollten und wirklich gute Songs zu schreiben gar nicht so wichtig schien. Hier überzeugte das Quintett mit seinem kernigen, bodenständigem Sound, toller Gitarrenarbeit, ausdrucksstarkem, rauen Gesang und vor allem mit tollen Liedern am Fließband. Nebenbei nahm man mit seinem „Five Man Acoustical Jam“ auch noch die Unplugged-Welle voraus.

Im europäischen Raum konnte man damit keine Charts stürmen, aber zumindest eine treue Fangemeinde hinter sich versammeln, die nach wie vor nach neuen Taten der Band giert. Und die liegen jetzt in Form von „Shock“ vor.

Na, das ist doch ein Grund zur Freude, oder nicht? Ja, dass es die Band noch einmal wissen will schon, aber das Album an sich? Ich bin etwas zwiegespalten. Ein erster Fingerzeig ist schon mal, dass der Name von Def-Leppard-Gitarrist Phil Collen auftaucht. Tesla haben das Album zusammen mit ihm geschrieben und produziert. Ist es da überraschend, dass die Musik auch immer wieder nach dem Sheffield-Fünfer klingt? Wahrscheinlich nicht. Ein kleiner Identitätsverlust geht damit leider auch einher. Man nehme nur „Taste Like“. An sich kein schlechter Song, aber viel zu glatt poliert. Noch mehr gilt das für die beiden Balladen „Love Is A Fire“ oder dem grauenvoll langweiligen „Forever Loving You“. Hier kann nicht mal mehr der charismatische Sänger Jeff Keith etwas retten. Ich glaube, ich lege mal den „Love Song“ von 1989 hinterher. So muss das!

Ja, das liest sich vielleicht jetzt schlimmer, als es tatsächlich ist. Denn ein paar gute Nummern haben Tesla natürlich auch aufgenommen. Gleich die Eröffnung „You Won’t Take Me Alive“ gefällt mit Schmissigkeit und der sonnigen Ausstrahlung und „The Mession“ und „Tied To The Tracks“ bieten genau das, wofür man die Band seit langer Zeit liebt: kantiger Hardrock mit lässigen Gitarren und einem gut aufgelegten Sänger. Und mit etwas Wohlwollen kann man den „California Summer Song“ als launiges Sommerexperiment sehen.

Dafür fehlen beim Rest etwas die zündenden Ideen oder man schafft es nicht über das Genremittelmaß hinaus zu kommen. Den Rest besorgen die glattgebügelte Produktion und die meist zu einfach gestrickten Arrangements. Nein Tesla, echt schade. Hatte mich wirklich auf die Platte gefreut. In dieser Form schon etwas enttäuschend…

 

Trackliste:
1. You Won’t Take Me Alive
2. Taste Like
3. We Can Rule The World
4. Shock
5. Love Is A Fire
6. California Summer Song
7. Forever Loving You
8. The Mission
9. Tied To The Tracks
10. Afterlife
11. Want Everything
12. Comfort Zone

 

 

Titel-Photocredit: Ross Halfin

Tesla - Shock (T-Boy/Universal Music, 08.03.2019)
3.0Gesamtwertung