Temple of The Dog ist so etwas wie die Legende der Seattle-Grunge-Ära. Führt das Album doch Musiker zusammen, die später noch mit zwei anderen Bands weltweite Erfolge feiern sollten. In erster Linie war das Ganze aber eine Art musikalische Therapiesitzung. Es ist dem ehemaligen Sänger der Truppe Mother Love Bone, Andrew Wood, gewidmet. Dieser starb am 19. März 1990. Sein Freund und Mitbewohner Chris Cornell nahm das so mit, dass er zwei Songs für seinen Kumpan schrieb, die er aber nicht für seine Band Soundgarden verwenden wollte.

Deswegen ging er zusammen mit seinem Drummer Matt Cameron und den beiden ehemaligen Mother-Love-Bone-Musikern Jeff Ament und Stone Gossard zusammen ins Studio, um die Titel aufzunehmen. Im Schlepptau hatten die beiden letztgenannten den Gitarristen Mike McCready, mit dem man gerade dabei war die Truppe Pearl Jam zu gründen. Auch ihr neuer Sänger Eddie Vedder schaute kurz vorbei und sang einen Song mit. Kein Wunder, dass man heute den Begriff „Supergroup“ in den Mund nimmt. Veröffentlicht wurde das Album letztendlich im April 1991. Wirklich Notiz davon nahmen die meisten aber wohl erst, als das ein paar Monate später veröffentliche Pearl-Jam-Debüt „Ten“ durch die Decke ging.

So weit, so gut. Überraschend gaben Temple of The Dog vor nicht allzu langer Zeit ihr Livecomeback. Da die Platte auch noch ihr 25-jähriges feierte war es für die Plattenfirma legitim, diese als „Anniversary Edition“ neu heraus zu bringen. Die Doppel-CD enthält einen ganzen Stapel Demos der damaligen Sessions, die aufgepimpte Box noch eine DVD und BluRay Audio- und Videomaterial. Die Songs des Originalalbums wurde von Brenden O’Brien (von wem sonst?!) neu abgemischt und das Ergebnis kann sich erwartungsgemäß hören lassen. Die Musik wurde ein wenig vom 90er-Muff befreit. Zeitlos klang das Ganze allerdings schon immer.

Temple of The Dog klangen trotz der Vorgeschichte nicht nach 90er-Heulsusen-Musik, sondern waren viel mehr im Classic Rock verwurzelt. Hin und wieder scheint auch ein wenig Blues durch. Cornell, der die meisten Songs im Alleingang schrieb, beweist sich mal wieder als der wohl beste Songschreiber der Grunge-Ära und hat zahlreiche heiße Eisen im Feuer. Gerade die melancholische Note der Lieder, die die Band allerdings teilweise äußerst feurig untermalt, hat ihren Reiz.

Ganz groß sind dabei das balladesk anklingende „Say Hello 2 Heaven“, das an sich simple, aber fein arrangierte Duett „Hunger Strike“ sowie das emotionale „Call Me A Dog“. Wie sehr sich die Musiker in die Nummern fallen ließen, hört man insbesondere im schmissigen „Pushin‘ Forward Back“ sowie im überlangen „Reach Down“, bei dem sich Mike McCready in einen regelrechten Rausch spielt. Sein Einstand als Leadgitarrist war damit mehr als gelungen. Mit dem sanft glimmenden „All Night Long“ endet ein wirklich gutes, inspiriertes Album, das den Klassikerstatus durchaus verdient, auch wenn es nicht die Überplatte ist, als die man sie uns immer wieder verkaufen möchte.

Die drei angehängten alternativen Mixe sind durchaus interessant und teilweise gewinnen die Songs tatsächlich einen neuen Dreh, wie zum Beispiel die vom Schlagzeug befreite Version von „Say Hello 2 Heaven“. Die Demos auf CD Nr. 2 sind naturgemäß eher etwas für richtige Fans. In Kleinigkeiten unterscheiden sich die Songs allerdings doch zu ihren Endversionen. Zwei bisher unbekannte Titel sind auch enthalten. Das wie eine Mischung aus Neil Young und R.E.M. klingende „Angel of Fire“ sowie das etwas seltsam anmutende „Black Cat“, das wie eine schräge Bluesnummer klingt.

Als Alternativ-Rock-Fan sollte man Temple of The Dog definitiv mal gehört haben. Ob es die Original- oder diese Version ist, ist dabei egal. Falsch macht man jedenfalls mit der neuen Doppel-CD definitiv nichts!

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Trackliste:

– CD1 – Original-Album
1. Say Hello 2 Heaven
2. Reach Down
3. Hunger Strike
4. Pushin Forward Back
5. Call Me a Dog
6. Times of Trouble
7. Wooden Jesus
8. Your Saviour
9. Four Walled World
10. All Night Thing
11. Say Hello 2 Heaven (Alternative Mix)
12. Wooden Jesus (Alternative Mix)
13. All Night Thing (Alternative Mix)

– CD2 – Demos und Outtakes
1. Say Hello 2 Heaven
2. Reach Down
3. Call Me A Dog
4. Times Of Trouble
5. Angel Of Fire
6. Black Cat
7. Times of Trouble (Instrumental)
8. Say Hello 2 Heaven
9. Reach Down
10. Pushin Forward Back
11. Wooden Jesus
12. All Nigth Thing

Temple Of The Dog - s/t [25th Anniversary Edition] (A&M Records/Universal, 30.09.2016)
4.6Gesamtwertung