Vor rund zwei Monaten veröffentlichte das wiederbelebte Noise-Label die ersten drei Alben von Tankard neu. Im nächsten Aufwasch folgen nun „The Meaning Of Life“ (1990), „Stone Cold Sober“ (1992), „Two-Faced“ (1994), „The Tankard“ (1995) und, ja, tatsächlich auch noch das unter dem Banner Tankwart eingespielte Cover-Album „Aufgetankt“.

Die Ausstattung ist wieder dieselbe. Wer möchte, greift zum bunten Vinyl oder zur CD im Digipack. Letztere kommen nun etwas edler in Hochglanz daher und haben ein Booklet mit Liner-Notes und Interviews mit Frontmann Gerre mit an Bord. Und jetzt gibt es auch Bonustracks. Und zwar bei den ersten drei Alben fünf bzw. drei Livesongs vom fast schon legendären Konzert 1990 in Ostberlin, bei dem man damals mit Kreator, Sabbat und Coroner auf der Bühne stand. (Ein paar nette Anekdoten dazu gibt es im Buch „Systemstörung“.) Die Songs klingen echt stark und machen Laune, auch wenn sie schon bei den 2005er-Rereleases zu finden waren. Bei der Noise-Abschiedsveranstaltung „The Tankard“ liegt das genannte Cover-Album als Bonus-CD bei.

Mit ihrem dritten Album „The Morning After“ konnten sich die Frankfurter Schluckspechte als Gegenpart zu vermeintlich bösen bzw. ernsten Thrash-Acts wie Kreator oder Destruction in der Metalszene etablieren. Mit dem Nachfolger „The Meaning Of Life“ befand sich die Band auf ihrem kommerziellen Höhepunkt. Tankards Wille zur Weiterentwicklung wurde auf der Platte deutlich. Man kam etwas weg vom hektischen, etwas an Nuclear Assault oder Anthrax angelegten Speedsound. Man drosselte das Tempo bei einigen Songs, groovte teilweise regelrecht und schloss, wie etwa beim eröffnenden „Open All Night“, zur US-Konkurrenz auf.

Dieser Song drückt zuerst ungewöhnlich heavy durch die Lautsprecher, haut dann aber doch als zackiger Prügelsound rein. So schnell ins Ohr gehen aber nicht alle Titel der Platte. Am meisten der flotte Brecher „Dancing On Our Grave“, der Vollgas-Thrasher „Mechanical Man“ und natürlich die beiden lustigen Saufnummern „Beermuda“ (rockiger, nach vorne gehender Klopfer mit lässigem Refrain) und „Space Beer“ (zuerst lässig im Midtempo und dann im Chorus explodierend). Das sind die Tankard, welche man über die Jahre lieben gelernt hat und die auf Konzerten nach wie vor kein Auge trocken lassen, die aber auch das Trinkgesellenimage der Band zementierten.

Der Rest wirkt leider immer etwas wie Thrash von der Stange, teilweise sogar etwas unspektakulär. Das kannte man von Tankard so eigentlich nicht. Wo es am Songwriting sonst vielleicht etwas fehlte, konterte man zumindest mit jeder Menge jugendlicher Power und Energie. Songs wie „Always Them“ oder „Wheel Of Rebirth“ sind dagegen wieder recht schnell vergessen. So bleibt am Ende ein etwas durchwachsenes Geschmäckle zurück. Mit dem Blick auf das wieder humorvolle Cover erinnert man sich allerdings dann doch ganz gern daran zurück. Tankard waren aber vorher – und natürlich auch später – ein Stück besser.

Das wird vor allem klar, wenn man Songs wie „Alien“, „Maniac Forces“ oder „The Morning After“ hört, die hier als Live-Bonustracks beiliegen. Diese Aufnahmen haben tonnenweise Charme und wissen mit echter Liveatmosphäre zu gefallen. Man muss dann wohl auch die nächsten beiden Re-Releases ins Haus holen, um das komplette Konzert sein Eigen nennen zu können.

 

Trackliste:
1. Open All Night
2. We Are Us
3. Dancing On Our Grave‘
4. Mechanical Man
5. Beermuda
6. The Meaning Of Life
7. Space Beer
8. Always Them
9. Wheel Of Rebirth
10. Barfly
11. Wonderful Life
12. The Morning After (Bonus Live Track)
13. Commandments (Bonus Live Track)
14. Alien (Bonus Live Track)
15. Open All Night (Bonus Live Track)
16. Maniac Forces (Bonus Live Track)